Vortrag des Epischen. 123
Des Schächenthals auf menschenleerer Spur;
Und da ich einsam einen Felsensteg
Verfolgte, wo nicht auszuweichen war,
Denn über mir hing schroff die Felswand her
Und unten rauschte fürchterlich der Schächen,
Da kam der Landvogt gegen mich daher,
Er ganz allein mit mir, der auch allein war,
Bloß Mensch zu Mensch, und neben uns der Abgrund.
Und als der Herre mein ansichtig ward
Und mich erkannte, den er kurz zuvor
Um kleiner Ursach willen schwer gebüßt,
Und sah mich mit dem stattlichen Gewehr
Daher geschritten kommen, da erblaßt er,
Die Knie versagten ihm, ich sah es kommen
Daß er jetzt an die Felswand würde sinken. —
Da jammerte mich sein, ich trat zu ihm
Bescheidentlich und sprach: „ich bin's, Herr Landvogt“.
Er aber konnte keinen armen Laut «
Aus seinem Munde geben; mit der Hand nur
Winkt' er mir schweigend meines Wegs zu geh'n.
Da ging ich fort und sandt' ihm sein Gefolge.
Desto lebhafter, mit allen Vortragsmitteln ist die folgende
Erzählung zu sprechen.
Einleitender Bericht.)
Der Rudenz war es, der das Sarner Schloß
Mit männlich kühner Wagethat gewann.
Den Roßberg hatt' ich nachts zuvor erstiegen.
Doch höret was geschah.
Ertählend, start steigernd) Als wir das Schloß
Vom Feind geleert, nun freudig angezündet,
Die Flamme prasselnd schon zum Himmel schlug,
Da stürzt der Diethelm, Geßlers Bub', hervor,
Und ruft daß die Bruneckerin verbrenne.
(Ruhiger, erklärend dazwischengeworfen.)
Sie war es selbst, war heimlich
Hier eingeschlossen auf des Vogts Geheiß.
(Lebhaft, rasch, stark steigernd.)
Rasend erhub sich Rudenz, denn wir hörten
Die Balken schon, die festen Pfosten stürzen,
Und aus dem Rauch hervor den Jammerruf
Der Unglückseligen.