Großbritannien. (November 2.—6.) 349
zum Vergleich anführen, wie die Große Flotte in ihrer Rolle sich von der
Rolle der Verteidigung, die die deutsche Hochseeflotte spielt, unterscheidet:
die englische Flotte in ihrem nördlichen Stützpunkt liegt hinter keinem
Strandverteidigungssystem, sondern stützt sich nur auf ihre eigene Stärke.
Tag und Nacht wird die Nordsee von Norden nach Süden, von Osten
rach Westen von der englischen Flotte durcheilt. Als ein Beispiel, wie
jründlich diese Arbeit getan wird, kann angeführt werden, daß während
bes vergangenen Monats die Blockadegeschwader im nördlichen Atlantischen
und Nordmeer die fast unglaubliche Leistung vollbracht haben, jedes einzelne
HOandelsschiff, das nach neutralen Ländern fuhr, anzuhalten und zu untersuchen.
Nicht eins wurde verfehlt. Die Gesamtwasserverdrängung der Kgl.
Marine im Jahre 1914 war 2400000 To.; heute ist sie um 71% größer.
Der Mannschaftsbestand der Flotte vor dem Kriege betrug 146000; heute
190000. Diese Zahl schließt den Kgl. Marineluftdienst ein, der allein von
700 auf 41000 gestiegen ist. Im Sept. allein wurden auf feindliche Docks,
Narinedepots, Flugplätze und andere Plätze von Marine= oder militärischer
Wichtigkeit in Flandern hinter den feindlichen Linien 64 Angriffe ausgzeführt.
Eine Schilderung des Dienstes unserer U-Boote würde weit mehr
Zeit erfordern, als ich gegenwärtig von dem Hause verlangen kann. Ihre
inerschrockene Abpatrouillierung der fernen Gewässer der Nordsee ist unchätzbar.
Wir hören wenig von ihren Taten, aber ihre unablässige Arbeit
rägt viel zu der tatsächlichen Sicherheit unserer Küsten bei. Am Schluß
agt G.: Wenn der Tag kommt, da der Feind der englischen Flotte gewährt,
was sie verlangt, nämlich den Kampf, so zweifle ich nicht, daß sowohl
an strategischer und taktischer Führung wie an persönlichem Mut die
inglische Flotte bei ihrer Unternehmung sich auf der Höhe ihrer großen
Traditionen halten wird.
Asquith beglückwünscht G. warm zu der Klarheit und Reichhaltigkeit
seiner Darlegungen und zu der darin vertretenen Politik. (Die Erwiderung
des Staatssekretärs v. Capelle s. Tl. 1 S. 961 f.)
2. Nov. Ersatzwahl zum Unterhaus.
In North-Salford wird der Unabh. Soz. Ben Tillett mit 2822 Stimmen
gewählt. Der Koalitionskandidat Wallet erhält 1545 Stimmen. Das Ergebnis
erregt in England allgemeines Aufsehen.
3. Nov. Amtlich wird bekanntgegeben, daß Ministerpräsident
Painlevé und General Pétain nach kurzem Besuch in England
wieder nach Frankreich zurückgekehrt sind.
Die Besprechungen galten der Hilfsaktion für Italien. Premierminister
Lloyd George begibt sich, begleitet von Robertson, Smuts und andern
englischen Generalen, nach Italien zur Teilnahme an dem Kriegsrat der
Verbandsmächte. (S. Italien 5. Nov. in Rapallo.)
6. Nov. (Unterhaus.) Friedensfrage.
Im Laufe der Erörterung des Anleihegesetzes bringt Lees Smith
(Lib.) folgende Entschließung ein: Das Haus ist der Ansicht, daß die
vorgesehenen Genugtuungen und Sicherheiten hinsichtlich der Unabhängigkeit
und der Wiederherstellung Belgiens und der Räumung des anderen
besetzten Gebiets erlangt werden können. Kein Hindernis sollte den Verhandlungen
für einen Frieden in den Weg gelegt werden, um ein Uebereinkommen
zu schaffen, das eine gerechte Lösung der elsaß--lothringischen
Frage einschließen sollte und die Ausfindigmachung einer wirksamen internationalen
Einrichtung zur Vermeidung künftiger Kriege.