Full text : Aufgaben der Eisenbahn-Politik

132  Bericht  des  gemischten  Ausschusses  etc.

gezeigt,  unwirksam.  Aber  es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  Eisenbahngesellschaften
  in  Berücksichtigung  des  Odiums,  welches  ein  sehr  reiches  und  Gewinn
bringendes  Monopol  sicherlich  verursacht,  wenn  sie  zu  prosperiren  fortfahren,
so  handeln  werden,  als  wenn  ihre  Dividenden  limitirt  wären,  und  die  Mittel
finden  werden,  einen  grossen  Ueberschuss  anders  zu  verwenden,  als  durch  bedeutende
  Vergrösserung  der  Dividenden.

7.  Theilung  des  eine  gewisse  Grenze  überschreitenden  Gewinnes
zwischen  der  Gesellschaft  und  dem  Publikum.

Gedrängt  durch  diese  Schwierigkeiten  haben  einige  Experten  eine  Modifikation
  der  Dividendenbegrenzung  vorgeschlagen,  nämlich,  dass  nach  Festsetzung
einer  Grenze  (etwa  10°)  aller  Gewinnüberschuss  zwischen  der  Gesellschaft  und
dem  Publikum  getheilt  werden  soll,  indem  ein  Theil  des  Ueberschusses  der  Dividende
  beigefügt  und  der  Rest  zur  Herabsetzung  der  Preise  angewendet  werden
  solle.  Dies  war  das  in  dem  ersten  Manchester-Liverpool-Eisenbahngesetze
angenommene  Princip,  aber  es  kam  niemals  in  Ausführung.  Es  ist  ein  Plan,
welcher  bis  zu  einer  gewissen  Ausdehnung  eine  der  Hauptschwierigkeiten  der
Dividendenbeschränkung  vermeiden  würde,  denn,  was  immer  ihr  Gewinn  wäre,
würden  die  Gesellschaften  in  der  Ausdehnung  des  ihnen  reservirten  Theiles  des
Ueberschuss-Einkommens  ein  Interesse  an  Ersparung  und  guter  Geschäftsführung
haben,  während  dem  Publikum  sein  Antheil  an  dem  erhöhten  Gewinne  gesichert
bliebe.  Aber  es  gibt  andere  Schwierigkeiten,  welche  der  Plan  nicht  beseitigen
würde.

Zuerst  würde  er  die  Schwierigkeit  nicht  beseitigen,  welche  aus  der  Frage
entsteht:  was  ist,  oder  soll  sein,  die  als  Dividende  statthafte  Summe?  Auch
würde  er  nicht  die  Schwierigkeiten  beseitigen,  welche  aus  den  Fragen  entstehen:
in  welchen  speciellen  Fahr-  oder  Frachtpreisen  soll  die  Herabsetzung  stattfinden
und  in  welcher  Ausdehnung?  Die  Eisenbahngesellschaften  selbst  könnten  wahrscheinlich
  solche  Herabsetzungen  vornehmen,  aber  ohne  eine  kontrolirende  Behörde
  wäre  keine  Sicherheit  gegeben,  dass  sie  entweder  die  Herabsetzung  der
Sätze  in  der  entsprechenden  Ausdehnung,  oder  dass  sie  sie  in  der  Weise  vornehmen,
  welche  für  das  Publikum  am  Vortheilhaftesten  wäre.  Demzufolge
wünschen  Alle,  welche  diesen  Plan  vorschlagen,  dass  einer  Regierungsbehörde
die  strenge  und  wirksame  Ermächtigung  gegeben  werden  solle,  die  Preise  nach
diesem  Prineipe  zu  revidiren.  Nun  giebt  es  beträchtliche  Schwierigkeiten  bei  der
Untersuchung,  wie  eine  Behörde  unter  den  bestehenden  Verhältnissen  diese  Ermächtigung
  ausüben  könnte.  Wie  wir  oben  gesehen  haben,  könnte  es  keine
Regierungsbehörde  unternehmen  zu  sagen,  was  die  Auslagen  einer  Eisenbahngesellschaft
  sein  sollen,  und  was  folgerichtig  die  eigentlich  als  Gewinn  zu  vertheilende
  Summe  ist.  Auch  könnte  eine  Regierungsbehörde  nicht  wohl  die
schwierige  und  gehässige  Aufgabe  auf  sich  nehmen,  einen  speciellen  Verkehr
oder  specielle  Frachtsätze  für  die  Herabsetzung  auszuwählen.  Wenn  eine  Eisenbahn
  ein  gleichartiges  Geschäft  wäre,  welches  einen  gegebenen  Artikel  zu  einem
festgesetzten  Preise  all  seinen  Kunden  liefert,  wäre  es  nicht  schwer  anzuordnen,
dass,  wenn  ihre  Dividende  10%  übersteigt,  der  Preis  des  Artikels  für  jedes
zur  Dividende  hinzukommende  Percent  um  so  und  so  viel  herabgesetzt  werden