226 Oberpfalz u. Regensburg.
So sprach einmal der Herr bei einem Bauern zu, der ihm gastliche
Herberg bot. Als des anderen Morgens, da es noch kaum tagte, der Bauer
zum Dreschen sich anschickte, fragte ihn Christus, ob die Ernte gut ausge—
fallen sei. „Wohl,“ entgegnete jener, „wenn nur auch das Getreide schon gedroschen
wäre.“ Da leuchtete der Herr mit dem Lichte an den Getreidehaufen,
und die Körner fielen alle heraus, also daß es des Dreschens nicht mehr bedurfte.
— Ein ander Mal wanderte Christus den Steig entlang, welcher von
Eusdorf nach Tannheim führt. Da traf er eine grasende Dirne und fragte
sie, ob es heuer viel Gras gebe. Die Dirne hinwider fluchte, daß es nicht
regne und fügte bei: „Wenn nur der Teufel einmal regnen ließe!“ Drauf
ging der Herr des Weges weiter und begegnete einer andern Magd, welche
er mit denselben, Worten anredete. Diese erwiderte: „Wenn nur unser Herrgott
einmal einen Regen schickte!“ Da fiel sofort Regen auf ihre Wiese;
die fluchende Dirne cdber ward in Stein verwandelt, der dort noch zu sehen
ist. Das Volk nennt ihn die Grasmagd. — Wieder einmal hielt Christus
Einkehr bei einem Bauernweibe. Des anderen Morgens, als er von dannen
ging, verhieß er der Frau zum Danke für die freundliche Nachtherberge ein
sonderliches Glück bei der ersten Arbeit, die sie unternehmen werde. Als nun
gleich darauf das Weib die auf der Bileiche liegende Leinwand abmessen
wollte, nahm diese kein Ende und wurde erst alle, als es um eines anderen
Geschäftes willen die Elle weglegen mußte.
Die Sage gibt — wie bereits angedeutet — Christo auf seinen Pilgerfahrten
beinahe durchweg den Apostel Petrus zum Geleitsmanne. Auch Das
klingt an alte germanische Götterlehre an. Es ist, wie J. Grimm (Deutsche
Mythologie I. S. 137) bemerkt, eine christliche Einkleidung der Mythe von
Odhin, der im Geleite Hönirs mit den Menschen verkehrt, in deren Hütten
er jezuweilen zuspricht, — von den Wanderungen Wuotans „duce Mercurio“.
Gegenüber dem Göttlichen repräsentirt Petrus das Menschliche, Unreife, leicht
Erregbare, Vorlaute, zu Mitleid und Verdammung gleich schnell Bereite; er
entgeht darum häufig nicht der Zurechtweisung durch seinen Herrn und Meister,
und muß sich wohl ab und zu auch den Spott gefallen lassen. So
äußerte einst St. Petrus den Wunsch, er möchte auch einmal Herrgott
sein, und Christus gewährte es ihm. Als sie nun zunächst an ein Dorf kamen,
wo eben Kirchweih war, sahen sie, wie der Gaisbube just von der Heerde
davon lief. Erzürnt rief ihm Petrus nach: „Warum laufst du davon? Wer
soll denn die Gaissen hüten?“ „Meinethalben unser Herrgott!“ erwiderte der
Bube. Da mußte Petrus, weil er eben Herrgott war, für ihn die Gaissen
hüten. — Ein ander Mal war der Herr mit St. Petrus in einem Bauernhause,
als eben die Bäuerin beschäftigt war, Kücheln zu backen. Eine Schüssel
voll stund schon am Tische bereit und erregte die Begierde des Jüngers. Also
wartete er ab, bis er allein war, nahm dann etliche davon heimlich aus der
Schüssel und verbarg sie — heiß wie sie waren — in seinem Hute. Da er