Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

IV.  Die  Teilung  Polens  und  der  Baseler  Frirde.
1792  —1795.

Noch  nie  war  ein  preußischer  Feldzug  so  kläglich  ausgegangen
  wie  der  in  der  Champagne.  Aber  auch  noch  keiner
hatte  so  ganz  des  Rückhalts  in  der  öffentlichen  Meinung  entbehrt.
  Sie  konnte  sich  nicht  darein  finden,  den  Staat  Friedrichs
  Schulter  au  Schulter  mit  Oesterreich  fechten  zu  sehen  für
eine  Sache,  die  ihn  nichts  anging.  So  dachte  auch  die  Armee.
Bei  aller  Selbstüberschätzung  und  Siegesgewißheit  fehlte  ihr
doch  jede  Thatenlust.  Sie  war  des  grund=  und  zwecklosen
Krieges  müde,  noch  ehe  er  begann.  Außer  dem  König  hatte
niemand  ein  Herz  für  das  Abenteuer,  in  das  man  durch
Bischoffswerder  gestürzt  war.  Von  den  Ministern  machten  der
greise  Finckenstein  und  Alvensleben  kein  Hehl  aus  ihrer  Abneigung
  gegen  den  Krieg.  Schulenburg,  den  Bischoffswerder
einst  gegen  Hertzberg  ausgespielt  hatte  (S.  294),  fiel  während
des  Feldzuges  in  Ungnade  und  wurde  durch  den  Grafen
v.  Haugwitz  ersetzt.  Ein  geborener  Schlesier,  von  gewinnenden
Formen,  großer  geistiger  Beweglichkeit  und  litterarischen  Neigungen,
  war  dieser,  nach  einer  wilden  Jugend  in  den  Hafen
herrnhutischer  Frömmigkeit  eingelaufen,  tief  verstrickt  in  die
herrschende  Geheimbündelei.  Viel  gereist  und  mit  hohen  fürstlichen
  Verbindungen,  hatte  er  den  Eintritt  in  den  Staatsdienst
wiederholt  abgelehnt.  Erst  als  1791  das  Bündnis  mit  Oesterreich
  einen  Wechsel  in  der  Vertretung  Preußens  am  Wiener
Hofe  nötig  machte,  war  er,  auf  den  ausdrücklichen  Wunsch  Leopolds
  II.,  als  Gesandter  dorthin  gegangen,  ohne  die  Erkaltung
hindern  zu  können,  die  über  die  Entschädigungsfrage  alsbald
zwischen  beiden  Höfen  eintrat.  Nachfolger  Schulenburgs  wurde
er  eben  in  den  Tagen  des  Rückzuges  aus  der  Champagne.  Ein