378 Krankhafte Zustände des Säuglings.
Körper eingetreten sind, tritt auch Blut aus den Hautgefäßen in die Haut,
wo der Blutfarbstoff Veränderungen eingeht und damit die gelbe Verfärbung
dieser bewirkt. Diese Gelbsucht der Neugeborenen ist also nicht eigentlich
auf krankhafte Vorgänge im Organismus zurückzuführen, wenngleich eine
auffällige Verfärbung der kindlichen Haut immerhin auch ihre bestimmten,
wohl auch nicht ganz gleichgültigen Ursachen hat. Die krankhafte Gelbsucht
ist jedoch auf Leberstörungen zurückzuführen, wie bei den Erwachsenen,
und gilt als unheilbar. Das Allgemeinbefinden wird lehren, um was es
sich handelt.
Mutterbrust, häufige Erwärmung an derselben, warme Vollbäder, frische
reine Luft sind die einzigen, aber auch wirksamen Heilmittel für alle Gesundheitsstörungen
Neugeborener.
Geschwollene, eitrige Brüste der Neugeborenen. Nicht selten
schwellen die Brüste der Kinder innerhalb der ersten 14 Tage an, werden sehr
schmerzhaft, ja füllen sich sogar mit Eiter, wenn sie Druck erleiden oder unreinlich behandelt
werden. Daß unreine Körpersäfte des Kindes, von der Mutter übertragen
oder durch falsche Ernährung im Kinde erzengt, die Ursachen sind, müssen wir wohl
annehmen. Beseitigung jeglichen Kleiderdruckes, nasse, weiche Aufschläge von 35° C.
bei richtiger Diät der Mutter oder vorsichtiger künstlicher Ernährung des Kindes,
wenn die Mutter versagte, wie auf Seite 368 ausgeführt, heilen das übel bald.
Das Wundwerden der Säuglinge. Auch Brustkinder sieht man sehr
häufig an faltigen Hautstellen, wo sich Urin und Kot täglich ansammeln, wund
werden. Die Stellen röten sich, nässen, werden zuweilen auch blutig, brennen oder
gucken, so daß die Kinder unruhig werden. Überzarte Haut der Säuglinge, mangelhafte
Durchblutung derselben, noch häufiger ungesunde Ernährung sind die Ursachen
des unangenehmen Zustandes, nicht minder natürlich unreinliche Pflege.
Um die Rötung der Hant in Grenzen zu halten, ist sofortige Beseitigung jeder Ausleerung
erste Bedingung und vorsichtige Abwaschung der benetzten Hautstellen mit
warmem Wasser, der zartes Trocknen folgen muß. Einfetten mit Mandelöl
oder Lanolin schützt und bernhigt; heilen sie zu wenig, dann nehme man zeitweilig
Byrolin, das sehr gute Dienste tut. Das beliebte Einpudern lieben wir weniger.
Es verstopft die Hantporen und macht die Haut spröde. Warme Bäder von
zehn Minuten Dauer sind sehr wohltätig, und bei großer Hitze oder blutenden
Stellen macht man kühle Aufschläge. Klebt man feuchte Gaze= und Watteauflagen
auf das Gesäß, so verhindert man die Benetzung mit dem oft scharfen Urin, und
die Ausheilung erfolgt viel rascher. Man taucht das Kindchen mit dem Steiß
in ein Waschbecken, so daß Kreuzbein und alle Schenkelfalten unter Wasser
kommen und gibt ihm also eine Art Sitzbad, wie Fig. 218 es darstellt.
Daß die Ernährung auch auf die Beschaffenheit der Haut Einfluß hat, beweist
der Umstand, daß Flaschenkinder viel häufiger an solcher Wundheit leiden als
gesunde Brustkinder. Gibt man ein unruhiges Flaschenkind einer kräftigen Amme
an die Brust, dann sieht man oft in wenigen Tagen die Wundstellen verschwinden.