Full text : Große deutsche Aufsatzschule für den Schul- und Selbstunterricht.

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bereich  und  —  voraussichtlich  —  unter  dem  vorwaltenden  Einflufs
der  rheinischen  Fürsten,  auch  ehe  noch  Ferdinand  etwaige  Gegenmalsregeln
  getroffen,  stattfinden  sollte.  Den  Infanten  scheint  die
blasse  Furcht  beherrscht  zu  haben,  dafs  ein  Reichstag,  in  diesem
Augenblick  und  an  der  anberaumten  Wahlstatt  abgehalten,  den
Kurfürsten  nur  Gelegenheit  geben  möchte,  für  ihre  feindseligen
Pläne,  an  deren  Vorhandensein  Ferdinand  nun  einmal  steif  und
fest  glaubte,  im  Reiche  Propaganda  zu  ‘machen!).  Ohne  Zeitverlust,
  noch  ehe  irgend  etwas  Bestimmtes  über  das,  womit  die
Kurfürsten  umgingen  oder  umgehen  sollten,  verlautete,  fertigte  der
Erzherzog  ein  Schreiben  an  den  Kaiser  ab,  in  welchem  er  diesen
beschwor,  das  Zustandekommen  des  Reichstages  zu  verhindern.  Es
sei  zu  besorgen,  heilst  es  jetzt,  dafs  auf  dem  wider  den  Willen
des  Schreibers  angesetzten  Speierer  Tage?)  nur  die  rheinischen
Fürsten  erscheinen  würden  —  vorher  hatte  Ferdinand  doch  geschrieben,
  dafs  sehr  viele  Stände  zu  erwarten  seien!  —  und  diese
rheinischen  Fürsten  würden  voraussichtlich  ebenso  vorgehen  wie
letzthin  zu  Nürnberg),  sodals  zu  besorgen  stehe,  der.  neue  Reichstag
  werde  Kaiser  und  Reich  nicht  zu  Glimpf  und  Ansehen  gereichen.
  Deshalb  möge  Karl  schleunigst  den  Tag  verbieten;  inzwischen
  werde  er,  der  Erzherzog,  sich  des  genaueren  über  die
Absichten  der  Kurfürsten  und  Städte  zu  unterrichten  suchen  und
daraufhin  dem  Bruder  weitere  Vorschläge  darüber  unterbreiten,

ı)  Auch  mit  den  vom  lutherischen  Gift  angefüllten  Reichsstädten  sollten
die  weltlichen  Kurfürsten  gemeinschaftlich  konspirieren.  Die  Städte,  berichtet
Ferdinand  am  14.  August  (s.  u.)  an  den  Bruder,  hätten  eine  Versammlung
in  Speier  abgehalten,  wo  auf  ihr  Ansuchen  auch  Gesandte  der  Schweizer  und
Böhmens  erschienen  wären,  mit  denen  sie  sich  wider  etwaige  Anfeindungen
wegen  der  lutherischen  Doktrinen  zu  verbünden  wünschten.  Ein  neuer
Städtetag,  ebenfalls  in  der  lutherischen  Sache,  der  die  Städte  durchaus  anhingen,
  sei  nach  Nördlingen  angesetzt,  und  den  würden  auch  die  drei  Laienkurfürsten
  beschicken,  um  die  Städte  in  ihren  Vorsätzen  zu  bestärken  und
dieselben  zugleich  an  sich  zu  ziehen:  „a  quelle  intention,  vous  le  pouvez  bien
consid£&rer“.

?)  In  der  Instruktion  für  Bredam  sagt  Ferdinand,  er  habe  den  Speierer
Tag  zugelassen,  um  Schlimmeres  zu  verhüten.

3)  „Et  est  ä  estimer,  feront  ainsi  que  derniörement  firent  &  celle  (scil.
diete)  du  dit  Nurenberg.*  Der  Infant  denkt  hier  wohl  an  das  Vorgehen  von
Trier  und  Pfalz  wider  das  Reichsregiment  wegen  dessen  Haltung  in  den
Sickingenschen  Wirren,  vielleicht  auch  an  die  Art,  wie  der  Reichstag  dem
päpstlichen  Vertreter  Campeggi  begegnet  war.