38 Sinnesorgane.
vermindert selbstverständlich auch die Aufnahmefähigkeit des Gehörnervs;
Blutarmut oder Blutzudrang zum Kopf erzeugt Nebengeräusche, wie Sausen
und Klingen; Verstopfung des äußeren Gehörganges hebt selbstredend die
Mittätigkeit des Trommelfelles auf.
Geruchssinn, Geschmackssinn, Tastsinn. Wir atmen durch
die Nase kräftig ein, wenn wir einen bestimmten Geruch empfinden
wollen. Dies ist notwendig, damit die luftförmigen Körper unseren
Geruchsnerv auch wirklich zu treffen vermögen. Sehr einfach erscheint
uns das Geruchsorgan, nachdem wir die Kunstwerke Auge und Ohr
näher kennen gelernt haben. Wir sehen nach vorliegender Abbildung
nur den verästelten Nerv mit seinen feinen Endzweigen und die Schleimhaut
der Nasenhöhle mit den anderen Gehirnnerven, welche die Empfindung
vermitteln.
Keine schwierigen Vorgänge sind notwendig, um das Riechen zu
ermöglichen, kein umständlicher Apparat muß erst in Bewegung gesetzt
werden, um Gerüche dem Riechnerv zuzuleiten; die Nase ist der Geruchfänger,
der Nerv der Leiter, welcher seine eigentümliche Empfindung dem
Gehirne zuleitet.
Schärfer als der Geruchssinn zeigt sich der Geschmackssinn. Er hat
seinen Sitz hauptsächlich auf dem Zungenrücken, der mit vielen kleinen, verschieden
geformten Wärzchen besetzt ist, in welchen sich Nervenenden befinden.
Nur gelöste Stoffe erregen eine Geschmacksempfindung, und diese ist nach der
Beschaffenheit derselben ganz verschieden; bitter, süß, salzigsauer usw.; die
Zungenwärzchen müssen also direkt mit den zu schmeckenden Stoffen in Berührung
kommen, sonst wird keine Geschmacksempfindung erzeugt. Worauf
es beruht, daß eine Substanz den Geschmacksnero stärker erregt als eine
andere, ist nicht bekannt; die physikalisch-chemischen Eigenschaften der gelösten
Substanzen erklären nicht alle bekannten Vorgänge.
Erwähnenswert ist, daß bei Magenstörungen, Gehirnkrankheiten, nervösen
Zuständen ein sogenannter falscher Geschmack oder auch Geschmackslosigkeit
auftreten kann, obwohl die aufgenommenen Speisen die gewohnte
Beschaffenheit hatten und die Zunge mit ihren Geschmacksnerven ganz
gesund ist. Hier haben wir es mit noch nicht aufgeklärten Störungen
in den Nervenbahnen zu tun und müssen nach tieferliegenden Veranlassungen
forschen.
Gerade in der Frauenwelt sind die Empfindungsstörungen häufig. Die
Kenntnis von dem physiologischen Vorgang des Schmeckens wird auch zur
richtigeren Erkennung krankhafter Veränderungen führen.
Der Tastsinn hat seinen Sitz in der Haut. Sie ist das Ursinnesorgan,
die Entstehungsgrundlage für die anderen Sinnesorgane und in
ihrem Bau komplizierter als Geschmacks= und Geruchssinn, wie aus der Entwickelungsgeschichte
des Menschen hervorgeht. Temperatur-, Druck= und