§ 31. Die Justiz. 89
sichtlich der gesamten bayerischen Staatsanwaltschaft, dem Generalstaatsanwalte hinsichtlich
der Staatsanwaltschaft bei dem Obersten Landesgerichte, den Oberstaatsanwälten an den
Oberlandesgerichten und den ersten Staatsanwälten an den Landgerichten hinsichtlich der
staatsanwaltlichen Beamten ihres Bezirkes zu.
Die Staatsanwälte dürfen richterliche Geschäfte nicht übernehmen. Auch darf ihnen
die Dienstaussicht über die Richter nicht übertragen werden ¹). Sie führen die Aufsicht
über das Gefängniswesen ²).
Die Beamten des Polizei= und Sicherheitsdienstes, ferner die als Amtsanwälte aufgestellten
Gemeindebeamten, die Bürgermeister und deren Stellvertreter, dann die Polizeikommissäre
in der Pfalz sind Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft. Im Bedürfnisfalle
können noch weitere gemeindliche Beamte und Bedienstete als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft
bezeichnet werden ³).
Bei jedem Gerichte wird eine Gerichtsschreiberei eingerichtet, worüber für
die Landesgerichte durch die Landesjustizuverwaltung Bestimmung getroffen wird ⁴).
Das Gleiche gilt hinsichtlich der Gerichtsvollzieher ⁵).
Der ärztliche Dienst bei den Gerichten (Landgerichts= und Bezirksärzte) ist
durch königliche Verordnung ⁶) organisiert.
Die Verhältnisse der Rechtsanwaltschaft sind, soweit das Reichsrecht dies
verstattet, durch königliche Verordnungen und Ministerialvorschriften geregelt ⁷). Die Reichsgesetzgebung
hat auf diesem Gebiete eine einschneidende Aenderung bewirkt, indem sie an
die Stelle staatlicher Ernennung der Rechtsanwälte („königliche Advokaten") die staatliche
„Zulassung“ derselben treten ließ.
III. Das Militärstrafrecht und die Militärstrafrechtspflege sind
erst durch das Militärstrafgesetzbuch und die Militärstrafgerichtsordnung vom 29. April
1869 ⁸) in verfassungsmäßiger Weise neu geregelt; ersteres wurde ersetzt durch das Militär-1)
R. G. V. G. § 152. Auch nicht im Gebiete der freiwilligen Gerichtsbarkeit.
2) Ausf.G. z. N. Str. Pr. O. Art. 23 ff. und Vollzugsvorschriften hiezu. W. Henle, das
Gefängniswesen in Bayern. Nördlingen 1887. Ueber Strafvollstreckung gegen Militärpersonen
Kr. M. E. vom 21. Sept. 1900 (Kr. M. Bl. S. 416).
3) R.G.V.G. § 153, Auef. G. Art .56. Dazu V.O. vom 31. August 1879, die Hilfsbeamten
der Staatsanwaltschaft betr. (G. V. Bl. S. 1057; vgl. 1880 S. 545).
4) R.G. V.G. § 154, Ausf.G. Art. 59—64 in der Fassung des Art. 167 des Ausf.G. zum
B.G. B. Dazu V.O. vom 23. Aug. (Tit. 3) und 6. September 1879 (G.V. Bl. S. 1043, 1110),
vom 26. November 1881 (G. V. Bl. S. 1319), vom 17. Mai 1890 (G. V. Bl. S. 255), vom 12. Juni
1892 (G.V. Bl. S. 267). Finanzges. vom 26. Mai 1892 § 14, J. M. Bl. 1892 S. 132, 137, F.M. Bl.
1892 S. 98—107, V.O. vom 24. Juni 1896 (G. V. Bl. S. 303), Min. Bek. vom 30. Dez. 1901
(J. M. Bl. 1902 S. 1), 16. Dez. 1899 (J. M. Bl. S. 475).
5) R.G. V.G. §§ 155, 156; Ausf.G. zum G. .G. Art. 65—67, ferner Ausf.G. z. B. G.B.
Art. 129, 167 Z. 18, z. Gr. B.O. Art. 8, M.O. v. 16. Dez. 1899 (G. V. Bl. S. 1015), die Gerichtsvollzieherordnung
betr., ferner die Gebührenordnung für G.V. in der Fassung vom 20. Mai
1898 (M.G.Bl. S. 683), wozu ergänzend die bayerische V. O. vom 16. Dez. 1899 (G. V. Bl. S. 1028,
s. auch 1902 S. 98 und J.M. Bl. 1902 S. 383), erlassen auf Grund des bayer. Gehührengesetzes in
der Fassung vom 11. Nov. 1899, Min. Bek. vom 17. Dez. 1899 (J. M. Bl. S. 517 ff.), Dienstvorschriften
vom 28. Dez. 1899 (J. M. Bl. S. 1133) und 18. Febr. 1902 (J. M. Bl. S. 384), Geschäftsanweisung
vom 28. April 1900 (J. M. Bl. S. 621).
6) Vom 3. September 1879 (Ges. V. Bl. S. 1081).
7) Bekanntmachung vom 7. Juli 1879, die Ausführung der deutschen Rechtsanwaltsordnung
betr. (G. V. Bl. S. 685), V. O. vom 19. gl. Mts. im gl. Betreff (G. V. Bl. S. 7050), Bekanntmachung
vom 10. Sentember 1879 (G. W. Bl. S. 1168), Gebührenordnung der Rechtsamwälte, Fassung vom
20. Mai 1898 (R.G.Bl. S. 692), VM.O. vom 25. März 1902, die Gebühren der Rechtsanwälte
in den Angelegenheiten der Rechtspflege sowie der Verwaltung und Verwaltungsrechtspflege betr.
(G. V. Bl. S. 133 u. 144), V.O. vom 4. April 1902, die Gebühren der Rechtsanwälte im Verfahren
vor dem Landesversicherungsamte betr. (G. M. Bl. S. 153).
Vgl. auch Ges. vom 18. August 1879, die Pensionsanstalt für Witwen und Waisen der Advokaten
des Königreichs betr. (G. V. Bl. S. 987).
8) Einf. G. hiezu G. Bl. S. 1341. Die Gesetzbücher selbst sind gesondert veröffentlicht worden.