Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1907. (34)

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Herrscher  loszureißen,  blieben  selbst  noch  schwer  bedroht,  oder  schienen  wenigstens
  nicht  geeignet,  nach  außen  hin  wirksamen  Beistand  zu  leisten.

An  der  Spitze  Deutschlands  aber  stand  ebenfalls  das  Haus  Habsburg
in  seiner  jüngeren  Linie,  dem  Rechte  nach  mit  großem  Einfluß;  wenn  auch  für
den  Augenblick  durch  das  Umsichgreifen  des  Protestantismus  vielfach  beschränkt,
doch  wegen  der  doppelten  Verbindung  durch  Verwandtschaft  und  religiöse  Interessen
  des  thätigsten  Beistandes  von  dem  Hauptstamme  sicher,  und  dadurch
gefährlich  genug  für  jeden  Gegner,  sobald  ein  fähigeres  Haupt  als  Kaiser  Rudolph
  II.  an  die  Spitze  trat.

Uebrigens  war  es  nicht  die  Macht  der  Kronen,  auf  die  man  damals
katholischer  Seits  die  sicherste  Hoffnung  gründete,  sondern  vielmehr  die  der  Intrigue
  und  der  im  Verborgenen  wirkenden  Propaganda.  Für  diese  hatte  sich
eine  furchtbare  Miliz  in  dem  Orden  der  Jesuiten  gebildet,  welche  von  Rom  aus
mit  glänzendem  Erfolg  angewendet  wurde,  um  die  Fortschritte  der  neuen  Lehre
zu  hemmen,  eine  Aufgabe,  die  ihnen  um  so  leichter  gelang,  da  sie,  wie  behauptet
  ward,  jedes  beliebige  Aeußere,  selbst  das  von  protestantischen  Geistlichen
und  Beichtvätern  lutherischer  Fürsten  annehmen  durften,  wenn  sie  auf  diese
Weise  den  Vortheil  ihres  heiligen  Glaubens  fördern  konnten.  Durch  sie  erlitt
der  Protestantismus  seine  schwersten  Niederlagen;  durch  sie  wurde  die  Einheit
in  ihm  untergraben,  die  Spaltung  unter  seinen  Anhängern  gefördert,  der  Haß
zwischen  den  Anhängern  der  verschiedenen  Bekenntnisse  bis  zum  Fanatismus
gesteigert.  Ihnen  gelang  es,  die  Gegner  so  weit  zu  bringen,  daß  sie  eine  Verbindung
  mit  den  Glaubensverwandten  oft  für  verderblicher  erachteten,  als  die
mit  den  Papisten.  So  war  die  Niederlage  der  Evangelischen  vorbereitet;  während
  sie  noch  auf  ihre  Uebermacht  trotzen  zu  können  wähnten.  Treu  dem  listigen
  Grundsatze:  man  muß  die  moralische  Kraft  des  Gegners  untergraben  und
ihn  dann  vernichten,  suchten  die  Jesuiten  den  Kern  des  Protestantismus  zu
verfälschen,  um  ihn  dann  desto  sicherer  zu  Grunde  zu  richten.  So  wenigstens
erscheint  ihre  damalige  Wirksamkeit.

Dieser  geschäftige  Orden  ersetzte  der  katholischen  Partei  in  Deutschland,
dem  Hauptsitze  der  wahren  Idee  der  Reformation,  den  Mangel  an  einem  kraftvollen
  und  thätigen  Oberhaupte.  Kaiser  Rudolph  II.  war  ein  Fürst  ohne  Talent,
  ohne  Charakter,  ja  ohne  irgend  entschiedenen  Willen.  Gleichgültig  gegen
Alles,  was  den  Herrscher,  ja  was  den  seiner  höheren  Natur  bewußten  Menschen
  erregen  kann,  hatte  er  nur  eine  Liebhaberei,  nämlich  die  seiner  Zeit  in
ihren  größten  Erscheinungen  sogar  eigenthümliche  Neigung  für  die  Astrologie.
Mit  dem  berühmten  Tycho  de  Brahe,  dessen  wissenschaftliche  Forschungen
ihm  freilich  gleichgültig  waren,  den  er  aber  als  Diener  seiner  mystischen  Berechnungen
  ehrte,  verbrachte  er  die  der  Regierung  seiner  weitläufigen  und  bunt  zusammengesetzten
  Staaten  schuldige  Zeit  in  leeren  Träumereien.

Dessenungeachtet  verstanden  es  die  Jesuiten,  selbst  diesen  schwachfinnigen
Herrn  für  die  Förderung  der  katholisch-kirchlichen  Interessen  zu  einem  mitunter