Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Dritter Band. Wehr und Waffen 1914-1918. (3)

Behelfsflugabwehrkanonen  33

wieder.  Wiederholt  verbessert,  wurde  nur  ein  Sockel  für  Feldkanone
96  n./A.  (Schnetzler-Sockel,  hergestellt  in  der  Belagerungswerkstatt
Longuyon),  während  des  ganzen  Krieges  für  behelfsmäßig  zur  Flugabwehr
  eingesetzte  Feldkanonen  96  n./A.  und  ein  Sockel  für  9  cm-Kanonen
  (Miett),  für  ortsfeste  Verwendung  von  0  cm-Kanonen  im  Heimatluftschutz
  beibehalten.

Im  Laufe  des  Krieges  entstand  noch  eine  große  Zahl  von
Flugabwehrkanonen,  die  nur  als  Behelfskonstruktionen  betrachtet  werden
können  und  größtenteils  aus  erbeuteten  Geschützen  hergestellt  worden
sind.  Soweit  es  Mittel  und  Zeit  erlaubten,  wurden  die  Erfahrungen
bei  diesen  Konstruktionen  verwertet.  Von  den  zahlreichen  Konstruktionen
  —  die  große  Zahl  erklärt  sich  daraus,  daß  die  verschiedensten
Beutegeschütze  verwendet  werden  mußten  —  seien  genannt:

7,7  em  leicht  transportable  und  ortsfeste  Flak  der  Rh.  M.  F.,
von  Krupp,  von  denen  die  beiden  erstge-7,62
  cm-Flak  00  nannten  Aushilfskonstruktionen  einfachster
7,62  cm-Flakb0  2  Art  waren,  um  dem  schlimmsten  Mangel  an
7,62  cm-S.-Flak  02  Flak  zu  steuern,  bis  bessere  Konstruktionen,
7,62  cm-O.-Flak  Kr.  Zu  denen  die  7,62  cm-S.-Flak  02  zu  zählen
.  war,  fertiggestellt  werden  konnten,

7,62  cm-K.-Flak  17  von  Hentschel,  ferner  eine  ortsfeste  Flk.  einfachster
  Art  aus  der  italienischen  Feldkanone.

Auch  der  Versuch  wurde  gemacht,  die  Feldkanone  durch  Benutzung
der  Protze  als  Sockel  und  Drehgestell  zur  behelfsmäßigen  Bekämpfung
von  Luftzielen  zu  befähigen.  Eine  derartige  Protze  (Köbeprotze)  wurde
im  Jahre  1916  hergestellt.  Über  Versuche  ist  es  nicht  hinausgekommen.

Alle  bisher  genannten  Kriegskonstruktionen  von  Flak  waren  aus
der  Not  geboren  und  trugen  zur  Weiterentwickelung  der  Flugabwehrkanonen
  nur  insofern  bei,  als  umfangreiche  Erfahrungen  damit  gewonnen
  worden  sind.  Ihr  Wert  bestand  darin,  daß  durch  sie  eine  beträchtliche
  Verstärkung  des  Luftschutzes  beim  Feldheer  und  in  der  Heimat
in  kurzer  Zeit  und  unter  geringem  Aufwend  von  Material  und  Arbeitskräften
  erzielt  worden  ist.

Die  konstruktive  Weiterentwickelung  der  Flugabwehrkanonen  baute
sich  auf  den  7,7  cm-Kraftwagengeschützen  und  Sockelgeschützen,  den
einzigen  durchgebildeten  Friedenskonstruktionen,  auf.  Bei  den  Besprechungen
  im  Januar  1915  im  Gr.  H.  Qu.  wurde  auch  die  Frage  der

Wrisberg,  Wehr  und  Waffen  3