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seinem ewigen, geistlichen Priestertum teil, während eine leibliche
Obrigkeit in der Kirche keine Statt hat, sondern der Priester vielmehr
der Diener der Gemeinde sein, auch nur so lange im Amte
bleiben soll, als er des guten Hirten Christi Stimme lauter und
rein führt, oder bis der Geist einem anderen Gliede der Gemeinde
es eingiebt, das Wort zu verkünden. Schorre ist also — wie Luther
— Anhänger der freien Gemeinde, wie die apostolische Zeit sie
gesehen. Die Entfernung von diesen Zuständen erscheint ihm als
Abfall: nach ihm sind alle Geistlichen, vom Papst bis zum Frühmefsner,
in den Schafstall Christi als Diebe und Mörder eingedrungen,
aber nicht als die guten Hirten. In lebhaften Farben
schildert er ihre Weltlust, ihre Uppigkeit und Herrschsucht, ıhr
hochfahrendes Auftreten, ihre Entfernung von der Liebe und Demut,
die den Priester zieren sollen, sowie den geistlichen Hochmut der
Mönche, die sich von dem Gebot der Bibel, der weltlichen Obrigkeit
zu gehorsamen, lossagen und sich mittels der verwerflichen
Klostergelübte selbst auswählen, wem sie gehorsam sein wollen ').
Kommt in diesem letzteren Urteil des Autors, seiner Auffassung
des Mönchtums als Emanzipation von den Unterthanenpfliehten,
der Standpunkt des fürstlichen Beamten zum Vorschein,
so mögen wir um so zuverläfslicher annehmen, dafs sich Schorre
bei seinen Ausführungen ım Einklang mit seinem Fürsten befand?).
Freilich war Ludwig von Veldenz an Macht zu beschränkt, als
dafs er es hätte unternehmen können, ohne Rücksicht auf seine
mächtigeren Stammesvettern, zumal den Kurfürsten von der Pfalz,
eine selbständige Politik zu versuchen. Bezeichnend ist sein Verhalten
gegenüber dem Speierer Reichstage: er lies hier seine Vertreter
ihre Stimme durchaus im evangelischen Sinne abgeben, aber
er erschien nicht in Person, obwohl die Wahlstatt des Reichstages
wenigen Fürsten günstiger gelegen war, als ihm; offenbar wollte
er sich den Einwirkungen seiner Sippe entziehen, oder es vermeiden,
mit derselben in Konflikt zu kommen. Er trat daher auch dem
evangelischen Bündnis nicht ausdrücklich bei; trotzdem glaubte
Landgraf Philipp auf Ludwig so sicher zählen zu können, dals er
') Auch die Konzilien werden angegriffen; in Glaubenssachen Statuten
machen, sei so viel, als wolle man der Sonne zur Steuer eine Kerze anzünden,
Übrigens sei notorisch, dafs die Konzilien von den ältesten Zeiten her geirrt
hätten.
?) Beiläufig sei erwähnt, dafs Schorre im Jahre 1527 Ludwigs Geheimschreiber
und 1529 sein Kanzler wurde. Ney, Joh. Schwebel a.a. O.