+06 Die wissenschaftliche Bedeutung der Akadeinie Frieprıci's 1.
In der Sache werden wir heute nicht so unbedingt für Lriesız
Partei nehmen können, wie die damaligen Führer der deutschen Bewegung
in Berlin und Zürich. MaAurpertuis und Merıas erkannten ganz
richtig, dass die Leigxız’schen Speculationen die Grenzen des wissenschaftlich
Erweisbaren weit überschritten und zugleich von dogmatischen
Vorurtlieilen bestimmt waren. Für die Triebkraft der külınen
Hypothese hatten sie freilielı keinen Sinn, und weder sie noch ihre
Schildknappen waren fähig, einen Leissız zu widerlegen.
Die Freunde der deutschen Philosophie waren nicht gewillt
sich zu beruhigen. Noch bevor Reınnarn s Dissertation im Druck
erschienen war, wurde die Akademie durch eine kühne, anonyme
Abhandlung empfindlich berührt, welche die Aufschrift trug: »Pore
ein Metaphysiker!« (1755). Ihre Verfasser waren MENDELSSOHN und
Lessing. Sie hatten die Preisaufgabe bearbeitet, aber ihre Schritt
aus guten Gründen der Akademie zur Beurtheilung nicht vorgelegt:
denn sie beanstandeten bereits die Fassung des Themas selbst, ja
der Nachweis, dass sie unverständig sei, bildete einen Haupttlieil
ihrer Ausführungen.
Wer wollte gern mit Lessıse anbinden, zumal wenn auch die
Nachwelt geurtheilt hat, dass in diesem Streit mit der Akademie
das volle Recht auf seiner Seite gestanden habe! Wer wird nicht
mit ihm eınpfinden, wenn er die Unaufrichtigkeit geisselt, mit welcher
die Akademie Pore genannt und Leiwsız gemeint hat!! Wer wird
nicht mit ilım lachen, wenn er am Schluss seiner Abhandlung, den
Haupttrumpf ausspielend, nachweist, dass PorE selbst seine Philosophie
als »falschen Bart« bezeichnet habe, »»den ich so lange tragen
will, bis ich ihu selbst ausrupfe und ein Gespötte daraus mache««.
»\Vie sehr sollte er sich also wundern, wenn er erfahren könnte, dass
gleichwohl eine berühmte Akademie diesen falschen Bart für wertlı
erkannt habe, ernsthafte Untersuchungen darüber anzustellen!« Allein
prüft man die siegesgewisse Abhandlung genau, so wird weder die
MEenperssonx sche Vertheidigung der besten Welt bestehen bleiben,
noch das Lessine sche peremptorische Gebot der Trennung des Philosophen
von dem Dichter, so glänzend es begründet ist und so
nöthig es einem Geschlecht war, das sich in abgeschhmackten Lehr-!
Werke Bed. ı8 (Berlin. Hempel) S.48: » Wenn ich der Akademie andere
Absichten zuschreiben könnte. als man einer Gesellschaft, die zum Aufnehmen der
Wissenschaften bestimmt ist, zuschreiben kann. so würde ich fragen. ob ınan durch
diese befolilene Vergleiehung melır die Pore’schen Sätze für philosophisch oder mehr
die Leisvız’schen Sätze für poetisch habe erklären wollen«.