Contents : Europäischer Geschichtskalender. Achtzehnter Jahrgang. 1877. (18)

144  Hos  beulsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Sept.  20—26.)

20.  September.  (Deutsches  Reich.)  Der  Präsident  des  Neichskanzleramtes,
  v.  Hofmann,  eröffnet  die  von  der  Reichsregierung  einberufene
  Reichscommission  für  Seeschifffahrt  mit  einer  Ansprache,  in
der  er  den  Absichten  der  Reichsregierung  bei  der  Berufung  der  Commission
  Ausdruck  gibt  und  die  Hoffnung  auf  ein  für  die  Interessen
der  Seeschifffahrt  gedeihliches  Zusammenwirken  der  Commission  mit
dem  Reichskanzleramt  ausspricht.

20.  September.  (Deutsches  Reich.)  Die  von  Moltke  im
Reichstage  zur  Sprache  gebrachte  Verstärkung  der  Garnison  in  Metz,
gegenüber  der  auffallenden  Vermehrung  der  französischen  Besatzungen
in  den  östlichen  Departements,  ist  nunmehr  Thatsache  geworden.

20.  September.  (Preußen.)  Der  durch  den  kirchlichen  Gerichtshof
  seines  Amtes  entsetzte  Bischof  von  Paderborn  veröffentlicht
eine  Flugschrift  unter  dem  Titel:  „Nicht  Revision,  sondern  Aufhebung
der  Maigesetze“.  Die  offiz.  Prov.-Corr.  erklärt  die  Auffassung  der
Ultramontanen  von  einer  angeblich  veränderten  Stimmung  der  entscheidenden
  Factoren  bez.  der  Maigesetze  für  eine  Selbsttäuschung:
von  einer  Aufhebung  der  Maigesetze  sei  gar  keine  Rede,  von  einer
Revision  derselben  nur  unter  der  Bedingung  einer  pringipiellen  Unterwerfung
  unter  die  Staategesetze  Seitens  der  Ultramontanen.

22.  September.  (Deutsches  Neich.)  Der  Kaiser  ernennt  den
Großherzog  von  Baden  zum  General--Inspector  der  neugebildeten
5.  Armeeinspection  (Baden  und  Elfaß-Lothringen).

Die  Ernennung  regelt  und  vereinfacht  die  Stellung  des  Hroßberkogs
zu  seinen  eigenen,  den  badischen,  Truppen  in  willkommener  Weise.
lich  ist  die  badische  Armee  als  14.  Armeecorps  nach  der  iee
vom  25.  Nov.  1870  ein  integrirender  Bestandtheil  der  preußischen  Armee,  in
der  Art,  daß  der  König  von  Preußen  alle  Rechten  und  Pflichten  des  Contingents-
  und  Kriegsherrn  überommen  hat.  Commandirender  des  14.  Armeecorps
  und  somit  der  badischen  Truppen  ist  zur  Zeit  General  v.  Werder;  der
Großherzog  stand  als  „kgl.  preußischer  General  der  Kavalerie“  mit  dem  kgl.
preußischen  General  der  Infanterie“  v.  Werder  zwar  auf  gleicher  e  e.
war  aber  in  keiner  militärisch  besinirbaren  Beziehung  zu  den  ruppenk“#  bes
eigenen  Landes.  Durch  die  Bildung  der  5.  bngst  #n  ist  dieses  Mißverhältniß,
  das  auch  in  gen  nationalen  Kreisen  des  badischen  Landes  böses
Blut  gemacht  hatte,  beseitigt,  Großherzog  Friedrich  ist  als  Generalinspector
des  14.  und  15.  Armeecorps  zugleich  Vorgesetzter  der  Generale  v.  Werder
und  v.  Fransecky  geworden.

26.  Sepiember.  (Deutsches  Reich.)  Der  Präsident  der  italienischen
  II.  Kammer,  Crispi,  besucht  Berlin.  Derselbe  ist  entschieden
deutschfreundlich  gesinnt  und  seine  Anwesenheit  gibt  daher  den  politischen
  Kreisen  der  Hauptstadt  Gelegenheit,  den  lebhaften  Sympathien
für  Italien  und  der  Genugthuung  über  die  herzlichen  Beziehungen