Metadata : Spittler’s sämmtliche Werke. Vierter Band. (4)

bei  den  zerruͤttenden  Parthien,  die  im  Lombarden-Reich
herrschten,  eine  Expedition  jenseits  der  Alpen  vollführen  könne.
Zwanzig  Jahre  nachher  nutzte  Karl  der  Große  diese
Erfahrung  als  Eroberer.
13.  Das  Lombardenreich  war  aber  eigentlich  mit  Desiderius,
  den  Karl  überwand  und  in  ein  Kloster  sperren  ließ,
nicht  zu  Ende,  denn  die  ganze  alte  Subsistenz  und  Verfassung
  desselben  blieb.  Nur  das  Wahlrecht  wurde  jetzt  zum
Erbreich,  und  siatt  daß  ehedem  gewöhnlich  ein  Longobarde
gewählt  worden,  so  war  und  blicb  nun  ein  Franke  —  Knig
  der  Longobarden.  Auch  waren  jetzt  Franken  offenbar
eben  so  sähig  wie  Longobarden,  jede  große  Amtsstelle  im
Reich  zu  begleiten,  und  überdieß  wurden  jene  in  einzelnen
Fällen  sichtbar  weit  mehr  begünstigt  als  diese.  Auch  muß—
ten  manche  theils  groͤßere,  theils  kleinere  Beraͤnderung  en  allmälig
  von  selbst  folgen,  je  mehr  der  König,  wie  leicht  zu
erwarten  stund,  auf  Fränkissche  Verfassung  und  Fränkische
Reichs-Einrichtungen  hinzulenken  suchte.  Die  Vyzautiner
aber  durften  weniger  als  jemals  an  einen  neuen  Besitz  ihres
ehemaligen  Erarchats  denken,  denn  bald  entzog  sich  auch
selbsi  Rom  dem  bisher  noch  beibehaltenen  Schiine  von  Abhängigkeit,
  und  die  Römer,  ihren'  Lischof  an  der
Spitze,  riefen  Karln  als  Souverain  aus.  Sie
*  hatten  schon  seinem  Großbater,  auch  seinem  Vater  und
ihm  selbst,  unter  dem  N  amen  Patricius  Homanorum  fast
unumschränkte  Schutzrechte  übertragen,  aber  mit  dem  neuhervorgesuchten
  Namen  August  des  Oceiden  ts  vertrug
sich  auch  kein  Schein  der  Abhängigkeit  von  Constautinopel.
14.  Land  und  Nation  hätten  unter  dieser  neuen  Fraͤnkischen
  Regierung  emporkommen  sollen,  denn  fast  ganz  Italien
war  nun  unter  einem  Derrn  vereint,  und  selbst  der  Lom-774