Full text : Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge.

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Vom  Montag  bis  zum  Mittwoch  vor  Himmelfahrt  wurde  bis
zum  Jahre  1824  das  Gregoriusfest  der  lateinischen  Schule  in  A.
abgehalten.  Spieß  (636)  schreibt  darüber:  „Schon  vier  bis  fünf  Wochen
vorher  begann  das  Uben  der  Trommler  und  Pfeifer.  Jene  bestanden
aus  Primanern,  diese  aus  Sekundanern.  Nach  vier  Uhr,  wenn  die
Schulstunden  zu  Ende  waren,  mußten  die  Serviteure,  d.  h.  die  untern
Alumnen,  die  Trommeln  vor  das  Tor  tragen.  Von  den  unteren  Klassen
schlossen  sich  mehrere  freiwillig  an.  Draußen  fanden  sich  dann  auch
die  Schüler  der  oberen  Klassen  dazu  und  übten  sich  nun  tüchtig  auf
der  Trommel  und  der  Pickelpfeife.  Dies  war  schon  ein  Vorgeschmack
von  den  Freuden  des  eigentlichen  Festes.  Dieses  selbst  wurde  am
Montag,  früh  3  Uhr  mit  Reveille  eröffnet,  wobei  die  Trommler  und
Pfeifer,  sämtlich  kostümiert  in  roten  Kolletts  mit  blauen  Aufschlägen,  abwechselnd
  aufspielten.  Um  6  Uhr  wurde  Appell  geschlagen  und  nun
strömte  alles  herbei,  was  zur  Schule  gehörte.  Alle  Schüler,  vom  obersten
bis  zum  untersten,  waren  verkleidet:  da  gab  es  Husaren,  Dragoner,
Schäfer,  Köche,  Jäger  usw.,  besonders  viele  Harlekine  mit  Peitschen.
Von  den  höheren  Klassen  hatten  sich  mehrere  beritten  gemacht  —  wer
nur  irgend  eine  Mähre  auftreiben  konnte,  entlehnte  sie  —  und  paradierten
  kostümiert  und  mit  Seitengewehren  bewaffnet  stolz  zu  Roß.
Diese  Reiterei  zog  nun  abgesondert  durch  die  Gassen  der  Stadt  und
machte  auch  Ausflüge  nach  Kleinrückerswalde,  Frohnau  und  Buchholz.
Die  Nichtberittenen  dagegen  begannen  7  Uhr  ihren  Umzug  durch  die
Stadt.  Voran  ging  die  Schulfahne,  dann  folgte  die  Musik,  bestehend
aus  Geigen  und  einer  Baßgeige,  die  von  Schülern  des  Sängerchores
gespielt  wurden,  darnach  kamen  das  Lehrerkollegium  und  endlich  die
Schüler  aller  fünf  Klassen.  An  der  Seite  schritten  zwei  Primaner  mit
Sparbüchsen,  die  die  Beiträge,  die  aus  jedem  Hause  verabreicht  wurden,
einsammelten.  Dieser  Umzug  dauerte  bis  9  Uhr.  Um  10  Uhr  begann
das  Theater  in  dem  zweiten  Stockwerk  des  Rathauses.  Gewöhnlich  kam
ein  deutsches  Lustspiel  zur  Aufführung,  mitunter  auch  eine  Oper.  Sämtliche
  Spielende  waren  Primaner  und  Sekundaner,  denen  ausnahmsweise
  auch  einzelne  Tertianer  beigegeben  wurden.  Die  Spieler  waren
entsprechend  kostümiert  und  machten  ihre  Sachen  nach  Verhältnis  recht
gut.  Nach  Beendigung  der  Komödie  begaben  sich  cke  zum  Mittagsessen
nach  Hause,  und  um  2  begann  abermals  ein  Umzug  durch  die  Stadt,
der  bis  nach  5  Uhr  dauerte.  Zum  Zapfenstreich  ½88  fanden  sich  wieder
alle  Schüler,  größtenteils  in  Mißgestalten  verwandelt,  mit  scheußlichen
Larven  vor  den  Gesichtern,  an  der  Schule  ein.  Da  gab  es  Gespenster,
Wechselbälge  von  allen  Größen  u.  dergl.,  selbst  Nichtschüler  mischten
sich  unter  die  Masken.  Die  Primaner  trommelten  und  spielten  die
Janitscharenmusik,  zu  der  die  Schule  sämtliche  Instrumente  besaß,  die
übrige  Musik  besorgten  die  Stadtmusici,  und  so  durchzog  der  Zapfenstreich
  die  ganze  Stadt  bis  in  die  kleinsten  und  abgelegensten  Gassen.
Bei  den  Wohnungen  der  Behörden  und  sonstigen  Notabilitäten  wurde
Halt  gemacht  und  ein  kurzes  Ständchen  gebracht,  wofür  nicht  selten
eine  Erfrischung  in  Bier  verabreicht  wurde.  Nach  10  Uhr  traf  der