Full text : Große deutsche Aufsatzschule für den Schul- und Selbstunterricht.

—  271  —

enkel,  des  Vaterlandes  Stolz  und  frohe  Hoffnung.  Das  preußische
und  deutsche  Volk  schaute  mit  Freude  und  Begeisterung  zu  ihm  auf
und  zeigte  sich  bereit,  mit  ihm  auszuhalten  in  Freude  und  Leid;
denn  jeder  Deutsche  sah  in  Kaiser  Wilhelm  den  Inbegriff  aller
menschlichen  Vorzüge.  Daher  war  auch  jeder  Deutsche,  ja  die  ganze
Welt  schmerzlich  betroffen,  als  der  Telegraph  am  9.  März  1888  dem
ganzen  Erdkreise  die  Trauerbotschaft  verkündete,  daß  der  allverehrte
Kaler  und  König  Wilhelm  morgens  8½  Uhr  sanft  in  ein  besseres
Jenseits  hinübergeschlummert  sei.  Leider  waren  seine  letzten  Lebenstage
  nicht  frei  von  Leiden  und  Schmerzen,  von  herben  Prüfungen
und  Schlägen.  Sein  einziger  Sohn,  der  Stolz  und  die  Hoffnung
des  Volkes,  weilte  fern  auf  italienischem  Boden,  um  hier  Heilung
von  einer  Krankheit  zu  suchen,  die  an  seinem  Lebensnerv  nagte.
Auch  des  Kaisers  edle  Gemahlin  hatte  durch  Krankheiten  nicht  wenig
zu  leiden.  Dazu  kam  die  Wiederkehr  eines  Leidens,  das  ihn  zwar
oft  befallen,  dem  aber  sein  kräftiger  Körper  immer  Widerstand  geleistet
bant  diesmal  sollte  er  sich  von  seinem  Schmerzenslager  nicht  wieder
erheben.

Der  9.  März  1888,  an  dem  unser  deutsches  Volk  seinen  großen
Kaiser  verlor,  dem  es  seinen  Ruhm,  sein  Ansehen,  seine  Größe  und
seine  Macht  verdankt,  wird  für  alle  Deutschen  und  Preußen  ein
Tag  der  Trauer  sein.  Aber,  der  Geist  des  erhabenen  Heldenkaisers
und  Fürsten,  dessen  irdische  Uberreste  im  Mausoleum  zu  Charlottenburg
  bei  seinen  erlauchten  Elten  ihre  letzte  Ruhestätte  gefunden
haben,  wird  fortleben  in  seinem  Volke,  und  noch  in  späten  Jahrhunderten
  wird  sein  Ruhm  verkündigt  werden.

(Leseb.  für  die  Oberkl.  kath.  Volksschulen  der  Rheinprovinz).

Die  Wiederaufrichtung  des  Deutschen  Kaiserreichs.

Der  Deutsch-Französische  Krieg  war  zu  Ende.  Nie  hatte  ein
Feldzug  ruhmreichere  Siegeszeichen  gebracht  als  dieser  siebenmonatige.
In  16  Schlachten,  die  das  deutsche  Heer  gewonnen,  in  26  Festungen,
die  es  erobert  hatte,  waren  11000  Offiziere  und  363000  Mann
zu  Gefangenen  gemacht,  6700  Geschütze  und  120  Adler  und  Fahnen
erbeutet  worden.  Wie  Moltke  mit  dem  Schwerte,  so  hatte  dann
Bismarck  mit  der  Feder  über  Erwarten  erreicht  einen  Landerwerb,
an  Umfang  zwar  mäßig,  aber  unendlich  wertvoll  durch  geschichtliche
Erinnerung,  und  weil  er  die  deutsche  Grenze  fest  machte,  und  eine
Kriegssteuer,  groß  genug,  um  nicht  bloß  den  Schaden,  den  Deutschland
  in  diesem  Kriege  an  seiner  Habe  erlitten,  sondern  auch  die