Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1906. (33)

Die  Benennungen  der  einzelnen  Waldstellen  und  Terrainpunkte
sind,  besonders  im  oberen  Gebirge,  vorwiegend  deutsche,  und  unter
den  Bergnamen  kommen  nur  zwei  vor,  welche  slavische  Wurzel  haben:
der  Duratzsch  bei  Oberwiesenthal  (tur  —  Auerochse,  also  vielleicht
Auerochsenstand)  und  der  Bardum,  gewöhnlich  jedoch  Keilberg  genannt
(pard  —  Vogelheerd,  also  vielleicht  Vogelheerdberg).

Die  Westgrenze  der  deutschen  Ortsnamen  auf  dem  Erzgebirgsabhange
  wird  durch  die  Namen  auf  „grünn“  gebildet,  welche  auf  die
Ansiedelung  eines  geschlossenen,  wahrscheinlich  fränkischen  Volksstammes
hinweist.  Diese  beginnt  bei  Kirchberg,  reicht  im  Bogen  um  den
Affenstein  und  die  Höhe  bei  Schöneck.  Dieser  Namensgruppe  schließen
sich  die  Ortsnamen  auf  „reut“  dicht  an  und  deuten  darauf,  daß
hier  die  Ansiedelung  im  Walde  erfolgte,  während  die  Niederlassungen
auf  Wiesen  und  Weideflächen  die  Bezeichnung  grün  erhielten.

Gegen  Ende  des  13.  Jahrhunderts  ist  also  ein  großer  Theil
des  Erzgebirgsabhanges  mit  Ansiedlern  besetzt.  Die  Fläche,  welche
dieselben  einnahmen,  läßt  sich  für  diesen  Zeitraum  etwa  mit  nachstehender
  Grenzlinie  bezeichnen.

Die  südliche  Grenzlinie  der  Besiedelung  reicht  etwa  von  Gottleuba
  über  Liebstadt  und  Glashütte  nach  Dippoldiswalde.  Ueber
diese  Linie  sind  Bärenstein,  Lauenstein,  Fürstenau,  Mückenberg,  wahrscheinlich
  auch  Löwenhain  vorgeschoben.  Von  Dippoldiswalde  geht
die  Grenzlinie  südwestlich  gebirgsaufwärts  über  Reichsstädt,  die  kahle
Höhenkirche,  Frauenstein,  Müdigsdorf,  Linda,  Börnchen  bei  Oederan,
Waldkirchen.  An  der  Flöha  sind  vorgeschoben  Rauenstein  und  Lauterstein,
  auf  dem  Hochplateau  die  Stadt  Sayda  und  die  Dörfer  Claußnitz
  und  Dittmannsdorf;  an  der  Zschopau  die  Burgen  Wildeck,
Scharfenstein,  Wolkenstein  und  südlich  das  Dorf  Streckenwalde;  zwischen
Zschopau  und  Preßnitz  keilförmig  in  das  obere  Waldgebiet  Mauersberg,
  Mildenau  Königswalde,  Kuhzahl  (Bärenstein)  und  Cranzahl;
westlich  der  Zschopau  Drehbach,  Ehrenfriedersdorf,  Geyer,  Thum,
Zwönitz,  Westerfeld  (Kühnheide),  Bernhardisbach  (Bernsbach),  Sachsenfeld,
  Raschau  und  Wildenau  am  Fuße  der  Burg  Schwarzenberg;
westlich  der  Mulde  Zschorlau  und  Weißbach  (bei  Schneeberg).

In  Langenau  (Lagna,  Langenae  urkundlich  1185,  Schumann  VII.
250)  bestanden  vier  Rittersitze.  Der  erste  an  der  großen  Striegis
grenzte  an  die  Zellschen  Klostergüter,  den  Freiwald  und  Berthelsdorf;
der  zweite  im  Nieder-Freiwalde  grenzte  an  Müdisdorf;  die  Ruinen
seiner  Gebäude  wurden  noch  im  ersten  Viertel  dieses  Jahrhunderts
der  alte  Hof  genannt;  der  dritte  und  vierte  Rittersitz  war  ebenfalls
bis  in  die  Neuzeit  unter  dem  Namen  „die  Ekkard'schen  Folgen“  bei
Müdisdorf  noch  nachweisbar.