Full text : Der König Friedrich II. von Preussen und die deutsche Nation.

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Bayern  hat  der  russische  Hof  in  der  Anerkennung,  daß  das  Streben
  des  Hofes  von  Wien  immerdar  gegen  die  deutsche  Freiheit
und  die  deutschen  Gesetze  gerichtet  sei,  sich  erboten  mir  alle  Hülfe
zu  gewähren.  Diese  wird  beträchtlich  sein,  wenn  nur  der  Friede
mit  den  Türken  dauern  könnte.  Meine  Briefe  aus  Constantinopel
  lassen  mich  hoffen,  daß  dieses  Mal  die  Türken  ihren  Stillstand
  mit  den  Russen  nicht  brechen  werden.  Also,  mein  lieber
Bruder,  werden  Sie  erkennen,  daß  unsere  Sachen  nicht  schlecht
stehen,  und  daß  der  Wiener  Hof  Ursache  zur  Reue  haben  dürfte
über  das  ungerechte,  tyrannische  und  voreilige  Verfahren,  in  welches
  er  sich  gegen  den  Kurfürsten  von  Bayern  eingelassen  hat.“

Wir  sehen,  der  Plan  des  Königs  ist,  wo  möglich,  ein  gemeinsamer
  Krieg  von  Rußland,  Frankreich  mit  ihm  gegen  Oestreich.

Er  nimmt  jedoch  von  Frankreich  noch  keine  Bereitwilligkeit
wahr.  Abermals  tröstet  er  sich.  1)  „Da  Frankreich  zu  weichlich,
zu  feige  ist,  und  eine  östreichische  Königin  hat:  so  ist  alles  was
wir  von  dort  erlangen  können,  die  Neutralität,  und  in  Ermangelung
  eines  Besseren  muß  man  damit  sich  begnügen.“  Bis  dahin
fehlt  ihm  jedoch,  noch  der  Vorwand.  Am  9.  Februar  erlangt  er,  wie
wir  gesehen  haben,  auch  diesen  durch  die  Thätigkeit  des  Grafen
Görz.  Die  Hoffnung  malt  sich  etwas  sanguinisch.  „Es  ist  alle
Aussicht  vorhanden  den  Kurfürsten  Carl  Theodor  zu  nöthigen,  daß
er  seinen  Vertrag  zurück  nimmt,  oder  wenigstens  den  Herzog  von
Zweibrücken  um  Hülfe  schreien  zu  lassen.“  Die  Gunst  der  Umstände
nimmt  zu.  Einige  Tage  später  scheint  man  auch  in  Frankreich
sich  zu  entschließen  einer  Erklärung  durch  die  Waffen  Nachdruck
zu  verleihen.  „Die  Nachrichten  aus  Frankreich,“  fährt  der  König
fort,  „sind  fast  eben  so  gut,  wie  diejenigen  aus  Rußland.  Man
erwartet  dort  nur  eine  Erklärung  des  Wiener  Hofes,  um  einen
entscheidenden  Entschluß  zu  ergreifen.  Wir  haben  also  Frankreich

1)  a.  a.  O.  418.