Rede bei der Uebernahme des Reichsamts
des Innern,
echalten im Reichstag am 24. Maı 1916.
Meine Herren, ich habe heute zum ersten Mal die Ehre, in
meinem neuen Amte vor Ihnen zu erscheinen. Ich darf Sie deshalb
bitten, mir für einige Worte Gehör zu schenken.
Das hohe Haus hat bereits vor einigen Tagen durch seine
Wortführer die hohe Wertschätzung und Dankbarkeit bekundet,
die der Reichstag und die das deutsche Volk meinem hochverehrten
Herrn Amtsvorgänger zollt. Der scheidende Staatssekretär
hat mich beauftragt, Ihnen für diese Bekundung seinen herzlichsten
und aufrichtigsten Dank auszusprechen.
Meine Herren, ich brauche nicht hinzufügen, wie hoch die
verbündeten Regierungen die Verdienste meines Herrn Amtsvorgängers
einschätzen, und wie hoch ich selbst die Verdienste
des Herrn Staatssekretärs Dr. v. Delbrück stelle. Nur wer in der
Kriegszeit ununterbrochen und unmittelbar in fortgesetzter Verbindung
mit dem Staatssekretär Dr. v. Delbrück gestanden hat,
kennt das volle Mass der Kriegsverdienste, die Exzellenz Delbrück
den grossen historischen Verdiensten seiner Friedensarbeit hinzugefügt
hat. Was Delbrück unter Einsetzung seiner vollen Kraft
und Gesundheit, unter Aufopferung seiner ganzen Person im Kriege
geleistet und geschaffen hat, dafür fehlt denjenigen, die nicht ganz
nahe bei den Dingen stehen, heute noch der richtige Massstab.
Die Wenigsten in unserem Volke haben heute noch eine volle Vorstellung
von den gewaltigen Schwierigkeiten aller Art, die zu
überwinden, die zu bemeistern waren, um das wirtschaftliche Durchhalten
in diesem Kriege zu sichern. Die Sorge des Tages, die
überall drückt, verdunkelt vielfach das, was erreicht worden ist.