Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Vortrag  des  Epischen.  123

Des  Schächenthals  auf  menschenleerer  Spur;
Und  da  ich  einsam  einen  Felsensteg

Verfolgte,  wo  nicht  auszuweichen  war,

Denn  über  mir  hing  schroff  die  Felswand  her
Und  unten  rauschte  fürchterlich  der  Schächen,
Da  kam  der  Landvogt  gegen  mich  daher,

Er  ganz  allein  mit  mir,  der  auch  allein  war,
Bloß  Mensch  zu  Mensch,  und  neben  uns  der  Abgrund.
Und  als  der  Herre  mein  ansichtig  ward

Und  mich  erkannte,  den  er  kurz  zuvor

Um  kleiner  Ursach  willen  schwer  gebüßt,

Und  sah  mich  mit  dem  stattlichen  Gewehr

Daher  geschritten  kommen,  da  erblaßt  er,

Die  Knie  versagten  ihm,  ich  sah  es  kommen

Daß  er  jetzt  an  die  Felswand  würde  sinken.  —
Da  jammerte  mich  sein,  ich  trat  zu  ihm
Bescheidentlich  und  sprach:  „ich  bin's,  Herr  Landvogt“.
Er  aber  konnte  keinen  armen  Laut  «
Aus  seinem  Munde  geben;  mit  der  Hand  nur
Winkt'  er  mir  schweigend  meines  Wegs  zu  geh'n.
Da  ging  ich  fort  und  sandt'  ihm  sein  Gefolge.

Desto  lebhafter,  mit  allen  Vortragsmitteln  ist  die  folgende
Erzählung  zu  sprechen.
Einleitender  Bericht.)
Der  Rudenz  war  es,  der  das  Sarner  Schloß
Mit  männlich  kühner  Wagethat  gewann.
Den  Roßberg  hatt'  ich  nachts  zuvor  erstiegen.
Doch  höret  was  geschah.

Ertählend,  start  steigernd)  Als  wir  das  Schloß

Vom  Feind  geleert,  nun  freudig  angezündet,

Die  Flamme  prasselnd  schon  zum  Himmel  schlug,

Da  stürzt  der  Diethelm,  Geßlers  Bub',  hervor,

Und  ruft  daß  die  Bruneckerin  verbrenne.
(Ruhiger,  erklärend  dazwischengeworfen.)

Sie  war  es  selbst,  war  heimlich

Hier  eingeschlossen  auf  des  Vogts  Geheiß.
(Lebhaft,  rasch,  stark  steigernd.)

Rasend  erhub  sich  Rudenz,  denn  wir  hörten

Die  Balken  schon,  die  festen  Pfosten  stürzen,

Und  aus  dem  Rauch  hervor  den  Jammerruf

Der  Unglückseligen.