Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1901. (28)

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seinem  ewigen,  geistlichen  Priestertum  teil,  während  eine  leibliche
Obrigkeit  in  der  Kirche  keine  Statt  hat,  sondern  der  Priester  vielmehr
  der  Diener  der  Gemeinde  sein,  auch  nur  so  lange  im  Amte
bleiben  soll,  als  er  des  guten  Hirten  Christi  Stimme  lauter  und
rein  führt,  oder  bis  der  Geist  einem  anderen  Gliede  der  Gemeinde
es  eingiebt,  das  Wort  zu  verkünden.  Schorre  ist  also  —  wie  Luther
—  Anhänger  der  freien  Gemeinde,  wie  die  apostolische  Zeit  sie
gesehen.  Die  Entfernung  von  diesen  Zuständen  erscheint  ihm  als
Abfall:  nach  ihm  sind  alle  Geistlichen,  vom  Papst  bis  zum  Frühmefsner,
  in  den  Schafstall  Christi  als  Diebe  und  Mörder  eingedrungen,
  aber  nicht  als  die  guten  Hirten.  In  lebhaften  Farben
schildert  er  ihre  Weltlust,  ihre  Uppigkeit  und  Herrschsucht,  ıhr
hochfahrendes  Auftreten,  ihre  Entfernung  von  der  Liebe  und  Demut,
die  den  Priester  zieren  sollen,  sowie  den  geistlichen  Hochmut  der
Mönche,  die  sich  von  dem  Gebot  der  Bibel,  der  weltlichen  Obrigkeit
  zu  gehorsamen,  lossagen  und  sich  mittels  der  verwerflichen
Klostergelübte  selbst  auswählen,  wem  sie  gehorsam  sein  wollen  ').

Kommt  in  diesem  letzteren  Urteil  des  Autors,  seiner  Auffassung
  des  Mönchtums  als  Emanzipation  von  den  Unterthanenpfliehten,
  der  Standpunkt  des  fürstlichen  Beamten  zum  Vorschein,
so  mögen  wir  um  so  zuverläfslicher  annehmen,  dafs  sich  Schorre
bei  seinen  Ausführungen  ım  Einklang  mit  seinem  Fürsten  befand?).
Freilich  war  Ludwig  von  Veldenz  an  Macht  zu  beschränkt,  als
dafs  er  es  hätte  unternehmen  können,  ohne  Rücksicht  auf  seine
mächtigeren  Stammesvettern,  zumal  den  Kurfürsten  von  der  Pfalz,
eine  selbständige  Politik  zu  versuchen.  Bezeichnend  ist  sein  Verhalten
  gegenüber  dem  Speierer  Reichstage:  er  lies  hier  seine  Vertreter
  ihre  Stimme  durchaus  im  evangelischen  Sinne  abgeben,  aber
er  erschien  nicht  in  Person,  obwohl  die  Wahlstatt  des  Reichstages
wenigen  Fürsten  günstiger  gelegen  war,  als  ihm;  offenbar  wollte
er  sich  den  Einwirkungen  seiner  Sippe  entziehen,  oder  es  vermeiden,
mit  derselben  in  Konflikt  zu  kommen.  Er  trat  daher  auch  dem
evangelischen  Bündnis  nicht  ausdrücklich  bei;  trotzdem  glaubte
Landgraf  Philipp  auf  Ludwig  so  sicher  zählen  zu  können,  dals  er

')  Auch  die  Konzilien  werden  angegriffen;  in  Glaubenssachen  Statuten
machen,  sei  so  viel,  als  wolle  man  der  Sonne  zur  Steuer  eine  Kerze  anzünden,
Übrigens  sei  notorisch,  dafs  die  Konzilien  von  den  ältesten  Zeiten  her  geirrt
  hätten.

?)  Beiläufig  sei  erwähnt,  dafs  Schorre  im  Jahre  1527  Ludwigs  Geheimschreiber
  und  1529  sein  Kanzler  wurde.  Ney,  Joh.  Schwebel  a.a.  O.