190 Sachsen während des Befreiungskriegs von 1813.
Prag die Würfel gefallen. Dank Napoleons eigener verblendeter
Hartnäckigkeit blieb Deutschland die Schmach eines Friedens
erspart, wie Metternich ihn wünschte und wie er auch dem
dresdner Cabinet willkommen gewesen wäre, der mehr als die
Hälfte von Deutschland unter der Herrschaft oder der Hegemonie
Frankreichs gelassen hätte; Sachsen aber sollte statt der geträumten
Vergrößerung nicht bloß auf seinen Fluren den Schlag
fallen sehen, ver Napoleons Macht zertrümmerte, sondern auch
aus dem großen Zusammensturz nur mühsam und theilweise
die eigene Existenz retten.
Durch Osterreichs Beitritt zu seinen Feinden verlor Napoleons
Stellung an der Oberelbe viel von ihrem Werth, da
sie von Böhmen aus in der Richtung auf Leipzig leicht zu
umgehen war; dennoch dachte er nicht daran dieselbe ohne die
äußerste Nöthigung zu verlassen. Auf dem linken Elbufer, von
Dresden aufwärts bis Königstein, bewachte St. Cyr, auf dem
rechten bei Stolpen, Rumburg und Bautzen Vandamme, endlich
bei Zittau Poniatowski die Pforten des böhmischssächsischen
Grenzgebirges, in Schlesien standen gegen Blücher Macdonald,
Lauriston, Ney und Marmont, weiter zurück in der Lausitz die
Garde und die drei Reserve-Reitercorps, gegen die Nordarmee
und Berlin Oudinot, Bertrand und Reynier, in Leipzig, wo
man verschiedene Vorsichtsmaßregeln gegen herumschweifende
Freicorps traf, als Rückhalt das Reitercorps des Herzogs von
Padua.
In Erwartung kriegerischer Störungen war Napoleons
Namenstag bereits am 10ten mit dem üblichen Pompe im
voraus begangen worden. Am 15ten, dem eigentlichen Napoleonstage,
war alles zum Aufbruch bereit. Sobald Narbonne
die letzte Entscheidung aus Prag brachte, brach er sogleich auf;
abends 9 Uhr besichtigte er beim Schein der Wachtfeuer die
Befestigungen am Lilienstein, dann eilte er in der Nacht über
Stolpen und Bischofswerda nach Bautzen, von dort am 17ten
abends weiter nach Reichenbach und Görlitz. Zweifelhaft, ob
der Hauptangriff seiner Gegner aus Schlesien oder von Böhmen
her über Zittau erfolgen werde, auch von dem Gedanken einer