dlesem Falie die Integrität und Unabhängigkeit Belgiens gewährleistete, wle
auch die Verpfllchtung Deutschlande zu voller Schadloshaltung auedrücklich
aonerkannte.
Am 3. August wandte sich König Albert von Belglen an den Könlg von England,
um dle diplomatische Vermlttlung der britischen Reglerung zum Schutze
der Neutralltät Belglene anzurufen. Zugleich rüstete Belgien sich zum bewaffneten
Widerstand. Oas englische Kabinett verlangte von Deutschland die Achtung
der belgischen Neutralität. Deutschland erwiderte, es werde sogar im Falle
eines bewaffneten Konflikto mit Belglen sich unter gar kelnem Vorwande
belglsches Geblet anelgnen. Das deutsche Volk könne aber einem durch Belglen
gerichteten französischen Angriff, wle er nach unwlderleglichen Beweilsen beabslchtigt
sel, nicht ausgesetzt werden.
Am 4. August, während der berühmten Relchstagesitzung, ließ der englische
Botschafter sich bel dem Reichskanzler melden und verlangte wiederholt die
Respektlerung der belgischen Neutralltät. Als Bethmann erwiderte, unsere
Truppen hätten bereite die belglschen Grenzen überschrltten, entfernte er sich,
kam nach einlgen Stunden wleder und verlangte, es solle bie 12 Uhr nachts
die Erklärung abgegeben werden, daß wir unser Vorgehen in Belgien elnstellen
würden. Anderenfalls sel er beauftragt, seine Pässe zu fordern, und
England werde Belglen schützen. „Has war dle englische Krlegserklärung."
(Bethmann, S. 198.)
Am selben Tage sprach die englische Reglerung der belgischen, was sie vorder
schon elnmal getan hatte, ihre „Erwartung“ aue, sie werde einer Neutralitäteverletzung
durch Deutschland „mit aller Kraft Widerstand lelsten“. England
sel in diesem Falle bereit, sich den gegen une berelte im Krlege befindlichen
Mächten, Rußland und Frankreich, anzuschließen.
Dabei hatte aber England schon vorher · also ehe die deabsichtigte Verletzung
der belgischen Neutralität durch Deutschland In die Erscheinung getreten
war — sich Frankreich gegenüber verpflichtet, wie bereits (S. 41) hervorgehoben,
die französische Küste gegen seden Angriff Deutschlande zu schützen. Das ergibt
mit zwingender Deutllchkeit, daß die Verletzung der belgischen Neutralität
für England nicht der Grund zu selnem Eintritt in den Krieg, sondern nur eln
geschikt abgewarteter und ungeheuer werbekräftiger Vorwand war.
5.
Her deutsche Generalstab war also schon im Frleden entschlossen, den Verteldlgungskrieg
auf der Westfront angriffeweise, und zwar in der Richtung zu
fübren, daß gegenüber der französtlschen Ostfront nur elne Beobachtunge- und
Verteidigungsstellung eingenommen werden sollte, während die gesamte verfügbare
Heeresmacht um den ODrebpunkt Metz eine gewaltige Linkeschwenkung vollzleben
und durch Belglen vorrückend dle französische Nordostfront angreifen sollte.
Was aber mußte, was konnte derwell lm Osten gescheben?
Wle ein Alpdruck lastete auf dem deutschen Leden der letzten Zahre vor dem
Krlege die Vorstellung von der ungeheuren Gefahr, die im Osten drohte. Hier
lag vor unseren Grenzen der russische Bär auf der Lauer. Das gewaltige Zaren-50