Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

904  Die  Akademie  Frieprıca  Wırnerm's  IV.  (1840-1859).

die  Akademie  möge  400  Tlılr.  auswerfen,  die  fehlenden  200  Thlr.
sei  er  selbst  durch  Abtretung  seines  akademischen  Gehalts  aufzubringen
  erbötig.

Sıvıony  hatte  damit  den  Jaun-Monnsen’schen  Plan,  das  Corpus
nicht  auf  die  alten  Sammlungen,  sondern  auf  locale  Forschungen
zu  gründen,  aufgenommen  un«d  bot  die  Hand  zu  seiner  Durchführung.
Aber  die  Majorität  der  Akademie,  geleitet  von  ihren  »Sachverständigen«,
  war  nicht  so  schnell  zu  bekehren.  Zwar  die  Hälfte  der
geforderten  400  Tlılr.  wurden  für  das  Speceimen  bewilligt  —  nur
die  Hälfte  trotz  des  grossmüthigen  Anerbietens  Savıony's!  —,  aber
die  zur  Prüfung  der  Jaun’schen  Denkschrift  niedergesetzte  Commission
(Dırksen,  PrRrtz,  Zunet)  gab  unter  Zumpr's  Leitung  einmüthig  folgende
  Erklärung  ab  (19.  April  1846):

»Die  Veranstaltung  eines  neuen  umfassenden  Thesaurus  Inscriptionun
Latinarumn  ist  unzweifelhaft  wünschenswerth;  der  vorgelegte  Plan  giebt
indessen  zu  folgenden  Ausstellungen  Anlass:

1.  Es  ist  nicht  zweckinässig  mit  den  Reisen  zu  beginnen,  sondern
vorher  den  ganzen  gedruckten  Apparat,  so  weit  er  in  Deutschland  zu  beschaffen
  ist,  zu  sammeln,  zu  sichten  und  zu  ordnen  und  die  Lesarten  nach
den  verschiedenen  Ausgaben  zusammen  zu  tragen;

2.  der  Plan  verbreitet  sich  nicht  hinreichend  über  die  Anordnung
des  Materials.  worüber  jedenfalls  eine  durchaus  in's  Einzelne  gehende  Arbeit
  erforderlich  ist.

Dürch  den  veränderten  Gang  der  Arbeit  werden  die  Kosten  bedeutend
  verringert,  indem  für  die  an  einem  Orte  in  Deutschland  zu  verrichtende
  Arbeit  jährlich  etwa  400  Thlr.  Gehalt  und  2—-  300  Thlr.  Betriebskosten
  hinreichen  würden,  welche  Summen  für  den  Zeitraum  von  drei
Jahren  erforderlich  sein  werden.  Diese  Zeit  muss  jedoch  auch  benutzt
werden,  um  durch  fortgeführte  Correspondenzen  Material  und  Berichtigung
zu  vermehren.  Eine  Reise  nach  Italien  und  dem  südlichen  Frankreich
würde  jedenfalls  nach  Beendigung  dieser  Arbeit  wünschenswerth  sein,  wozu
für  den  Einzelnen  etwa  1000  Thlr.  nöthig  sein  würden,  falls  dies  in  einem
Jahre  abgemacht  werden  könnte.  Die  späteren  Redactionskosten  würden
nicht  geringer  als  jährlich  6-800  Thlr.  sein  können.

Die  Erweiterung  des  Materials  aus  gedruckten,  allein  noch  nicht  in
die  Corpora  übergegangenen  Inschriften  ist  unzweifelhaft  für  erheblich  zu
halten,  während  die  Verinchrung  durch  noch  nicht  publicirte  Stücke  zweifelhaft
  ist(!).

Die  Mitwirkung  der  Akademie  muss  abhängen  von  ihrer  UÜbereinstimmung
  mit  einem  vollständig  ausgearbeiteten  und  mit  ihren  Ansichten
übereinstimmenden  und  ausführbaren  Plan;  alsdann  würde  eine  Commission
von  drei  oder  fünf  Mitgliedern  niedergesetzt  werden  müssen,  um  die  Ausführung

  des  Unternehmens  zu  überwachen  und  von  Zeit  zu  Zeit  der  Akademie
  darüber  zu  berichten.

Samnium  geeignet,  welches  viel  interessantes  Neues  ergeben  hat,  leicht  zu  bereisen
ist  und  dessen  Inschriftenvorrath  klein  genug  ist,  um  im  Lauf  des  gegenwärtigen
Jahres  der  Akademie  fertig  vorgelegt  werden  zu  können«.