592 Geschichte der Akademie unter Frieprien Wirners 111. (1797-1812).
der Einzelne ausführen kann, weil er allein am stärksten ist. Wenn
trotz alledem fast die Hälfte der Akademie im Jahre 1ıSo5 für Fıcate s
Aufnahme gestimmt hat, so ist das, falls nicht Nebenmotive gespielt
haben, ein leuchtender Beweis für die dankbare Anerkennung des
charaktervollen Genius, dem man Verehrung auf jede Weise darbringen
wollte. In diesem Sinne war der Wunsch seiner Aufnahme
berechtigt — denn die Verehrung mag auch einmal feste Schranken
durchbrechen —. und der Sieg (der Gegner mit ı5 Stimmen war
in Wahrheit eine Niederlage der »gescheidten Männer«. Sie wollten
in der Wissenschaft, wie im Politischen damals ihr König, »unabhäugig«
bleiben, aber fühlten die Ketten nicht, in denen ihre »unablängige«
Aufklärung lag.
In der Zeit vom März 1805 bis zur grossen Katastrophe des Staats
im Herbst 1806 trug sich nichts Aufregendes mehr zu', doch spürt
man JonannEs von MÜLLERS und ALEXANDER VON HUmBoLnTs (er war
seit November 1805 wieder in Berlin) Wirken‘. Da die Akademie
in Jieser Zeit kein Mitglied durch den Tod verlor, so konnten ordentliche
Mitglieder nicht gewählt werden; aber die beiden Gelehrten
sorgten doch für Nachwuchs. Auf HuxsorLpr's Vorschlag wurden
der Physiker Erman und der Geologe von Bucn am 27. März
1806 ausserordentliche Mitglieder, und am 24. Mai reihte sich ihnen
auf Jonanses von MüLLer’s Vorschlag der Philologe Butrmann an. Sie
sind Zierden der Akademie geworden: die beiden erstgenannten sind
ihr, wie HumsoL»T selbst, über die Mitte des Jahrhunderts hinaus
erbalten geblieben".
_— _——_
I Beiläufig sei erwähnt, dass aın 30. Januar 1806 Merıan mittheilte, dass der
Staatsininister Graf von Repex der Akademie die Büste Frirvrıcn's des Grossen
geschenkt habe und diese im Versammlungszimuner aufgestellt werde.
? Am 21. November 1805 hat ALEXANDER vox Hunsoup’r seine Antrittsrede in
der Akademie gehalten, am 20. März 1806 seine erste Vorlesung: »Beobachtungen
über die Abnalıme der Wärme in den oberen Regionen des Luftkreises und über die
untersten Grenzen des ewigen Schnees«. Gelesen hat er ferner damals »Über Steppen
und Wüsten«, »Über die Wasserfälle des Orinoco« und »Ideen zu einer Physiognomik
der Gewächse«. — llunsorpr wohnte im Jahre 1803/6 in einem Seitenhause des
Greorge’schen Gartens und machte dort seine magnetischen Beobachtungen. Wenn
der alte George seinen (rarten Fremden zeigte, so versäumte er nicht, wie HumsoLor
selbst später erzählt hat, ınit »seinen« Gelelirten zu prahlen. »Hier habe ich den berühımten
MÜLLER, hier den Humsorovr, hier auch den Fıc#rz. der aber nur ein
Philosoph sein soll« (Brunxs. ALEXANDER vox lltusornr, Bd.I 8.415).
® In dem Antrage IlumsoLpr's vom 20. Februar 1806 heisst es: »Hr. Prof.
ErnAan gehört zu der kleinen Zahl deutscher Physiker, welche genialischen Scharfsinn.
(iründlichkeit und ausgebreitete Gelehrsamkeit in allen Theilen der Naturlehre
mit einander verbinden. Er hat in wenigen Jahren eine grosse Reihe neuer und