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Er sei aber überzeugt, daß es einer so weiten Beschneidung der Volksrechte
nicht bedürfen werde, als es in dem Entwurfe geschehe. Vor
den Freiheitsphrasen, welche man gegen den Enwurf gebrauche, warne
er; hinter diesen Phrasen stecke nichts als Partikularismus. Ihm und
seinen Freunden, die aus den neuen Provinzen hierhergekommen, sei
der Blick nicht getrübt aus der Vergangenheit, wie manchem der Herren
aus den alten Provinzen, sie fassen eben nur die Hauptsache ins Auge,
die Einheit.“ Ahnlich äußerte sich Braun: „Der Entwurf möge den
idealen Anforderungen nicht genügen; aber dafür sei er um so praktischer.
Die Mainlinie rufe bei ihm gar kein Bedenken hervor. Haben
wir nicht 30 und noch mehr Mainlinien gehabt? Ein Südbund sei
nicht zu fürchten. Den Agitatoren in Süddeutschland sei z. B. Württemberg
noch viel zu groß; am liebsten zerschlügen sie den Staat in
einzelne „Kantönli,“ um sich in denselben zu Diktatoren aufzuwerfen.
Es herrsche dort in staatlicher Beziehung eine centrifugale Kraft.
Man brauche übrigens den Süddeutschen nicht nachzulaufen; sie werden
schon zur Einsicht gelangen und ganz von selbst kommen."“ Tapferer
noch klangen die Worte, mit denen der Freiherr von Vincke unter dem
Eindrucke des Wetterleuchtens am westlichen Horizont einem sächsischen
Reichstagsmitgliede, welches Besorgnisse in Bezug auf die Stellung des
Auslandes zum deutschen Einigungswerke geäußert hatie, entgegnete:
„Man hat gesagt, der Verfassungsentwurf mache den Eindruck, als ob
er mit der Hand am Degen geschrieben wäre. Das Ausland mag
wissen, daß wir ihn, wenn er zur Verfassung geworden, auch mit der
Hand am Degen zu verteidigen bereit sind. Der allmächtige Gott,
der unsere preußische Fahne auf unseren Schlachtfeldern nicht hat
sinken lassen, wird auch das deutsche Banner hochhalten. Wir, meine
Herren, wollen es mit beiden Händen tragen bis zum letzten Atemzuge
unseres Lebens!“
In einer der ersten Sitzungen, die der Generaldebatte über den
Verfassungsentwurf gewidmet waren, am 11. März, nahm Bismarck das
Wort. Er entgegnete den „Unitariern“ auf den Vorwurf, daß er die Macht
Preußens nicht benutzt habe, um von den Fürsten der Einzelstaaten
noch größere Opfer zu fordern oder zu erzwingen, die Basis zu dem
neuen Bundesverhältnis solle nicht die Gewalt sein — weder den
Fürsten noch dem Volke gegenüber —, sondern das Vertrauen zu der
Vertragstreue Preußens, und dieses Vertrauen dürfe nicht erschüttert
werden, so lange Preußen von seinen Bundesgenossen die Treue gehalten
würde. Den Partikularisten aber, welche darauf hindeuteten,
daß das ganze Einigungswerk an dem Widerspruche der Landesver-