einen Augenblick unverwandt an; dann legte er ihn bequem mit dem
Kopfe auf das Gras.
„Armer Knabe!“ wiederholte traurig der Offizier. — „Armer
braver Knabel“
Dann breitete er eine Fahne wie ein Leichentuch über den
kleinen Toten aus, aber das Gesicht ließ er unbedeckt.
Sie schwiegen einen Augenblick; dann wandte sich der Offizier
an den Wachtmeister und sagte: „Wir werden ihn durch die Krankenträger
holen lassen, er ist als Soldat gestorben, Soldaten werden
ihn begraben.“ Dann schwangen sich alle in den Sattel und setzten
den Weg fort.
Und wenige Stunden nachher empfing der kleine Held seine
kriegerischen Ehren.
1 74. Siegfrieds Schwert. Von Ludwig Uhland.
Cung Siegfried war ein stolzer Knab',
# ging von des Vaters Burg herab,
2. wollt’ rasten nicht in Vaters Haus,
wollt’' wandern in alle Welt hinaus.
3. Begegnet’' ihm manch Ritter wert
mit festem Schild und breitem Schwert.
4. Siegfried nur einen Stecken trug;
das war ihm bitter und leid genug.
5. Und als er ging im finstern Wald,
kam er zu einer Schmiede bald.
6. Da sah er Eisen und Stahl genug;
ein lustig Feuer Flammen schlug.
7. „O Meister, liebster Meister mein,
laß du mich deinen Gesellen sein,
8. und lehr du mich mit Fleiß und Acht,
wie man die guten Schwerter macht!“
9. Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt,
er schlug den Amboß in den Grund.
10. Er schlug, daß weit der Wald erklang
und alles Eisen in Stücke sprang.
11. Und von der letzten Eisenstang'
macht' er ein Schwert so breit und lang.
Lesebuch für Mittelklassen. D. 12