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Herrscher loszureißen, blieben selbst noch schwer bedroht, oder schienen wenigstens
nicht geeignet, nach außen hin wirksamen Beistand zu leisten.
An der Spitze Deutschlands aber stand ebenfalls das Haus Habsburg
in seiner jüngeren Linie, dem Rechte nach mit großem Einfluß; wenn auch für
den Augenblick durch das Umsichgreifen des Protestantismus vielfach beschränkt,
doch wegen der doppelten Verbindung durch Verwandtschaft und religiöse Interessen
des thätigsten Beistandes von dem Hauptstamme sicher, und dadurch
gefährlich genug für jeden Gegner, sobald ein fähigeres Haupt als Kaiser Rudolph
II. an die Spitze trat.
Uebrigens war es nicht die Macht der Kronen, auf die man damals
katholischer Seits die sicherste Hoffnung gründete, sondern vielmehr die der Intrigue
und der im Verborgenen wirkenden Propaganda. Für diese hatte sich
eine furchtbare Miliz in dem Orden der Jesuiten gebildet, welche von Rom aus
mit glänzendem Erfolg angewendet wurde, um die Fortschritte der neuen Lehre
zu hemmen, eine Aufgabe, die ihnen um so leichter gelang, da sie, wie behauptet
ward, jedes beliebige Aeußere, selbst das von protestantischen Geistlichen
und Beichtvätern lutherischer Fürsten annehmen durften, wenn sie auf diese
Weise den Vortheil ihres heiligen Glaubens fördern konnten. Durch sie erlitt
der Protestantismus seine schwersten Niederlagen; durch sie wurde die Einheit
in ihm untergraben, die Spaltung unter seinen Anhängern gefördert, der Haß
zwischen den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse bis zum Fanatismus
gesteigert. Ihnen gelang es, die Gegner so weit zu bringen, daß sie eine Verbindung
mit den Glaubensverwandten oft für verderblicher erachteten, als die
mit den Papisten. So war die Niederlage der Evangelischen vorbereitet; während
sie noch auf ihre Uebermacht trotzen zu können wähnten. Treu dem listigen
Grundsatze: man muß die moralische Kraft des Gegners untergraben und
ihn dann vernichten, suchten die Jesuiten den Kern des Protestantismus zu
verfälschen, um ihn dann desto sicherer zu Grunde zu richten. So wenigstens
erscheint ihre damalige Wirksamkeit.
Dieser geschäftige Orden ersetzte der katholischen Partei in Deutschland,
dem Hauptsitze der wahren Idee der Reformation, den Mangel an einem kraftvollen
und thätigen Oberhaupte. Kaiser Rudolph II. war ein Fürst ohne Talent,
ohne Charakter, ja ohne irgend entschiedenen Willen. Gleichgültig gegen
Alles, was den Herrscher, ja was den seiner höheren Natur bewußten Menschen
erregen kann, hatte er nur eine Liebhaberei, nämlich die seiner Zeit in
ihren größten Erscheinungen sogar eigenthümliche Neigung für die Astrologie.
Mit dem berühmten Tycho de Brahe, dessen wissenschaftliche Forschungen
ihm freilich gleichgültig waren, den er aber als Diener seiner mystischen Berechnungen
ehrte, verbrachte er die der Regierung seiner weitläufigen und bunt zusammengesetzten
Staaten schuldige Zeit in leeren Träumereien.
Dessenungeachtet verstanden es die Jesuiten, selbst diesen schwachfinnigen
Herrn für die Förderung der katholisch-kirchlichen Interessen zu einem mitunter