Metadata : Nachrichtendienst, Presse und Volksstimmung im Weltkrieg.

Die  Abteilung  III  B.  140

 

was  ist  in  jenen  Tagen  Namenloses  und  Entsetzliches  alles  gegen  mich  von
dieser  Seite  verbreitet!  Über  keinen  Menschen  in  Deutschland  ist  in  den
letzten  zwei  Jahren  soviel  gelogen  worden  wie  über  mich.“

Ich  verständigte  sofort  den  gleichfalls  in  Weimar  anwesenden  Kriegsminister,
  daß  diese  öffentliche  Behauptung  des  Ministers  Erzberger  unter
Berufung  auf  Aktenkenntnis  eine  bewußte  Irreführung  der  öffentlichen
Meinung  sei.  Ich  teilte  dem  Kriegsminister  mit,  daß  der  Name  Erzberger
in  den  Akten  der  Abteilung  III  B  in  diesem  Zusammenhang  nur  in  der
Weise  enthalten  sei,  daß  mehrfach  Warnungen  vor  Treibereien  von  seiner
Seite  gegen  die  O.  H.  L.  oder  gegen  mich  einliefen,  daß  diese  zu  den  Akten
geschrieben  seien,  ohne  daß  ihnen  irgendwelche  Folge  gegeben  wurde,  und
daß  die  Persönlichkeit  des  Abgeordneten  Erzberger  niemals  Gegenstand
irgendwelcher  Instruktionen  an  die  mir  unterstellten,  zur  Aufklärung  bestimmten
  Organisationen  gewesen  sei.  Der  Kriegsminister  erklärte  sich
außerstande,  irgend  etwas  mit  Erfolg  zur  Richtigstellung  unternehmen  zu
können.  Er  überließ  es  mir.

Ich  habe  eine  Richtigstellung  in  der  Presse  veröffentlicht.  Hierauf  erwiderte
  die  „Deutsche  Allgemeine  Zeitung“  offiziös:  „Der  Personalchef
der  Abteilung  III  des  Kriegspresseamts  hat  sich  namentlich  im  Frühjahr
1918  in  den  regelmäßigen  dienstlichen  mündlichen  Instruktionen  wiederholt
  in  den  beleidigendsten  Formen  über  den  damaligen  Abgeordneten  Erzberger
  geäußert.  Sämtliche  an  diesen  Instruktionen  Beteiligte  werden  sich
dieser  von  ihnen  als  empörend  empfundenen  Ausdrücke  ganz  genau  erinnern.
  Die  Abteilung  IV  des  Kriegspresseamts,  die  den  harmlosen  Namen
„Nachrichtenabteilung“  führte,  war  die  eigentliche  Aufklärungsstelle  für  das
gesamte  Heer.  Der  Geist,  der  aus  den  Worten  des  instruierenden  Personalchefs
  sprach,  war  ihr  Geist  und  war  der  Geist  der  Abteilung  III  B  der
O.  H.  L.,  jener  Abteilung,  die  besonders  für  das  Kriegspresseamt  verantwortlich
  war.  Dieser  Geist  ist  es  auch,  der  zweimal  zu  einer  Anfrage  der
O.  H.  L.  beim  Reichsjustizamt  geführt  hat,  ob  nicht  gegen  den  Abgeordneten
  Erzberger  ein  Verfahren  wegen  Landesverrat  eröffnet  werden
könne,  ein  Versuch,  der  beide  Male  infolge  Mangels  an  tatsächlichen  Unterlagen
  vom  Reichsjustizamt  glatt  abgelehnt  wurde.“

Diese  Erklärung  enthielt  nichts  von  Berufung  auf  Akteninhalt,  die
den  Ausführungen  vor  der  Nationalversammlung  hätte  Bedeutung  und
Glaubwürdigkeit  verleihen  können.  Sie  beschränkte  sich  auf  allgemeine
Behauptungen  und  auf  die  Erinnerung  an  mündliche  Ausführungen  eines
Abteilungschefs  des  Kriegspresseamts  erst  im  Jahre  1918,  die  mir  nicht
bekannt  sind  und  die  keinesfalls  von  der  O.  H.  L.  veranlaßt  waren.  Der
Eindruck,  die  O.  H.  L.  habe  amtlich  gegen  die  Friedensresolution  gewirkt,
welcher  mit  den  Ausführungen  vor  der  Nationalversammlung  bezweckt