Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuss Jüngerer Linie. Sechsundwanzigster Band. 1907-1909. (26)

Schlacht  bei  Kolin.  Beschießung  Zittan's.  483

bindung  der  Lausitz  mit  Polen  auch  noch  für  einen  sächsischen
Prinzen  gegen  überlassung  Kurlands  an  Rußland  das  Königreich
  Preußen,  ohne  zu  überlegen,  wie  wenig  solche  Chimären
den  Absichten  der  Höfe  von  Versailles,  Wien  und  Petersburg
entsprachen  ).  Aber  in  Wirklichkeit  kam  es  ganz  anders.
Allerdings  mußte  Friedrich,  durch  die  Niederlage  bei  Kolin  auf
die  Defensive  zurückgeworfen,  die  Belagerung  von  Prag  aufgeben;
  da  er  aber  sich  wenigstens  so  lange  wie  möglich  im
nördlichen  Böhmen  zu  halten  wünschte,  so  befahl  er  seinem
Bruder,  dem  Prinzen  von  Preußen,  sich  um  jeden  Preis  beie
Jungbunzlau  zu  behaupten.  Als  sich  jedoch  die  Osterreicher
durch  ein  Gefecht  bei  Gabel  den  Weg  nach  Zittau  öffneten,  woa
sich  große  preußische  Magazine  befanden,  trat  der  entmuthigte
Prinz  in  Unordnung  und  mit  großen  Verlusten  den  Rückzug
durch  das  Gebirge  über  RNumburg  an  und  nöthigte  dadurchauch
  den  König  von  Leitmeritz  nach  Sachsen  zurückzugehen.  Am
20.  Juli  stand  die  ganze  österreichische  Armee  unter  Prinz
Karl  und  Daun  vor  Zittau,  dessen  Kommandant,  General
Schmettau,  zwar  die  Aufforderung  zur  Ubergabe  zurückwies,
aber  doch  mit  dem  größten  Theile  der  Besatzung  die  Stadt
räumte,  in  der  nur  der  Oberst  Dierecke  mit  fünf  Bataillonen
zurückblieb  um  womöglich  noch  den  Inhalt  der  Magazine  zu
retten.  Hierauf  begannen  die  Osterreicher  am  nächsten  Vormittag
  die  Stadt  mit  glühenden  Kugeln  zu  beschießen,  eine  um
Schonung  bittende  Deputation  der  Bürgerschaft  wurde  von
ihren  Heerführern,  bei  denen  sich  die  sächsischen  Prinzen  Taver
und  Karl  befanden,  mit  Härte  zurückgewiesen.  Im  Begriff
Zittau  zu  räumen  gerieth  Dierecke  dadurch,  daß  ein  sächsisches
Bataillon  den  Osterreichern  ein  Thor  öffnete,  in  Gefangenschaft,
seine  kleine  Schar  brach  glücklich  zum  Heere  des  Prinzen  durch.
Sechzig  Häuser  der  fleißigen  Mannfacturstadt  lagen  in  Asche,
470  Bürger  hatten  zwischen  den  Trümmern  ihren  Tod  gesunden;
den  Schaden  schlutz  man  auf  10  Millionen  Thaler  an.  So

1)  Stuhr,  Forschungen  Über  einige  Hauptpunkte  der  Geschichte  des
siebenjährigen  Kriegs  (1842)  I.  295.  300.
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