Contents : Archiv für öffentliches Recht.Zweiter Band. (2)

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der  Anstalt  mitgeteilt  wurde,  aber  auch  daraus  zu  schließen  war,  daß  die  Zahl  der  Nachbestellungen
  nur  gering  war.  Da  wo  sie  erfolgten,  schien  es  nicht  sowohl  an  der  Schwäche
des  Stoffes,  als  an  der  zu  strengen  Auffassung  des  Revaccinationserfolges  seitens  des  betreffenden
  Impfarztes  gelegen  zu  haben.  Bei  den  zahlreichen  Impfungen  und  Wiederimpfungen
  an  den  öffentlichen  Impfterminen  in  der  Stadt  Metz  (im  ganzen  15—16000),
war  reichliche  Gelegenheit  geboten,  die  in  der  Anstalt  gewonnene  Lymphe  auf  ihre  Wirksamkeit
  und  etwaige  Nebenerscheinungen  zu  prüfen.  Obgleich  der  Impfstoff  immer  dabei
weniger  abgelagert  war,  als  der  an  die  Impfärzte  versandte,  so  waren  doch  die  Impfpusteln
  bei  der  Nachschau  schön  und  gleichmäßig  entwickelt  und  zeigten  nicht  die  geringste
Rötung  und  Reizung  in  der  Umgebung.

Die  Haltbarkeit  der  Tierlymphe.

In  Stettin  war  die  Haltbarkeit  der  Lymphe  im  ganzen  eine  gute,  da  die  meiste
Lymphe  als  Retrovaccine  nur  noch  in  drei  bis  vier  Generationen  auf  dem  Kalbe  fortgezüchtet
worden  war.  Nichtsdestoweniger  erwiesen  sich  einige  Lymphesorten  schon  nach  8  bis  14
Tagen  schwach,  ohne  daß  den  Pocken,  von  denen  sie  herstammte,  auf  dem  Kalbe  etwas  Auffälliges
  anzusehen  gewesen  war.  Bemerkenswert  war,  daß  eine  Lymphesorte  von  Kalb  904,
das  mit  den  beiden  Lymphesorten  von  Kalb  983  und  984  gesondert  geimpft  worden  war,
soweit  sie  von  983  herstammte,  sich  von  Anfang  an  sehr  schwach,  soweit  sie  dagegen  von
984  herstammte,  ganz  vorzüglich  wirksam  zeigte.  Einige  Lymphesorten,  die  zu  Anfang
schwach  erschienen,  erholten  sich  später  etwas  und  zeigten  sich  wirksamer.  Eine  Ursache  für
alle  diese  unerwarteten  Schwankungen  war  nicht  mit  Sicherheit  aufzufinddn.  Nur  zuweilen
schien  es,  als  ob  dieselbe  in  der  ursprünglichen  Stammlymphe  gelegen  war.  Eine  Lymphesorte
  der  6.  Generation,  die  in  der  dritten  Woche  plötzlich  in  der  Wirksamkeit  nachgelassen
hatte,  versuchte  man  durch  teilweise  Verdunstung  im  Vacuum  zu  stärkerer  Konzentration
und  damit  zu  größerer  Wirksamkeit  zu  bringen,  allein  ohne  Erfolg;  sie  hatte  im  Gegenteil
an  Wirksamkeit  eher  verloren.

In  Halle  a.  S.  war  die  Haltbarkeit  des  Stoffes  im  Berichtsjahre  stets  eine  sehr
gute  gewesen,  wie  die  mitgeteilten  Zahlen  über  die  Impferfolge  am  besten  erkennen  lassen.
Freilich  ist  hierbei  nicht  außer  acht  zu  lassen,  daß  Frühjahr  und  Sommer  im  ganzen
ziemlich  kühl,  mithin  für  die  Versendung  der  Lymphe  besonders  günstig  war.  Wenn  im
September  21000  Portionen  Lymphe  vom  Versand  zurückgehalten  wurden,  so  geschah  dies
nur  in  der  Annahme,  daß  ihre  Wirksamkeit  eine  unzuverlässige  geworden  sei,  weil  die
Lymphe  im  Mai  und  Juni  geerntet  worden  war  und  Sommerlymphe  erfahrungsgemäß
weniger  haltbar  ist.

In  Hannover  wurde  abgelagerter,  2  bis  6  Monate  alter  Impfstoff  abgegeben,  dessen
Wirksamkeit  zuvor  festgestellt  war.  Als  am  Jahresschluß  sich  bei  verschiedenen  Impfstoffsorten
  ein  Nachlassen  der  Wirksamkeit  bemerkbar  machte,  mußte  frischer  Impfstoff  versandt
werden.

In  Cassel  war  die  Haltbarkeit  der  Lymphe  eine  gute.

In  Cöln  war  die  Haltbarkeit  der  Lymphe  eine  gute,  namentlich  scheint  die  vorgeschriebene
  4  wöchige  Ablagerung  der  Lymphe  keinen  wesentlichen  Einfluß  auf  die  Erfolgziffern
  gehabt  zu  haben.  Immerhin  ist  der  personelle  Erfolg  bei  öffentlichen  Impfungen
etwas  heruntergegangen  (1%  Erstimpflinge,  3⅝%  Wiederimpflinge),  doch  erheblicher  der
Schnitterfolg  (um  3—4  0%  bei  Erstimpflingen,  weniger  bei  Wiederimpflingen).

In  Dresden  war  die  Lymphe  bei  der  Verimpfung  meist  25  bis  80  Tage  alt,  oft
älter  (bis  zu  211  Tagen),  selten  jünger  (bis  zu  5  Tagen).