Full text : Der Weltkrieg 1914. Band 1. (1)

—  211  —

wohner  und  deutsche  Soldaten  getötet  hat,  bedaure  ich  lebhaft.  Ueber

die  Aufnahme  durch  die  Bevölkerung  spreche  ich  hiermit  meine  Genugtuung

  aus  und  hoffe,  daß  sie  bei  ihrem  guten  Verhalten  beharren  wird.
Der  kommandierende  General.

(gez.)  v.  Hülsen.

Einnahme  der  Feste  Givet.

Großes  Hauptquartier,  2.  September.
Die  Feste  Givet  ist  am  31.  August  gefallen.  (W.  T.B.)

Einholung  erbeuteter  Geschütze  in  Berlin.
Am  Sedantage,  2.  September,  um  11  Uhr.

Die  bisher  in  Berlin  eingetroffenen  russischen,  französischen  und  belgischen
  Geschütze  werden  am  Mittwoch,  den  2.  September,  gegen  11  Uhr
vormittags  von  der  Kaserne  des  1.  Garde-Feldartillerie-Regiments  in
der  Kruppstraße  eingeholt  werden.  Der  Zug  unter  dem  Kommando  des
Oberstleutnants  Freiherrn  v.  Buttler,  Kommandeur  des  Ersatzbataillons
Regiment  Kaiser  Alexander,  führt  an  der  Spitze  eine  Gruppe  vom  Landsturmbataillon
  Osterode  mit  einer  erbeuteten  russischen  Fahne.  Alsdann
folgen  11  russische  Geschütze,  3  russische  Maschinengewehre,  2  französische
Geschütze  und  5  belgische  Geschütze.  Diese  sind  mit  erbeuteten
russischen  Pferden  bespannt.  Vor  und  hinter  den  Geschützen  sowie  zu
beiden  Seiten  marschieren  je  eine  Kompagnie  des  Regiments  Kaiser
Alexander  und  des  4.  Garde-Regiments.  Der  Zug  marschiert  durch  die
Rathenower,  Invalidenstraße,  Wilhelms-Ufer,  Alsenbrücke,  Alsenstraße.
Siegesallee,  Charlottenburger  Chaussee,  Brandenburger  Tor,  Mitteldurchfahrt,
  Unter  den  Linden  Mittelpromenade  nach  dem  Lustgarten,  wo
der  Zug  um  12,30  Uhr  nachmittags  eintrifft.  Seine  Exzellenz  der  Oberbefehlshaber
  in  den  Marken,  Generaloberst  v.  asel  mit  dem  Komman-=danten
  von  Berlin,  General  der  Infanterie  v.  Jacobi  und  dem  Stabe
des  Oberkommandos  empfängt  den  Zug  vor  dem  königlichen  Schlosse.
Nach  dem  Vorbeimarsch  werden  die  russischen  und  belgischen  Geschütze  vor
dem  königlichen  Schlosse,  Lustgartenseite,  aufgestellt,  während  die  beiden
französischen  Geschütze  über  die  Schloßbrücke  zurück  nach  dem  Kronprinzen-Palais
  geführt  und  dort  aufgestellt  werden.  Der  ganze  Zug  marschiert
  alsdann  durch  die  Mittelpromenade  Unter  den  Linden  und  das
Brandenburger  Tor  ab.  Die  Geschütze  werden  an  den  vorgenannten
Plätzen  bis  auf  weiteres  dauernd  stehen  bleiben.  Das  Publikum  wird
daher  reichlich  Gelegenheit  haben,  die  Kriegsbeute  in  aller  Ruhe  zu  besichtigen.
  Es  wird  daher  dringend  ersucht,  an  dem  Einzugstage  selbst
einen  zu  großen  Andrang  zum  königlichen  Schlosse  zu  vermeiden.

Der  Luftkampf  über  Paris.

Ein  dritter  Flieger  über  der  Hauptstadt.  —  Fünf  Personen  durch
Bombenwürfe  getötet.  —  Französischer  Protest  gegen  den  angeblichen
Bruch  des  Völkerrechts.

Rom,  2.  September.
Soeben  trifft  die  Nachricht  ein,  daß  ein  dritter  deutscher  Flieger  über
Paris  erschien,  dessen  Bomben  großen  Schrecken  in  der  Stadt  hervorriefen.
  Nachdem  schon  gestern  früh  ein  deutscher  Flieger  das  Elektrizitätswerk
  bombardiert  hatte,  flog  abends  ein  Flieger  über  die  Stadt,