Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

135

Auch  waren  manche  fest  uͤberzeugt,  daß  der  Provincial-Unterschied
  nicht  genug  beobachtet  sey,  und  unstreitig  war's
wohl  auch,  daß  sowohl  bei  der  Taxation  als  bei  der  Vertheilung
  der  Einquartierungslast  nicht  sorgfaͤltig  genug  auf
die  Lokalumstaͤnde  Ruͤcksicht  genommen  werden  konnte.

Wer  sich  etwa  noch  geduldig  unterwarf,  unterwarf  sich
allein  nur  auf  Hoffnung,  daß  die  Einquartierungslast  sogleich
  gehoben  werden  sollte.  Fast  jeder  aber,  der  seiner
Soldaten  lieber  heute  als  morgen  entledigt  seyn  wollte,  konnte
unmoͤglich  begreifen,  daß  es  so  vieler  Traktaten  und  Ausgleichungen
  beduͤrfe,  bis  man  nur  seine  Quartierlast  erleichtert
  habe;  und  doch,  wenn  der  Plan  bleiben  sollte,  daß
die  neue  sichende  Armee  24,000  Mann  stark  seyn  müsse,
so  war  wenig  Erleichterung  zu  hoffen.

Man  ließ  es  also  auch  nicht  an  Vorstellungen  schlen,
die  selbst  die  Nothwendigkeit  der  Reduktion  zeigen  sollten.
Dies  waren  aber  wohl  die  letzten,  die  Gehdr  finden  konnten;
  sie  durften  doch  bei  Hofe  nicht  vergessen,  wie  stark  die
Bewaffnung  der  Schweden  sey.

Von  allen  Seiten  her  liefen  neue  Vorstellungen  ein  an
den  neuen  Erbkönig.  Der  König  befahl  auch  ernstlich,  daß
ohne  Verzug  geholfen  werden  solle,  aber  das  Detail  der
Ausgleichungs=  und  Berichtigungsarbeit  konnte  oft  weder
der  Konig  selbst  richtig  berechnen,  noch  auch  die,  die  Hülfe
haben  wollten,  vollig  unpartheiisch  schätzen.

Die  Bürger  wurden  böse,  daß  das  goldene  Zeitalter  nicht
sogleich  anbreche,  wie  sie  gehofft  hatten,  und  die  dirigirenden
  Männer  wollten  bald  unmuthig  werden,  wie  wenig  man
es  recht  machen  koͤnne.

Auch  zwischen  der  Geistlichkeit  und  den  Deputirten  des
Bürgerstandes,  dic  sonst  bis  dahin  immer  zusammen  gehal-