Contents : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

dlesem  Falie  die  Integrität  und  Unabhängigkeit  Belgiens  gewährleistete,  wle
auch  die  Verpfllchtung  Deutschlande  zu  voller  Schadloshaltung  auedrücklich
aonerkannte.

Am  3.  August  wandte  sich  König  Albert  von  Belglen  an  den  Könlg  von  England,
  um  dle  diplomatische  Vermlttlung  der  britischen  Reglerung  zum  Schutze
der  Neutralltät  Belglene  anzurufen.  Zugleich  rüstete  Belgien  sich  zum  bewaffneten
  Widerstand.  Oas  englische  Kabinett  verlangte  von  Deutschland  die  Achtung
  der  belgischen  Neutralität.  Deutschland  erwiderte,  es  werde  sogar  im  Falle
eines  bewaffneten  Konflikto  mit  Belglen  sich  unter  gar  kelnem  Vorwande
belglsches  Geblet  anelgnen.  Das  deutsche  Volk  könne  aber  einem  durch  Belglen
gerichteten  französischen  Angriff,  wle  er  nach  unwlderleglichen  Beweilsen  beabslchtigt
  sel,  nicht  ausgesetzt  werden.

Am  4.  August,  während  der  berühmten  Relchstagesitzung,  ließ  der  englische
Botschafter  sich  bel  dem  Reichskanzler  melden  und  verlangte  wiederholt  die
Respektlerung  der  belgischen  Neutralltät.  Als  Bethmann  erwiderte,  unsere
Truppen  hätten  bereite  die  belglschen  Grenzen  überschrltten,  entfernte  er  sich,
kam  nach  einlgen  Stunden  wleder  und  verlangte,  es  solle  bie  12  Uhr  nachts
die  Erklärung  abgegeben  werden,  daß  wir  unser  Vorgehen  in  Belgien  elnstellen
  würden.  Anderenfalls  sel  er  beauftragt,  seine  Pässe  zu  fordern,  und
England  werde  Belglen  schützen.  „Has  war  dle  englische  Krlegserklärung."
(Bethmann,  S.  198.)

Am  selben  Tage  sprach  die  englische  Reglerung  der  belgischen,  was  sie  vorder
  schon  elnmal  getan  hatte,  ihre  „Erwartung“  aue,  sie  werde  einer  Neutralitäteverletzung
  durch  Deutschland  „mit  aller  Kraft  Widerstand  lelsten“.  England
sel  in  diesem  Falle  bereit,  sich  den  gegen  une  berelte  im  Krlege  befindlichen
Mächten,  Rußland  und  Frankreich,  anzuschließen.

Dabei  hatte  aber  England  schon  vorher  ·  also  ehe  die  deabsichtigte  Verletzung
  der  belgischen  Neutralität  durch  Deutschland  In  die  Erscheinung  getreten
war  —  sich  Frankreich  gegenüber  verpflichtet,  wie  bereits  (S.  41)  hervorgehoben,
die  französische  Küste  gegen  seden  Angriff  Deutschlande  zu  schützen.  Das  ergibt
mit  zwingender  Deutllchkeit,  daß  die  Verletzung  der  belgischen  Neutralität
für  England  nicht  der  Grund  zu  selnem  Eintritt  in  den  Krieg,  sondern  nur  eln
geschikt  abgewarteter  und  ungeheuer  werbekräftiger  Vorwand  war.

5.

Her  deutsche  Generalstab  war  also  schon  im  Frleden  entschlossen,  den  Verteldlgungskrieg
  auf  der  Westfront  angriffeweise,  und  zwar  in  der  Richtung  zu
fübren,  daß  gegenüber  der  französtlschen  Ostfront  nur  elne  Beobachtunge-  und
Verteidigungsstellung  eingenommen  werden  sollte,  während  die  gesamte  verfügbare
  Heeresmacht  um  den  ODrebpunkt  Metz  eine  gewaltige  Linkeschwenkung  vollzleben
  und  durch  Belglen  vorrückend  dle  französische  Nordostfront  angreifen  sollte.

Was  aber  mußte,  was  konnte  derwell  lm  Osten  gescheben?

Wle  ein  Alpdruck  lastete  auf  dem  deutschen  Leden  der  letzten  Zahre  vor  dem
Krlege  die  Vorstellung  von  der  ungeheuren  Gefahr,  die  im  Osten  drohte.  Hier
lag  vor  unseren  Grenzen  der  russische  Bär  auf  der  Lauer.  Das  gewaltige  Zaren-50