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haben die äußerste Ruhe nötig zur Heilung, und um zu verhindern,
daß der Eiter in den Körper gepreßt wird. Durch nichts läßt sich
aber Ruhe so leicht erzwingen, als wenn jede Bewegung Schmerz
bereitet. Hat jemand ein entzündetes oder sonst schmerzhaftes
Bein, er wird sich hüten, darauf zu treten, er legt sich — und die
Heilung kann beginnen. Genau so ist es bei den Sehnen. Die Sehnen
selbst sind empfindungslos, nicht aber die Futterale, die Lager, in
denen sie gleiten. Sie entzünden sich zuweilen, und es folgt Schmerz,
Ruhe, Heilung. So bringt der Schmerz der Entzündung den ersten
Schritt, der zur Heilung führt. Das entzündete, äußerst schmerzhafte
Auge erzwingt sich seine Ruhe durch krampfhaften Verschluß
der Lider. Bei der Bauchfellentzündung treten so gewaltige Schmerzen
auf, daß der Mensch aufs Lager geworfen wird und kaum zu
atmen wagt. Nur diese äußerste Ruhe bietet die Möglichkeit einer
Rettung. Der Arzt hat es hier leicht, seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, denn er hat den Schmerz als Bundesgenossen,
und wenn der befiehlt, gehorcht man gern. —
Die Laien haben die Vorstellung, daß die Schmerzen um so
stärker seien, je tiefer man in den Körper eindringe. Das ist
grundfalsch. Da die inneren Organe vor Hitze und Kälte und
Zerstörungen geschützt sind, da sie von äußeren Gewalten nicht überrumpelt
werden können, so haben sie nicht das Bedürfnis, Schmerzen
zu empfinden. Gar oft haben Arzte Gelegenheit gehabt, bei
nichtbetäubten Kranken Magen, Darm oder Eingeweide zu berühren,
sie zu ätzen oder dergleichen — nichts von Schmerzen. Leber und
Milz, Nieren, Sehnen, Knorpel, Knochen sind völlig unempfindlich,
ebenso wohl auch das Gehirn, wie man nach Zertrümmerung des
Schädels oft bemerkt hat.
Die Schmerzen zwingen uns, ein Organ oder einen Körperteil
ruhig zu stellen. Das ist gut für die Heilung. Wenn aber der
Körperteil nicht ruhig gestellt werden kann? Dann wäre es fürchterlich,
wenn das Organ mit Schmerzen gequält würde. In der Tat,
das Herz, das ja nie stillestehen darf, ist durchaus gefühllos. Es
kann sich entzünden, Klappen können zerreißen, alles ohne Schmerzen.
Man male sich aus, wie fürchterlich es wäre, wenn bei jedem Herzschlag
das erkrankte Herz sich peinigend in Erinnerung brächte.
Ebenso gefühllos sind die rastlos arbeitenden Lungen. Große Teile
der Lungen können zerstört werden ohne alle Schmerzen, es darf
nur das Rippenfell nicht mit angegriffen werden. Unempfindlich
sind die immer pulsierenden Adern, das atembewegende Zwerchfell,
der nimmer ruhende Darm.