Mähren und Böhmen. In Prag befiel ihn Mitte Oktober eine
Unpäßlichkeit, in Folge deren er erst am 25. November wieder in
Wien eintraf. In der kaiserlichen Hofburg nahm er Wohnung.
In der lustigen Kaiserstadt ging es im Fasching von 1835
besonders lustig zu. Wien versammelte damals, als Brennpunkt
der Reaktion, viele fremde Herrschaften am Kaiserhofc, so daß
ein Ball den andern, ein Festgelage das andere verdrängte.
Auch der Kronprinz ging mit seinem vertrauten Sekretär, dem
jungen Herrn von Wendland, hinein in dic tolle Faschingslust.
Jung, wie er war, markte er nicht mit den Freuden der Jugend
und trank ihren schäumenden Most. Er pflückte die Blumen, von
denen er die schönsten am Wege fand, und ließ aufzischen die
Raleten der heitern Laune und sprühen die Schwärmer des
Ingendübermuthes. Den gemeinen Bodensatz trank er aus
dem Freudenbecher nicht hinein. Nach dem prasselnden Feuerwerke
traten immer wieder die klaren silbernen Sterne des
Ernstes und der Würde hervor. Da starb unverhofst
Kaiser Franz I., der letzte deutsche Kaiser, dem aber
die heilige Krone Karls des Großen lang vor dem Tode entfallen
war. Nun änderte sich die Bühne. Den Bällen folgten
Requiems, den Maskenzügen feierliche Auffahrten der condolirenden
Gesandten. Das scheckige Faschingskleid hat dem Tranerflor
weichen müssen.
Als der Frühling einzog in Wien, eilte der Kronprinz
aus den dumpfen Mauern hinaus an die breite Heerstraße der
Mutter Natur, hinab in's „schöne weite Ungarland,“ wo die
Sonne feurigen Tokaier kocht und schmeichelnden Ofner; dahin, wo
an jedem Fuß ein Sporn klirrt, auf jeder Lippe ein Schnurrbart
klappert. Der Aufenthalt daselbst ist ihm verhängnißvoll geworden.
Eine furchtbare Krankheit rückte ihn hart an die dunkle
Pforte des Jenseits. Finstere Gerüchte beängstigten in Bayern
das Volk, bis endlich nach langen bangen Wochen die gewisse