Pflichten d. Kaufleute bei Aufbewahrung fremder Werlhpapierc. 219
Mit 10 gegen 7 Stimmen in der ersten Lesung, mit
7 gegen 4 in der zweiten wurde von der Commission die
Streichung beschlossen (Ber. S. 5 fg.), und im Reichstag
wurde die Wiederherstellung von keiner Seite beantragt.
Es wird nun also durch das Gesetz, wie es der
Reichstag beschlossen hat, dem Commissionär zugemuthet,
in gemessener Frist auch den säumigen Committenten zum
Besitzer und Eigenthümer der für ihn bezogenen Papiere
zu machen und sich mit dem in Art. 374 und 375 des
HGB. vorgesehenen Pfandrechte zu begnügen.
Durch dieses Pfandrecht werden aber, wie in der
Begründung des Regierungsentwurfs zutreffend ausgeführt
war, „die Interessen des Commissionäss
für seine Ansprüche aus dem Geschäfte nicht genügend
geschützt. Denn, wenn er gezwungen sein soll, sich des
Rechts der Verfügung über die eingekauften Stücke vor
seiner Befriedigung zu entäußern, so erleidet er den —
namentlich für Bankiers mit kleinerem Betriebscapital
schwer ins Gewicht fallenden — Nachtheil, daß er einen
Theil seiner Geldmittel in dem für den Kunden zu verauslagenden
Kaufpreise festlegen muß, und gleichzeitig
doch gehindert ist, die eingefauften Papiere noch zur
Creditbeschaffung zu benutzen“ (Begründung S. 80/99) *).
*) Vgl. außerdem die Ausführungen von Rießer in der
schon oben angeführten, höchst werthvollen Abhandlung („Das
Bankdepotgese . . . Aus der Praxis und für die Praxis insbesondere
des Handelsstandes erläutert.“ Berlin 1897, Liebmann)
S. 36. Mit Recht wird von Rießer auch auf die
rechtlichen Schwierigkeiten hingewiesen, welche sich der Geltendmachung
des Pfandrechts in der Praxis nicht selten entgegenstellen;
nur wird nicht genügend berücksichtigt, daß nach Arl. 374
Abs. 1 a. E. das Pfandrecht des Commissionärs „wegen aller
Forderungen aus lausender Rechnung in Commissionsgeschäften“
begründet ist und auch durch den Umstand, daß sich die laufende
Rechnung auch auf andere als Commissionsgeschäfte bezieht, nicht
ausgeschlossen wird. Vgl. RG. Urth. des I. Civilsenats vom
10. März 1883. Entsch. Bd 9 Nr. 122 S. 430.