Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 54. (54e)

144  Reichsgerichtliche  Entscheidungen.

ein  Rechte  für  den  Verpflegenden  nicht  begründendes
auffassen.  Allerdings  macht  das  Urtheil  aushilfsweise
  noch  geltend,  es  genüge  ein  bloß  thatsächlich
bestehendes  Pflegeverhältniß,  weil  es,  als  ein  dem
elterlichen  analoges,  die  leibliche  und  geistige  Pflege
umfaßte,  zur  Erschöpfung  des  Begriffs  von  Pflegeeltern
  und  der  Angehörigkeit  im  Sinne  des  §  52
St  GB.  Das  Reichsgericht  hat  indessen  wiederholt
und  insbesondere  in  Bezug  auf  das  bayerische  Landrecht
  in  den  vom  angefochtenen  Urtheile  selbst  angeführten
  Entscheidungen  ausgesprochen,  daß  da,  wo
das  geltende  Landesrecht  demjenigen,  welcher  die
Pflege  und  Erziehung  elne5  fremden  Kindes  übernimmt,
  ein  Recht  zur  Erziehung  des  Pflegkinds  und
zur  elterlichen  Zucht,  welches  sich  aus  der  Uebernahme
  an  sich  abzuleiten  hätte,  nicht  eingeräumt
wissen  will,  es  sich  auch  nicht  um  ein  dauerndes,
nach  Recht  und  Pflicht  dem  elterlichen  verwandtes
Verhältniß  zwischen  Verpfleger  und  Pflegkind  handeln
kann.  Nun  sprechen  sich  die  Anmerkungen  von
Kreittmeyr  zu  der  von  der  Strafkammer  angezogenen
  Gesetzesstelle  Landrecht  Theil  1  Titel  5  §  12
in  einer  über  die  für  das  Landesrecht  maßgebenden
Gesichtspunkte  keinen  Zweifel  lassenden  Weise  dahin
aus,  daß  ein  dem  Nähr--Vater  aus  der  Verpflegung
erwachsendes  Recht  zur  Erziehung  weder  gemeinrechtlich
  noch  landesrechtlich  erweisbar,  derselbe  vielmehr,
  sofern  er  nicht  obrigkeltlich  zum  Vormunde  bestellt
  ist,  nur  für  den  zur  Erziehung  Berechtigten
und  nicht  auf  Grund  eigenen  Rechtes  als  thätig  anzusehen
  sei.  Es  ist  demnach  das  Pflegeverhältniß
vom  Landrechte  als  ein  stets  nach  Ermessen  des
Erziehungsberechtigten  widerrufliches,  weder  Rechte
noch  Pflichten  der  Eltern  verlelhendes  oder  auferlegendes
  gedacht.  Urth.  1  Str.-Sen.  v.  18.  Nov.
18  rep.  num.  2278/86.

:  Dr.  Julius  v.  Staudinger  in  München.
Nertur  —*8m  Enke  (Carl  Enz  in  Erlangen.
Druck  von  Junge  &  Sohn.