Full text : Gesetzsammlung für das Fürstentum Reuß älterer Linie. 1918. (67)

48.

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1.  Treten  an  einem  Orte  übertragbare  Krankheiten,  wie  Diphtherie,  Fleckfieber,
  übertragbare  Genickstarre,  Keuchhusten,  spinale  Kinderlähmung,  Masern,  rosenartige
  Entzündungen,  Scharlach  oder  Typhus  in  größerer  Verbreitung  auf,  so  werden
die  öffentlichen  Impftermine  ausgesetzt.  Der  Gemeindevorstand  jeden  Ortes  bezw.
jedes  Domanial=  oder  selbständigen  Gutsbezirkes  hat  den  Impfarzt  davon  rechtzeitig
zu  benachrichtigen.  Der  Impfarzt  hat  davon  dem  Fürstlichen  Landratsamt  Anzeige
zu  machen.

2.  Aus  einem  Hause,  in  welchem  Fälle  der  genannten  Krankheiten  oder  die
natürlichen  Pocken  (Blaltern)  herrschen,  dürfen  Kinder  zum  öffentlichen  Termine
nicht  gebracht  werden,  auch  haben  sich  Erwachsene  aus  solchen  Häusern  vom  Impftermine
  fern  zu  halten.  Der  Termin  darf  in  solchen  Häusern  nicht  abgehalten  werden.

3.  Impfung  und  Nachschau  von  Kindern  aus  solchen  Häusern  müssen  getrennt

  von  den  übrigen  Impflingen  vorgenommen  werden.
.  13.

1.  Bei  ungewöhnlichem  Verlaufe  der  Schutzpocken  oder  bei  Erkrankungen
geimpfter  Kinder  ist  ärztliche  Behandlung,  soweit  tunlich  herbeizuführen.  In  Fällen
von  angeblichen  Impfschädigungen  sind  durch  den  Physikus  Ermittelungen  einzuleilen,
  deren  Ergebnis  durch  das  Fürstliche  Landratsomt  der  Fürstlichen  Landesregierung
  anzuzeigen  ist;  in  geeigneten  Fällen  ist  eine  amtliche  öffentliche  Richtigstellung
  unrichtiger,  in  die  Oeffentlichkeit  gelangter  Angaben  zu  veranlassen.  Dem
Kaiserlichen  Gesundheitsamt  ist  von  dem  zuständigen  Physikus  über  solche  Vorkommnisse
  mit  tunlichster  Beschleunigung  Mitteilung  zu  machen.

2.  Die  Ortspolizeibehörden  und  Aerzte  sind  verpflichtet,  über  etwa  zu  ihrer
Kenntnis  kommende  Fälle  von  wirklicher  oder  angeblicher  Impfschädigung  ungesäumt
dem  x  Landratsamt  Mitteilung  zu  machen.

wgßme  Standesbeamten  haben  jeden  Todesfall,  der  als  Folge  der  Impfung
#  *  sosomt  dem  Fürstlichen  Landratsamte  anzuzeigen.

1.  Die  Inmpfung  ist  sowohl  5½  mrnlichen  als  auch  bei  Privalimpfungen
nur  mit  Tierlymphe  vorzunehmen.

2.  Der  Impsstoff  darf  für  alle  Impfungen  nur  aus  staatlichen  Impfanstalten
  oder  deren  Niederlagen  oder  aus  solchen  Privat-Impfanstalten,  die  einer
staatlichen  Aufsicht  unterliegen,  bezogen  werden.

3.  Die  Impfärzte  erhalten  bis  auf  weiteres  ihren  Bedarf  an  Impfstoff  nach
einem  mit  dem  Großherzoglich  Sächsischen  Impfinstitut  zu  Weimar  algeschlossenen
Vertrage  aus  diesem  Institut  nach  vorheriger  Bestellung,  bei  der  die  Zahl  der  vorzunehmenden
  Impfungen  anzugeben  ist.