36 Einnahme von Pontarlier.
den heranrückten, jene von Nods und St. Gorgon, dieses von Morteau
her, hatte er am Abend des 30. noch keine sicheren Nachrichten.
Er schritt daher am 31. noch nicht zum Hauptangriff, sondern traf
nur solche Anordnungen, welche das Netz enger zusammenzogen und
das Entrinnen nach dem Süden unmöglich machten. Dadurch hoffte
er, werde General Clinchant zum Uebertritt in die Schweiz genöthigt
werden. Denn dies und nicht die Kapitulation der französischen
Armee war das wünschenswertheste Ergebniß. Da Deutschland bereits
mehr als 300,000 Gefangene in seinen Festungen beherbergte,
lag es nicht in seinem Interesse, auch noch ein viertes Hunderttausend
zu bekommen. Um ein Ausweichen nach dem Süden auch kleineren
Abtheilungen unmöglich zu machen, wurden einige Bataillone vom
2. Korps noch weiter rechts abgesandt, um bei Granges St. Marie
die von Pontarlier nach Mouthe führende Gebirgsstraße zu verlegen.
Der Feind wurde am 31. bei Vaux zurückgeworfen, gegen 900 Gefangene
gemacht, Granges und der Ort La Planée besetzt, bei letzterem
550 Mann gefangen genommen. Am 1. Februar, nachdem der
Anmarsch der Division Schmeling gemeldet worden war, zog die
Südarmee auf allen nach Pontarlier führenden Straßen vorwärts.
Ein Parlamentär wollte einen Aufschub im Vorrücken auswirken,
vermuthlich um die französische Armee ungefährdet über die Grenze
zu bringen. Diese seltsame Bitte von Seiten eines so hochfahrenden
Feindes wurde abgeschlagen, und gegen 12 Uhr Mittag, als die
Division Schmeling schon bei Doubs nördlich von Pontarlier stand,
nahm das Regiment Kolberg nach kurzem Infanteriegefecht die
Stadt. Viele Gefangene wurden gemacht, viele hundert beladene
Wagen erbeutet. Blutiger war der Kampf im Gebirge zwischen
Truppen des 2. Korps und der Arrièregarde des Feindes, welche,
an die zwei Sperrforts von La Cluse sich anlehnend, eine durch Mitrailleusen
noch mehr verstärkte Defensivstellung inne hatte und dieselbe
hartnäckig behauptete. Erst spät am Abend hörte das Gewehrfeuer
in den Gebirgsthälern auf, nachdem der Straßenknoten von
La Cluse genommen war. Einige Truppentheile wurden über
Granges St. Marie gegen St. Antoine und Jougne abgeschickt,
um auch diese Gebirgsstraße, welche von La Cluse dort einmündet,
abzuschneiden. Nachdem so im Süden zwischen Granges und Jougne
und im Norden, wo Schmeling und Debschütz standen, zwischen
Doubs und Morteau, gehörige Vorsorge gegen ein Entrinnen ge-