Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang. 1910. (51)

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werker  beteiligt  hat.  Die  Post=  und  Telegraphenverwaltung  handelt,  wie
ich  von  früher  her  weiß,  in  gleicher  Weise.  Allerdings  sind  die  Erfolge
in  dieser  Hinsicht,  wie  der  Kriegsminister  im  Reichstage  dargelegt  hat,
mitunter  nicht  erfreulich  gewesen.  Das  ist  auch  nicht  verwunderlich.  Die
Handwerker  müssen  sich  erst  in  gewisser  Weise  auf  die  Uebernahme  von
großen  Lieferungen  vorbereiten.  Ich  habe  aber  die  Innungen  und  Verbände
  auf  die  Mängel,  die  sich  bei  den  Lieferungen  herausgestellt  haben,
aufmerksam  gemacht,  um  sie  zu  beseitigen.  Ich  bin  auch  der  Meinung,
daß  es  gut  ist,  hier  auf  diesem  Wege  nicht  zu  schnell  vorzugehen.  Ich
habe  aber  das  feste  Vertrauen,  daß  die  einzelnen  Verwaltungen  durch  gelegentliche
  schlechte  Erfahrungen  sich  von  dem  einmal  beschrittenen  Wege
nicht  abbringen  lassen  werden.  Wenn  bei  Submissionen  von  den  ausführenden
  Organen  nicht  nach  den  erlassenen  Bestimmungen  gehandelt
wird,  so  bitte  ich,  das  nur  der  Zentrale  mitzuteilen.  Unzulässig  ist  durchaus,
  daß  Gefängnisverwaltungen  mit  ihren  Arbeiten  bei  öffentlichen  Submissionen
  konkurrieren.  Die  Frage  der  Trennung  von  Handwerk  und
Fabrik  ist  durch  die  Denkschrift  des  Handwerks-  und  Gewerbekammertags
wesentlich  gefördert.  Mit  einer  gesetzlichen  Festlegung  der  Begriffe  wird
voraussichtlich  das  Ziel  nicht  zu  erreichen  sein.  Von  Fall  zu  Fall  wird
entschieden  werden  müssen.  Ueber  die  Leitsätze,  die  für  diese  Entscheidung
maßgebend  sein  sollen,  finden  jetzt  Verhandlungen  mit  dem  Reichsamt  des
Innern  statt.  Mit  der  Verkürzung  der  Meisterkurse  wird  jetzt  in  Breslau
ein  Versuch  gemacht.  Man  darf  aber  nicht  übersehen,  daß  für  das  Handwerk
  im  allgemeinen  nur  die  kleinen  Meisterkurse  in  Frage  kommen.  Bezüglich
  der  Bäckereiverordnung  könnte  ich  nachweisen,  daß  nachsichtig  bei
Durchführung  der  Bäckereiverordnung  verfahren  ist.  In  zweifelhaften
Fällen  prüft  eine  Kommission,  der  Bäckermeister  angehören,  die  Bäckereien.
Daß  aber  die  Verordnung  nur  auf  Neubauten  Anwendung  finden  soll,
geht  nicht  an.  Es  haben  doch  in  den  Kellerbäckereien  auch  mitunter  sehr
merkwürdige  Zustände  geherrscht.  Aber  ich  spreche  nicht  gern  darüber.
Rigoros  ist  die  Bäckereiverordnung  nicht  gehandhabt  worden,  den  Vorwurf
  muß  ich  zurückweisen.  Ich  will  auch  daran  erinnern,  daß  schon
Versammlungen  von  Bäckergesellen  stattgesunden  haben,  in  denen  wir
besenen  worden  sind,  die  Bäckereiverordnung  nicht  zu  nachsichtig  auszuführen.


Abg.  Korfanty  (P.)  fordert  Verbesserung  der  Transportwege,  insbesondere
  den  Ausbau  der  Wasserstraßen  im  Osten.  Die  Oderregulierung
sei  dringend  notwendig.  Die  Polenpolitik  hat  dazu  geführt,  daß  die  deutschen
Waren  in  Russisch-Polen  boykottiert  werden;  an  Stelle  der  deutschen  Warenbezeichnungen
  werden  dort  jetzt  englische  gewählt.  Unter  der  Polenpolitik
leidet  die  deutsche  Industrie,  das  deutsche  Handwerk  und  der  deutsche  Kaufmann,
  namentlich  in  den  Grenzbezirken.  Dieselbe  Polenpolitik,  die  das
Deutschtum  stützen  soll,  untergräbt  damit  die  Existenz  vieler  deutschen  Gewerbetreibenden.


7.  März.  Der  Bundesrat  stimmt  dem  Entwurf  einer  Reichsversicherungsordnung
  zu.

7.  März.  (Wilhelmshaven.)  Bei  der  Vereidigung  der
Marinerekruten  hält  der  Kaiser  eine  kurze  Ansprache  mit  einer  Ermahnung
  zur  Treue  und  guten  Führung  im  Auslande.

8.  März.  (Preußisches  Abgeordnetenhaus.)  Die  Wahlkommission
  läßt  ihren  Bericht  an  die  Abgeordneten  verteilen.