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Hermann vernahm wohl nicht zum ersten Mal Kunde von dem
Preußischen Volke. War ja noch vor einigen Jahren der Bischof
von Livland und in früherer Zeit auch Christian am Römischen Hofe
gewesen, und Hermann, der sich unzählige Male ebenda als Vermittler
aufhielt, hatte dort Gelegenheit genug, Näheres zu erfahren von
einem Lande, das bereits in hohem Grade die Aufmerksamkeit der
Päpste auf sich zog. Er wußte also wohl, wie gefürchtet die Bewohner,
wie groß das Land, wie tief noch das Heidenthum dort eingewurzelt
sei.'#) Allein daß sein Orden, der bisher im Kampfe
gegen die Dränger des heiligen Grabes sein einziges Ziel erblickt,
jetzt gegen dieses nordische Volk kämpfen sollte, das mußte ihn, den
kühnen Meister, freudig überräschen. Und es handelte sich nicht blos
um neue ehrenvolle Kämpfe für die Christenheit, sondern auch um
die Vermehrung der Ordensbesitzungen durch ein Land! Seitdem
Burtza in Siebenbürgen dem Orden gehörte, war Hermann der Gedanke
an die Gründung einer Landesherrschaft, eines Staates kein fremder
mehr. Es mußte ihm also, da er noch vor Kurzem die Unzuverlässigkeit
des Ungarischen Königs erfahren hatte.') höchst erwünscht sein,
daß sich eine neue Gelegenheit darbot, die einmal erwachten Plane
zu verwirklichen.'8) Bald stand sein Entschluß fest, den Kampf an-——.—
Gesandten bei dem Hochmeister in die Monate Februar oder März 1226 fällt; denn
der Aufschub, von welchem die kaiserliche Urkunde redet, Urecepisse diatulerat“..)
bezieht sich offenbar blos darauf, daß der Hochmeister, ehe er eine bestimmte
Antwort gab, dem Kaiser die Sache mitzutheilen wünschte; da er aber in jener Zeit
immer um diesen war, so nahm die Mittbeilung an denselben keine lange Zeit in
Anspruch.
76) Die verschiedenen Bullen des Jahres 1218, worin die Preußischen Verhältnisse
so ausführlich geschildert sind, waren ihm gewiß auch bekannt.
77) Er hatte dem Orden vor 1222 Burtza wieder abgenommen, val. Dreger.
n. 56. (eo tempore, duo terram sepedictam eis preceperamus auferri,
fuerant non modicum damppniflicati.) und n. 90.
78) Die ganze folgende Entwicklung schließt sich enge an den in der Urkunde
Friedrichs (Urk. 11.) gegebenen Bericht an, der von dem Hochmeister selbst herrührt.