Bruch. 543
Bei Kindern sind Nabelbrüche am häufigsten; bei Männern infolge
gewisser anatomischer Verhältnisse die Leistenbrüche und bei Frauen
Schenkelbrüche, sowie nach zahlreichen Entbindungen und bei schlaffen
Bauchdecken die Bauchbrüche. Einen schweren Leistenbruch, wie er beim
männlichen Geschlecht beobachtet wird, stellen uns Fig. 319 und 320 dar.
Dünndarmschlingen sind durch die Bauchpforte in den Hodensack gerutscht
und haben diesen bedeutend vergrößert. Daß dieser Zustand bedeutende
Gefahren mit sich bringt (Abklemmung des Darmes), liegt auf der Hand.
Wer bei Söhnen oder Gatten eine solche abnorme Vergrößerung des Hodensackes
beobachtet, der berate sich sofort mit einem Chirurgen. Eine gut ansgeführte
Operation bringt in kürze- ·
ster Zeit sichere Hilfe.
Behandlung. Vorsichtige
Zurückbringung der
Bruchmasse durch geschickten
Fingerdruck und Erhaltung
des normalen Zustandes
durch Vermeidung aller Bewegungen,
sowie eine Druckkompresse
(Fig. 310) ist das
erste, was zu tun ist. Dann
lasse man ein nicht zu festes
Bruchband machen, um bei
Tag nicht gehindert zu sein,
und führe einige Wochen
lang folgende Kur aus, um
die Gewebe zu stärken: täglich
zwei Unterbauch- »
waschungen von 150 C. ·
fünf Minuten (siehe diese), Fig. 318. Rumpfbengen, zweite Stellung.
wobei die Bauchdecken
kräftig gestrichen werden und die Kälte zusammenziehend wirkt; nachts kalter
Leibaufschlag mit warmer Bedeckung; täglich Streich-, Knet= und Erschütterungsmassage
der Bauchdecken, leichte Kost, um Kotansammlungen im
Darm zu verhüten und täglichen Stuhlgang zu erzielen, und wöchentlich ein
Heißluftbad, wobei tüchtige Schweißerzeugung große Erleichterung bringen
wird. Auch das leichteste Bruchband drückt und bringt daher die darunter
liegenden Gewebe zum Schwinden, es muß deshalb nachts stets abgelegt
werden, und wenn der Bruch nie mehr herausgetreten ist und monatelang
alle Beschwerden fehlten, versuche man es langsam, sich von dem Bruchbande
ganz zu befreien, anfänglich stundenweise, dann tagelang, und hüte sich vor
Springen, Fallen oder Heben schwerer Gegenstände. Es gelingt dann oft,