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er die Insel Usedom zu besetzen suchte, zumal da der Sequestrationsvertrag darüber
nichts auswies. Nach seiner Gewohnheit rasch zur That, ging er hinüber,
bemächtigte sich der Schanzen, behandelte jedoch die preußischen Gefangenen
glimpflich und ließ sie mit Waffen und Gepäck nach Anklam übersetzen. Dieser
Angriff gab dem Könige endlich vollgültigen und deshalb wohl nicht unwillkommenen
Grund, aus der bisherigen, wie er wohl selbst sah, unhaltbaren
Stellung einer so bedingten Neutralität inmitten von großen und leidenschaftlich
gegeneinander erhitzten Mächten herauszutreten. Unverzüglich erhielt der schwedische
Gesandte die Weisung, Berlin binnen 24 Stunden zu verlassen, worauf
dieser mit verletzendem Stolz erwiederte, sein Herr habe ihm nur 12 Stunden
Zeit dazu gestattet.
Unter solchen Umständen war die gemeinschaftliche Besetzung Stettins eine
Unmöglichkeit; deshalb erhielt auch General von Borck den Befehl, die holsteinischen
Truppen zu entwaffnen und kriegsgefangen nach Berlin zu senden. Alle
preußischen Unterthanen wurden bei Lebensstrafe aus den schwedischen Diensten
abgerufen, und 32 Bataillone, 27 Schwadronen nebst 115 Feldgeschützen in
das Lager von Stettin beordert. Dorthin begab sich der König in Person, nachdem
er eine Instruction an den geheimen Rath hinterlassen hatte, welche, wie
auch alle übrigen Maßregeln, die ernstlichsten kriegerischen Absichten bekundet,
und außerdem ein treffendes Bild seines eigenthümlichen Charakters giebt. Unter
Anderem heißt es darin: „Es soll an meine Frau von Allem gesagt und sie
um Rath gefragt werden. Dieweil ich aber ein Mensch bin und kann todt geschossen
werden, so befehle ich Allen, für Fritz zu sorgen, davor sie Gott belohnen
wird, und ich gebe Allen, von meiner Frau an, meinen Fluch, daß Gott sie
sowohl zeitlich als ewig strafen möge, sofern sie mich nach meinem Tode nicht
im Gewölbe der Schloßkirche begraben. Sie sollen dabei kein Festin machen,
bei Leib und Leben keine Ceremonien und Festin, als daß sie sollen die Regimenter
in der Reihe das Gewehr nehmen und schießen lassen. Ich bin versichert,
daß Ihr Alles mit der größten Eractitüde von der Welt bestellen werdet, wofür
ich allezeit eifrig, so lang ich lebe, Euer Freund sein werde“ (April 1715).
Man hatte wohl schwedischer Seits nicht auf eine solche Entschlossenheit
des Königs gerechnet, und gemeint, ihn durch energische Mittel auch ohne Opfer
in seiner neutralen Stellung zu erhalten; daher machte der französische außerordentliche
Gesandte, Graf von Croissy, noch einen Versuch, wenigstens zwischen
Preußen und Schweden den Frieden zu erhalten. Er versicherte dem Könige,
Karl XII. wünsche aufrichtig den Frieden, was nach dem in Vergleich mit seiner
sonstigen Schroffheit rücksichtsvollen Benehmen gegen die preußischen Truppen
allerdings glaublich erscheint, und versprach unter der Gewährleistung Frankreichs,
daß Schweden Alles erfüllen würde, was Friedrich Wilhelm I. gefordert
hätte. Anerbietungen der Art hätten wenige Wochen früher den König auf dem
bisherigen Wege erhalten; jetzt aber konnte er, ohne sich in den Augen der
Verbündeten bloszustellen und alles Ansehen zu verlieren, nicht einfacher Weise
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