228 Drittes Buch. An der Wende der Zeiten.
größere Rechte erstreben werde, und empfahl als Reichsstände
die entsprechend zu verstärkenden Vereinigten Ausschüsse zu
konstitnieren. Aber sie verwarf auch den Herrenstand, das
reichsständische Bewilligungsrecht, den ständischen Ausschuß und
die Entfernung der Versammlung aus der Hauptstadt. Was
blieb da von des Königs Entwurf noch übrig?
Nach neuen Verhandlungen fand endlich am 11. März 1816
eine gemeinsame Sitzung der Kommission und des Staatsministeriums
statt, welcher der an des letzteren Spitze stehende
Prinz von Preußen präsidierte. Er war ein Gegner der Verfassungspläne
seines Bruders. Schon im Januar 1845 hatte
er seine Bedenken freimütig dargelegt. Der König, dadurch
sehr verstimmt, fürchtete, er werde auf Grund von des Vaters
letztem Willen (S. 196) eine förmliche Rechtsverwahrung einlegen,
und ließ vorbeugend die Unzulässigkeit einer solchen
juristisch erweisen. An den folgenden Beratungen hatte der
Prinz nicht teilgenommen, jedoch im November dem Könige
Modifikationen seiner Pläne vorgeschlagen, um jede Minderung
der königlichen Macht abzuwenden. Anders jedoch als sein
königlicher Bruder ließ er sich belehren. Als am 11. März 1846
die von ihm gestellte Frage, ob eine ständische Zentralverwaltung
notwendig sei, alle Stimmen bis auf zwei bejahten,
erklärte er, die ihm bisher nicht völlig klar gewordene Notwendigkeit
nun auch anzuerkennen. Auch sonst wurde des Königs
Entwurf angenommen, von den meisten freilich nur, weil
Widerstand gegen den Willen des absoluten Königs hier vollends
aussichtslos war. Nach Schluß der Beratungen, Mitte Dezember,
machte der Prinz, der sich durchweg in der Minderheit befunden
hatte, seine Bedenken nochmals geltend. Er verlangte ausdrückliche
Anerkennung des Rechts des Königs, den Vereinigten
Landtag aufzulösen, und Schaffung eines Oberhauses. Auch
von dem Stenerbewilligungs= und dem Petitionsrecht besorgte
er Schwierigkeiten, namentlich wenn sie militärische Dinge beträfen,
und empfahl wiederholt die Befragung der Agnaten.
Jedenfalls hielt er seinen Bruder für die Ueberleitung in den
neuen Zustand nicht für geeignet und hätte es am liebsten
gesehen, wenn dieser die Verfassung zwar fertiggestellt, die