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Der Impfstoff. Der Gebrauch von Menschenlymphehat im Berichtsjahre wieder
wesentlich abgenommen (vergl. „A. Allgemeines"). In Preußen bestand im Berichtsjahre
noch ein seitdem eingegangenes staatliches Institut zur Erzeugung solchen Impfstoffes
in Münster. In den wenigen Fällen, in welchen Menschenlymphe verwendet wurde,
waren meist Mißerfolge der Thierlymphe vorausgegangen. So wurden u. a. im
Kreise Ziegenhain 117 erstmalig erfolglos geimpfte Kinder mit Menschenlymphe nachgeimpft.
In Württemberg wurden von älteren Wundärzten und auf besonderen Wunsch
der Eltern auch von einzelnen Aerzten 27 Privatimpfungen, darunter 2 Wiederimpfungen
theils von Arm zu Arm, theils mit getrockneter Menscheulymphe ausgeführt.
Bei den öffentlichen Impfungen wurden an 2 Orten insgesammt 54 Kinder, bei denen
die Thierlymphe keinen Erfolg gehabt hatte, durch Abimpfen von Arm zu Arm nachgeimpft.
In Hessen impfte ein Arzt im Kreise Worms regelmäßig mit Kinderlymphe:;
im Kreise Erbach wurde eine Wiederimpfung auf Wunsch der Eltern des Impflings
mit solchem Stoffe vorgenommen; in der Provinz Starkenburg bedienten sich auch
2 öffentliche Impfärzte den Vorschriften zuwider bei Wiederholungen erfolglos gebliebener
Impfungen des menschlichen Impfstoffs. Im Großherzogthum Sachsen
verwandten 2 Impfärzte neben der Thierlymphe auch selbst gesammelten menschlichen
Impfstoff. Auch im Amtsbezirk Koburg wurde vereinzelt Menschenlymphe verwandt.
In Elsaß-Lothringen erfolgten die Impfungen mit Menschenlymphe fast sämmtlich in
Nachschauterminen in Ermangelung anderen Impfstoffs.
Aechte Kuhlymphe von natürlichen Kuhpocken wurde in Anhalt in 2 Impfterminen
probeweise angewendet, ergab jedoch unbefriedigende Erfolge.
Die Thierlymphe wurde überwiegend aus staatlichen Anstalten bezogen. In
Württemberg wurde den Impfärzten ihr voller Bedarf an Impfstoff von den beiden
Landesimpfanstalten geliefert. In Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Bremen,
Hamburg und Elsaß-Lothringen stammte die Lymphe für die öffentlichen Impfungen
ausnahmslos aus den Gewinnungsanstalten der genannten Länder. In Anhalt
bildete die Thierlymphe aus der Landesanstalt in Bernburg, abgesehen von den
2 Fällen, wo die Impfungen, wie erwähnt, mit ächter Kuhlymphe vorgenommen
wmden, ebenfalls den alleinigen Impfstoff. In Hessen wurde auch den praktischen
Aerzten ihr Bedarf auf Wunsch unentgeltlich aus dem Landesinstitut geliefert. In
Mecklenburg-Strelitz wurden sämmtliche Impfungen mit Lymphe aus der staatlichen
Anstalt in Schwerin, in Braunschweig aus der staatlichen Anstalt in Berubmg, in
Sachsen-Meiningen, Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Reuß ä. L.
aus der Landesanstalt in Weimar, in Schaumburg-Lippe aus der Königlichen Anstalt
in Hannover ausgeführt. Die Staatsanstalt in Weimar lieferte den größten Theil des
Impsfstoffs ferner für Sachsen-Koburg-Gotha. Aus dem Impfinstitut Hannover
stammte zum überwiegenden Theil die in Lippe verwendete Lymphe. In den
übrigen Bundesstaaten war der Impfstoff aus verschiedenen Anstalten bezogen; soweit
eigene Staatsinstitute bestanden, bildeten diese für die betreffenden Länder die hauptsächliche
Bezugsquelle.
Außer dem in Staatsanstalten gewonnenen Impfstoff war, soweit aus den Berichten
hervorgeht, im Gebrauch die Lymphe von Pissin-Berlin in Preußen, Protze=Elberfeld
in Preußen, Bayern, Königreich Sachsen, Württemberg (hier nur bei Privatärzten),
Großherzogthum Sachsen, Waldeck, Lippe, Lübeck und Elsaß-Lothringen (hier
nur bei Privatärzten), von Krückmnann-Neukloster in Preußen, von Aehle-Lübeck
in Preußen, Baden (hier nur bei einem Privatarzte), Lippe (desgl.) und Lübeck, von
Ouadflieg = Aachen in Preußen und Bayern, von Lahnsen-Bremen in Preußen, aus
der Münchener Adlerapotheke bei Privatärzten in Württemberg, von Pizza-Hamburg
in Bayern.