Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

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Versuche  des  Königs  eine  neue  Akademie  zu  gründen.  255

dachte  der  König  an  ein  Palais,  das  er  der  Akademie  bauen  wollte
zusammen  mit  einem  neuen  Observatorium.  Einen  Platz  hatte  er
bereits  in’s  Auge  gefasst  und  die  ersten  Verfügungen  an  die  Finanzkammer
  ergehen  lassen!.  Die  Zukunft  Preussens,  die  adelige  Jugend,
sollte  hier  die  Wissenschaft  von  den  grössten  Meistern  lernen.  In
diesem  Sinne  hat  er  Maupertus  und  \orrr  gleichzeitig  eingeladen.

An  Jenen  schrieb  er”:

»Mon  ca@ur  et  mon  inclination  exciterent  en  moi.  des  le  moment  que  je  montai
  sıır  le  tröne.  le  desir  de  vous  avoir  ici,  pour  que  vous  donnassiez  aA  l’Acadenıie
de  Berlin  la  forıne  que  ‚vous  seul  pouvez  lui  donner.  Venez  done,  venez  enter
sur  ce  sauvageon  la  greffe  des  sciences.  afın  quil  tlenrisse.  Vous  avez  montre  la
firure  de  la  terre  au  monde;  montrez  aussi  a  un  roi  combien  il  est  doux  de  posseder
  un  homme  tel  que  vous.«

Mavperttis,  der  in  Frankreich  keine  Stellung  fand,  die  seinem
Ehrgeiz  entsprach,  war  von  Anfang  an  entschlossen,  dem  wiederlıolten
  Ruf  des  Königs  zu  folgen”.

An  Worrr  nach  Marburg  musste  der  Propst  Reısgeck  schreiben.
In  dem  Brief,  in  welchem  der  König  Reısgeck  den  Auftrag  ertlieilte
(6.  Juni  1740),  stehen  die  berühmten,  eigenhändig  von  FRrIEDRICH

geschriebenen  \Vorte:

»Ich  bitte  Ihn.  sich  un  des  \Vorrren  Mühe  zu  geben.  Ein  Mensch.  der  die
Walrheit  sucht  und  sie  liebet,  muss  unter  aller  menschlichen  Gesellschaft  werth
gehalten  werden;  und  glaube  Ich,  dass  er  eine  Conquete  im  Lande  der  Wahrheit
gemacht  hat.  wo  Er  den  Worrr  hierher  persuadiret.«

Aber  Worrr  war  ein  vorsichtiger  Mann.  Der  Plan  einer  neuen
Akademie  erschien  ihm  nehelhaft.  Die  Aussicht,  die  ihm  anfangs
gemacht  wurde,  sie  mit  zu  leiten,  lockte  ihn  nicht,  da  er  bald  hören

!  Sielie  darüber  den  Urkundenband  Nr.  148.

?2  (Euvres  T.ı7  p.335f.  Wahrscheinlich  durch  Vorraıre  ist  FRIEDRICH  als
Kronprinz  auf  Marvrerrtis  aufmerksaın  geworden.  s.  VoLraırE's  Briefe  vom  6.  August
1738  (T.zı  p.223f.)  und  vom  November  1738  (p.  244):  »M.  pe  Matperrtis,  home
qui  ose  aimer  et  dire  la  verite.  quoique  persecutee«.  Dass  Marvreritis  sein  berühmtes
Werk  über  die  Gestalt  der  Erde  Frıeprıca  übersandte  ((Euvres  T.17  p.  335).  ist
vielleicht  auch  auf  Vorraıre's  Veranlassung  geschehen.  Ja  es  scheint,  dass  V'oLTAIRE
MAUPERTUIS  auch  deshalb  in  den  Gesichtskreis  des  Prinzen  gebracht  hat,  um  diesen
den:  Einfluss  WoLrr's  zu  entziehen.  Nicht  ganz  ohne  Spott  spricht  Vorraırr  schon
iu  einem  Brief  vom  Jimi  1738  (T.2ı  p.  205)  vom  »sapientissimus  Wolffius«  und
möchte  sein  Urtheil  erfahren.  »wenn  er  nur  französische  Verse  lesen  könnte«.
Fast  sich  entschuldigend  schreibt  Frıeprıca  (6.  August  1738,  T.2ı  p.  223:  »(Juant
a  sapientissiinus  \WVolffius,  je  ne  le  connais  en  aucune  maniere.  ni  lui  ayant  jamais
parle  ni  Ecerit:  et  je  crois.  comme  vous.  que  la  langue  francaise  n’est  pas  son  fort«.
Aber  Vorrare's  Eifersucht  auf  Mavrerrvis  begann  von  dem  Moment  an,  wo  der
König  sich  wirklich  um  ihn  bemühte.

®  In  einem  zweiten  Brief  des  Königs  an  ihn  vom  14.  Juli  1740  (Lcheimes
Staatsarchiv)  heisst  es:  »Je  ıne  flatte  «que  la  profession  d’apötre  de  la  verite  ne  vous
sera  pas  desagreable.  et  qne  Vous  vous  deciderez  en  faveur  Je  Berlin«.