Nach Kinderart hatte ich die Leidenschaft, alles, was mir
eßbar dünkte, zu kosten. Die Mutter nahm mich dann scharf
ins Verhör. „Otto, was hast du gegessen? Du riechst nach
Medizin!“ rief die Mutter ernst. Ich besann mich eine Weile,
dann sagte ich ruhig: „In des Daters Stube stand am Fenster
eine Flasche Medizin, die nahm ich in den Mund, ich
habe aber nicht davon getrunken, weil sie sehr stankte."
Schon als Knabe habe ich Wilhelm Tell nicht leiden
können, und zwar erstens, weil er auf seinen Sohn geschossen,
dann, weil er Geßler auf meuchlerische Weise getötet
hat. Natürlicher und nobler wäre es nach meinen Begriffen
gewesen, wenn er, statt auf den Jungen abzudrücken
— den doch der beste Schütze statt des Apfels treffen
konnte — wenn er da lieber gleich den Landvogt erschossen
hätte. Das wäre gerechter Sorn über eine grausame Zu—
mutung gewesen. Das Derstecken und Kuflauern gefällt mir
nicht, das paßt nicht für helden — nicht einmal für Franktireurs.
Busch, Tagebuchblätter.
Bismarck erzählt: Die HPlamannsche Anstalt lag so, daß
man auf einer Seite ins freie Feld hinaussehen konnte. Am
Südwestende der Wilhelmstraße hörte damals die Stadt auf.
Wenn ich aus dem Henster ein Gespann Ochsen die Sckerfurche
ziehen sah, mußte ich immer weinen vor Sehnsucht
nach Kniephof. In der ganzen Anstalt herrschte rücksichtslose
Itrenge. Einmal war im Nachbarhause jemand gestorben.
Ich hatte noch nie einen Voten gesehen und kletterte durch
ein Fenster, um die Leiche genau zu betrachten. Dafür wurde
ich hart bestraft. Mit der Turnerei und Jahnschen Reminiszenzen
trieb man ein gespreiztes Mesen, das mich anwiderte.
Kurz, meine Erinnerungen an diese Seit sind sehr unerfreulich.
Erst später, als ich aufs Eymnasium und in eine Privatpension
kam, fand ich meine Lage erträglich.
Keubdell, Sürst und Sürstin Bismarck.
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