Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1871. (48)

Zrrz  L.

 

———
Rosenheim,  19.  Febr.

uno  dem  Felde  der  Ehre  Shollen:
Peter  Staller,  Kaufmann  aus  Mühldorf,  Ers.
Res.  im  16.  —  enf.l  Rgt.:  Andreas  Weichselgratner,
  Bauerssohn  von  Perlesham,  Pfarrei
Oberbergkirchen,  Soldat  im  16.  Res.-Juf.-Agt.

Unsere  Toten.  Nach  einer  vom  Ersatz-Bataillon
  des  10.  Res.-Inf.  Reg.  in  Ingolstadt
hieber  gelangten  Meldung  ist,  wie  bereits  berichtet,
  der  Bürstenmacher  Johann  Wagner  am
4.  Februar  in  Nordframrreich  den  Tod  fürs
Vaterland  gestorben.  Wagner  stammte  aus  Nosenheim,
  stand  als  Kriegsfreiwilliger  im  Feld
und  war  noch  nicht  ganz  18  Jahre  alt.  Er
erlag  einem  Kopfsschuß.  Dem  Tapferen  wird
ein  ehrendes  Andenken  k#wahrt  bleiben.

Das  Eiserne  Kreuz.  Mit  dem  Eisernen
Kreuz  wurden  lerner  ausgezeichnet:  Unteroffizier
  Jakob  Strasser,  Sohn  der  Bahnbedienstetenwitwe
  Kathi  Strasser  in  Rosenheim,
Geschütführer  im  1.  Res.-Fuß-Art.-Rgt.;  Georg
  Ehegartner  aus  Mühldorf,  Neffe  des  Bür-Lermeisters
  ron  Mühldorf,  Res.  im  16.  Res.=Onf.-Rgt.


Militärdienstt.  Dem  Assistenzarzt  Dr.  K.
Feulner  der  Landwehr  1.  Aufgebots  (Rosenbeim)
  wurde  der  Abschied  bewilligt.  Der
Stabsarzt  der  Reserve  Dr.  Karl  Schöppner
(Rosenheim)  wurde  zum  Oberstabsarzt  befördert,
  die  Oberärzte  der  Reserve  Dr.  Franz
Harn  (Rosenheim)  und  Dr.  Otto  Erras  (Rosenkeim)
  wurden  zu  Stabsärzten  befördert.

Paßzwang.  Das  öfterreichisch-ungarische
Generaljonsulat  in  München  teilt  amtlich  mit:
Laut  Verfügung  der  K.  bayer.  Militärbehörden
  haben  3  alle  Ausländer  mit  gültigen  Ausweisdokumenten
  zu  versehen.  Als  solche  gelten
bei  Oesterreichern  und  Ungarn  einstweilen  nicht
nur  die  Reisepässe,  sondern  auch  Militärpapiere
und  amtliche  Arbeiterlegilimationen  und  speziell
  in  Niederbayern  auch  Heimatscheine.  Die
Distriltsverwaltungsbehörden  des  Wohnortes
sind  ermächtigt,  gültige  Reisepässe  mit  einer
amtlichen  Bescheinigung  über  die  Identilät
(Photogrorbie  und  Unterschrift)  zu  versehen.
Jur  Ausstellung  von  Reisepässen  an  Oesterreicher
  und  Ungarn  in  Bayern  sind  ausschließlich
  die  K.  u.  K.  Konsularbehörden  in  München
und  Nürnberg  berechtigt.  Reichsdeutsche,  die
nach  Oesterreich  oder  Ungarn  reisen  wollen,
ussen  ihre  Reisepässe  mit  dem  Visum  einer

K.  u.  K.  Vertretungsbehörde  versehen  lassen.
Es  ist  in  den  letzten  Tagen  eine  solche  Unmasse
von  Paßansuchen  eingelangt,  daß  eine  Verzögerung
  unvermeidlich  ist.

Der  Geldverkehr  auf  der  Feldpost.
  Im  Monat  Januar  1915  wurden  bei
den  bayerischen  Feldpostanstalten  nach  der  Heimat
  158  342  Postanweisungen  über  einen  Gesamtbetrag
  von  6  630  416  Mark  eingezahlt  und
3463  Stück  Geld=  und  Wertsendungen  im  Gesamtwertbetrag
  von  5  768  165  Mark  aufgeliefert;
  ferner  wurden  16246  Säcke  mit  Briefsendungen
  abgefertigt.  Während  des  gleichen  Zeitraumes
  sind  von  den  drei  bayerischen  Postsammels
  tellen  nach  dem  Felde  17900  Postanweisungen
  über  den  Gesamtbetrag  von  rund
996  000  Mark  und  71  265  Säcke  mit  Briefen,
Poltlarten  und  Päckchensendungen  abgefertigt
worden.  Die  Ziffer  der  Geldsendungen  in
die  Heimat  siellt  der  Sparsamleit  unserer  Truppen
  ein  glänzendes  Zeugnis  aus.

Verbot  des  Kraftfahrverkehrs.  IJnu
einer  neuen  Anordnung  des  stellvertretenden
Generalkommandos  des  1.  Armeekorps  ist  der
Verkehr  mit  Personenkraftsahrzeugen  jeder  Art
und  jeden  Betriebsmittelo  von  heute  ab  verboten
  worden.  Ausgenommen  sind  die  Kraftfahrzeuge
  der  Truppen  und  Militärbehörden,
der  Behörden  für  Dienstfahrten,  der  Sanitätskolonnen
  und  Feuerwehren,  der  Aerzie  und
Tierärzte  zur  Ausübung  des  Berufes  und  die
#eastuesähen  zu  Fahrten  innerhalb  des  Ortes.
  Die  Zahl  der  Kraftoroschten  darf  aber
in  den  einzelnen  Orten  zwei  Drittel  des  bisherigen
  Bestandes  nicht  übersteigen.  Personenkraftwagen
  dürfen  als  Lastkraftwagen  nicht  mehr
umgeschrieben  werden.  Sämtliche  Betriebsstoffe
und  sämtliches  Ersatzreisenmaterial  aller  Personenkraftfahrzeuge
  werden  beschlagnahmt.  Zuwiderhandlungen
  werden  mit  Gefängnis  bis  zu
einem  Jahr  bestraft.

Der  kath.  Frauenbund  veranstaltet  am
kommenden  Sonntag  eine  Versammlung,  in  welcher
  H.  H.  Pfarrer  Fischer  von  Prutting  über
„Verdienste  und  Aufgaben  der  Frauen  im  gegenwärtigen
  Krieg“  sprechen  wird.  Die  Versammlung
  findet  im  kath.  Gesellenhaus  statt
und  beginnt  nachmittags  4  Uhr.

Touringklub.  Bei  der  am  Donnerstag
im  Hotel  „Deutsches  Haus“  stattgefundenen  ordentlichen
  Generalversammlung  des  Deutschen
Touringklub  Sektion  Rosenheim,  wurden  nach
Erstattung  des  Jahresberichtes  durch  den  1.
Vorsitzenden  und  Entlastung  des  Kassiers  E
gende  Herren  einstimmig  wieder  gewählt:
Vorsitzender  Kgl.  Solloberkontrolleur  Karl  e  n.
Er*“  2.  —  Fabrikbesitzer  Beppo  Hu-Beisitzer

  Apothekenbesitzer  Marx  Rieder,

Szeir#s  rer  Drogetiebesihet  Franz  m-Kassier
  Prokurist  Jolef  Degen.  Dem  Jahres
berichte  war  zu  entnehmen,  daß  das  Geschaftejahr
  außerst  lebhaft  war;  es  meldeten  im

 

Laufe  des  Jahres  1914  acchtk  —  als  81
neue  Mitglieder  zur  Aufnahme.  Die  Haupttätigkeit
  der  Sektionsleitung  vbildele  die  Erledigung
  der  Vorarbeiten  zur  Erbauung  eines
Radfahrerweges  in  das  Inntal.  Für  1915
wurde  zu  diesem  Zweck  ein  Betrag  von  1000
Mark  genehmigt.

Das  Valerunser  im  Welkkrieg.

Hirtenbrief  des  Bischofs  Faulhaber-Speyer.
III.

 

VBater  unser,  Dein  Wille  geschehe!

Die  „Weitneschich  te  steht  auf  der  ganzen  Linie
ihres  Verlaufs  unter  einem  sesten  einheitlichen
Oberkommando,  unter  dem  Willen  des  Allmächtigen.
  „Gott  wirkt  alles  nach  dem  Natschluß
  seines  Willens“  (Ephes.  1,  11).  Auch
wenn  die  Weltgeschichte  die  Bahn  der  friedlichen
  Entwickelung  verläßt,  und  auf  der  Windspur
  des  Krieges  einherschreitet,  auch  in  den
Tagen  eines  Weltkrieges  hat  Golt  die  Zügel
der  Weltregierung  nicht  aus  der  Hand  gegeben.
Sein  Wille  gechsieht,  und  schließlich  müssen  die
Taten  wie  die  Untaten  des  Krieges  den  heiligen
Absichten  seiner  Vorsehung  Vorspanndienste  leisten.
  Er  ist  der  Herr,  sagt  der  Prophet

(Is.  45,  6  f.),  der  nicht  bloß  das  Licht  und
#mn  Frieden,  der  auch  die  Finslternis  und  das
Kriegsübel  schickt.  Nur  diese  gottesgläubige  Auffassung
  der  Weltgeschichte  lann  sich  in  dem  Irrgarten
  eines  Weltkrieges  mit  seinen  vielver
schlungenen  Wegen  zurechtfinden,  ohne  irre  zu
laufen.  Mit  der  Erklärung  des  Unglaubens,
das  sei  alles  Gespinst  am  eisernen  Webstuh!
der  Geschichte,  kann  man  verzweifeln,  aber  nicht
leben.  dritte  Vaterunserbitte  löst  zum  großen
  Wr  die  Rätsel  des  Krieges,  nimmt  ihm
viel  ron  seinen  Schrecken,  indem  sie  die  Zukunft
mit  kindlichem  Glauben  in  Goties  Vaterhände
legt:  „Der  Vater  im  Himmel  wird  es  schon
recht  machen.  Der  Wächter  Joraels  wird  nicht
schlasen  und  nicht  schlummern  (Pr.  120,  4).
Er  spricht  sein  Fiat,  es  werde,  und  sein  Mille
geschieht.  Er  kann  auck  mit  Blitzen  Weltgeschichte
  schreiben“.  Mit  dem  Gebetswunsch  „Fiat.
Dein  Wille  geschehe  in  der  Weltgeschichte“  schrei.
ben  wir  so  zusagen  ein  vertrauensvoll  anbetendes
  Ja  und  Amen  unter  den  Weltplan  Gottes
und  sein  Walten  in  der  Weltgeschichte.

Dein  Wille  geschehe  auch  in  der  Heilsgeschichte!
  Der  Vater  im  Himmel  denkt  auch  im
Kriege  Gedanken  des  Friedens  (Jer.  29,  11).
auch  im  Unheil  Gedanken  des  Heils.  Unsere
Aufgabe  ist  es,  zu  erlennen,  was  uns  zum  Heile
dient,  und  dem  Heilsruf  Gottes  zu  folgen.  Der
Heilswille  Gottes  geschieht  nämlich  nicht  ohne
Zustimmung  und  Mitwirkung  unseres  freien
Willens.  Im  Dienste  des  göttlichen  Willens
sind  wir  kein  totes  Handwerkszeug  wie  das  Gewehr
  in  der  Hand  des  Soldaten,  wir  sind
freie  selbsttätige  Wesen  wie  der  Soldat  im
Dienste  seines  Königs.  Wir  sind  nicht  willenlose
  Sklaven,  wir  sind  willige  Kinder  des  himmlischen
  Vaters  und  sprechen  mit  dem  sungen
Tobi#as:  „Vater,  alles  was  Du  mir  aufgetragen
  haft.“  ill  ich  tun  '(Tob.  5,  1).  Noch
mehr:  Tein  Wille  gesthehe  wie  im  Himmel
also  auch  auf  Erden!  Die  Heerscharen  des  Himmels,
  die  Engellegionen,  vollziehen  den  Willen
Gottes  ohne  Widerrede  mit  seligem  Gehorsam.
ohne  Rüdzug,  ohne  Gehorsamspausen,  als  „lohende
  Feuerboten“  (Ps.  103,  4)  mit  der  Blitzesschnelle
  des  Funlentelegraphen.  So  freudig  und
so  treu  wie  im  Himmel,  im  Reiche  des  Friedens,
sollte  Gottes  Wille  auch  auf  Erden,  auf  dem
Kampsplatze  des  Krieges,  geschehen!

Die  dritte  Vaterunserbitle  ist  im  besonderen
eine  Trostbitte  für  die  eiotragenden  des  Krieges.
  Geliebte  Diözesanen!  Euer  Bischof  weim,
der  Krieg  hat  bereits  vielen  von  euch  schwere
Wunden  geschlagen  und  bitteres  Leid  gebracht.
Gottgesegnete  Bande  wurden  zerrissen,  glückliche
  Familien  haben  ihre  Söhne  verloren,  die
mit  ungezählten  Opfern  großgezogen  waren.
Wer  zählt  die  Vielen,  die  als  Irwaliden  in
die  Heimat  kommen,  und  „wer  gibt  meinen
Augen  eine  Tränenquelle,  um  Tag  und  Nacht
die  Erschlagenen  meines  Volkes  zu  beweinen“
(Jer.  9,  1).  Ein  morscher  Glaube  bricht  unter
solchen  Scklägen  zusammen  und  sieht  alle  Sterne
vom  Himmel  jallen.  Ein  Elaube  aber,
das  Vaterunser  betet,  richtet  sich  in  solchen
Stunden  an  der  dritten  Vaterunserbitte  empor:
„Vater  im  Himmel,  Dein  Wille  geschehe!  Vater,
  ich  weiß,  es  ist  Deine  Fügung.  Du  willft
Dein  Kind  prüfen  und  näher  an  Dich  ziehen.“
Nicht  der  Vater  muß  sich  nach  den  Münschen
des  Kindes  richten,  das  Kind  muß  seine  Wünsche
dem  Willen  des  Vaters  unterordnen.  Der  Vater
hat  trotz  unserer  Gebete  den  Kelch  an  uns
nicht  vorübergehen  lassen.  Müßte  Gott  in  gar
allen  unseren  Bitten  uns  zu  Diensten  sein  und
unser  Beten  immer  so  erhören,  wie  wir  meinen,
  und  uns  den  Willen  tun,  dann  wäre  er
ja  unser  Knecht  und  nicht  mehr  unser  Vater.
Fiat,  Dein  Wille  geschehe  auch  in  unserer  Lebensgeschichte!
  Christus  hat,  als  er  zum  erstenmal
  das  Vaterunser  vorbetete,  diese  Bitte
mit  dem  Fernblick  nach  dem  Kreuze  gesprochen.
Mit  jedem  Vaterunser  treten  wir  an  seine  Seite,
von  ihm  die  Kunst  des  Betens  und  des  Leidens
zu  lernen.

In  den  ersten  drei  Vaturunserbitten  haben
wir  drei  himmelhohe  Znteressen  Gottes,  die
Ehrung  seines  Namens,  die  Ausbreitung  seines

*

 

—

Reiches,  die  Erfüllung  seines  Willens,  zu  persönlichen
  Anliegen  unseres  Herzens  gemacht.

isan  Gott  unser  Vater  ist,  kann  es  uns,
seinen  Kindern,  nicht  gleichgultig  sein,  ob  der
Name  des  Vaters  in  Ehren  oder  in  Schanden
steht,  ob  das  Reich  des  Vaters  zu  uns  kommt
oder  ins  Gesicht  hinein  verabschiedet  wird,  ob
der  Wille  des  Vaters  einem  willigen  Ja  oder
einem  tr  igen  Nein  begegnet.  In  den  letzten
dier  Vaterunserbitten  steigen  wir  aus  dem  Himmel
  der  göttlichen  Inleressen  herab  in  die  Welt
der  Menschheitsinteressen,  in  die  tieferen  Sonen,
wo  der  Hunger  wohnt  und  die  Schuld  und  die
Versuchung  und  das  Uebel.  Wenn  Gott  unser
Vater  ist,  kann  cs  ihm  nicht  gleichgültig  sein,
ob  seine  Kinder  hungern  oder  Brot  zu  essen  haben,
  ob  sie  in  Schuld  oder  Unschuld  leben,  in
Versuchung  fallen  oder  stehen,  vom  Uebel  erdrückt
  oder  erlöst  sind.  Damit  bekannt  sich  das
Vaterunser  als  Geist  vom  Geiste  des  Gotlessohnes,
  weil  es  die  Anliegen  Gottes  an  die  erste
Stelle  setzt  und  nicht,  wie  vielfach  die  alttestamentlichen
  Gebete,  die  Bitte  um  das  tagliche
Brot  und  andere  irdische  Güter  voranstellt.  Auf
der  anderen  Seite  bekennt  sich  das  Vaterunser
aber  auch  als  Geist  vom  Geiste  des  Menschensohnes,
  weil  es  die  Anliegen  des  Menschenlebens,
die  Bitte  um  zeitliche  Güter,  um  Erlösung  von
irdischen  Uebeln  nicht  ganz  außer  acht  läßt.
Ein  tieser  Cinblick  in  die  Welt  der  sozialen
Fragen,  eine  ergreisende  Teilnahme  an  der
Hauptsorge  des  täglichen  Lebens  offenbart  sich
in  der  vierten  Bitte:

Vater  unser,
gib  uns  heute!

So  betet  die  Menschheit  Tag  für  Tag  vom
Kaiserschlosse  bis  zu  den  Hütten  der  Aermut
und  Tag  für  Tag  öffnet  der  Brotvater  im
Himmel  seine  Hannda  und  erfüllt  alle  Lebewesen
mit  seinem  Segen  (Pf.  164,  16).  Heute,  in  den
Tagen  des  Völlerkriegs,  hat  die  Brotbitte  im
Gebet  des  Herrn  eine  besondere  Note.  Von  seilen
  der  staatlichen!  Behörden  sind  in  bezug  auf
den  sparsamen  Verbrauch  von  Brotgetreide
während  der  Kriegszeit  tief  einschneidende  Rat
schläge  und  Verordnungen  ergangen.  Ich  ermahne
  euch,  meine  lieben  Diözesanen,  diese  notwendigen,
  wohlgemeinten  Maßnalmen  und
Vrotgesetze  im  Geiste  der  vierten  Vaterunserbitte
  mit  Vertrauen  entgegenzunehmen  und  in
jedem  Haushalt  ohne  Umruhe,  aber  auch  ohne
Leichtsinn  auszuführen.

Die  landwirtschaftlichen  Kreise  werden  nicht
so  unvernünftig  sein,  Brotgetreide  und  andere
Nahrungsmittel  aus  Angst  vor  einer  Hungersnot
  oder  gar  aus  geschäftlichen  Absichten  in
verkotener  Menge  zurückzuhalten.  Nicht  erst  der
deutsche  Bundesrat,  schon  der  biblische  Sinnspruchdichter
  hat  den  Wucher,  der  aus  der  Not
der  Zeit  Metall  schlagen  will,  ein  luchwürdiges
Verbrechen  am  deutschen  Volie  „genamt:  „Wer
Korn  zurückhält,  wird  vom  Volke  verflucht;
Segen  aber  kommt  auf  das  Hau#  t  derer,  die
es  zu  Marlt  bringen“  (Spr.  11,  26).

Die  einzelnen  Haushaltungen  werden  den
Mehlverbrauch,  im  besonderen  von  Weizenmehl.
haushälterisch  nach  den  staatlichen  Vorschriften
regeln  und  die  Jugend  strenge  anhalten.  auch
die  Ueberreste  von  Tisch  und  Kücke  in  irgend
einer  Weise  auszunützen  und  nicht  zu  verschleudern.
  Das  ist  nicht  erst  ein  Zeitgebot  von
heute,  das  ist  ein  Gottesgebot  aus  dem  beiligen
  Evangelium.  Bei  der  Brotvermehrung
in  der  Wüste  hat  Christus  dem  Volke  „Gerstenbrote“
  (Joh.  6,  9),  also  Kriegsbrot  von  der
mindesten  Mehlforte  gereicht,  und  als  sie  satt
geworden  waren,  „sprach  er  zu  seinen  Jüngern:
Sammelt  die  Brockenüberreste,  damit  sie  nicht
zugrunde  gehen“  (6,  12).  Und  sie  hoben  die
Brotreste  sorgsam  auf  hund  die  Ueberreste  von
den  Fischen“  (6,  13;  6,.  43).

Zeder  einzelne  soll  den  Iuear  zu  lieb
seine  persönliche  Kostordnung  einfacher  gestalten
  im  Essen  und  Trinken  allem  überflussigen
Lurus  entsagen  und  so  mit  einem  kleinen  tagtäglichen
  Opfer  dem  Opferleben  seines  Volkes
sich  anschließen.  Man  hat  dieses  Fastengebot
des  Krieges  eine  Schule  deutscher  Einfachheit,
heilsamer  Abhärtung  und  gesunder  Selbstbeherrschung
  genannt.  Gerade  jetzt  in  der  Fastenzeit
  dürfen  wir  aber  daran  erinnern,  daß  das
Fastengebot  der  Kirche,  besonders  der  Verzickt
auf  Fleischgenuß  an  den  Freitagen,  eine  gute
Vorschule  für  das  Fastengebot  des  Krieges  war.
Ihr  „habt  im  Frieden  ohne  wirtschaftliche  Not
die  Tugend  der  tsagung  geübt  und  werdet
jetzt  leicht  aus  der  Not  eine  Tugend  machen.

Am  kürzesten  sind  die  neuen  Brotgesetze  des
Krieges  in  der  alten  Vaterunserbitte  niedergelegt:
  Unser  tägliches  Brot  gib  uns  heute!
Wir  beten  da  um  einfaches  Brot,  nicht  um
Kuchen  aus  Feinmehl,  nicht  um  Leckerbissen  der
Gaumenlust.  Wir  beten  um  das  tägliche  Brot,
weil  wir  alle  das  Brot  miteinander  teilen  und
namentlich  für  die  vielen  Waisenkinder  Fürforge
tragen  sollen,  die  den  Vater  im  Krieg  verloren
  haben;  Kinder  sind  die  besonderen  Schütz-Iin
  e  des  Vaterunfer.  Wir  beten,  daß  Gott

eses  Brot  uns  gebe,  und  lernen“'  dadurch  in
die  Schule  der  vierten  Bitte  das  Brot  als  Got-#sesgabr
  wieder  schätzen  und  selbst  die  Brosamen
mit  Ehrfurcht  behandeln.  Die  neuen  Vorschriften
über  das  Kriegsbrot  sind  also  uschts  anderes
als  neue  Ausführungsbestimmungen  über  die
alte  Vaterunserbitte:  Unser  tägliches  Brot  gib
uns  heute!  iomsehung  wolgt.1

unser  tägliches  Brot

 

Samstag,  20.  Februar  1915

Aus  dem  Gerichtasanmr.
Bestrafung  entwichener  Kriegs-=gefangener.


Augsburg,  138.  Febr.  Die  französischen
Ariegegefangenen  Ernest  Bertran  und  Nicolas
Jaquet  hatten  sich  vor  dem  Militärgericht  in
Augsburg  wegen  Selbstbefreiung  zu  verantworten.
  Es  gelang  ihnen,  sich  von  der  Arbeilsstelle
  zu  entsernen  und  zu  entkommen.  Sie
solgten  dem  Lechufer  und  suchten  nach  Jostündigem
  Marsch  vor  einem  Schneesturm  Schutz  in
einer  Heuhütte.  Dort  wurden  sie  von  deren
Eigentümer  entdeckt.  Sie  folgten  ihm  willig.
nach  Nesselwang  und  wurden  dann  in  das  Gesangenenlager
  zurückgebracht.  Das  Kriegsgericht
  nahm  an,.  daß  die  Flucht  nicht  von  langer
Hand  vorbereitet  war  und  erkannte  auf  zwei

V#onate  Gefängnis.

 

Amfangreiche  Zollhinte  rziebungen.

Köln,  17.  Febr.  Der  Kaufmann  Adolf
Soutschka  aus  Köln  kaufte  in  Holland  18  5/  707
Kilo  300°0  hochprozentigen  Spiritus,  führte  ihn
durch  Fälsckung  der  Jolldeklarationen  als  vergällten
  Spiritus  nach  Deutschland  ein  und  übergab
  ihn  im  Düsseldorfer  Jollhafen  dem  freien
Verkehr.  Vergällter  Spiritus  ist  zollfrei,  echter
  Spiritus  trägt  einen  Eingangszoll  von  275
Mark  für  100  Kilo.  Das  Schwurgericht  in
Düsseldorf  verurteilte  nun  Soutschla  nack  viertägiger
  Verhandlung  wegen  Urlundenfälschung
zu  15  Monaten  Gefängnis  (wegen  Jollbenter-Reehung
  konnte  er  nicht  abgeurteilt  werden,  da
er  deshalb  seinerzeit  nicht  aus  Belgien  ausgelie
sert  morden  war)  und  den  mitbeteiligten  Jolldeklaranten
  Karl  Seifer  zu  15  Monaten  Gefängnis,
  60000  Mark  Geldstrase  und  34.000
Mark  Wertersan.

Markkberschie.

Rosenheim,  12.  Febrnar.  Viltualien
marktt.  Butler  1  Pfund  1,20  1,.,25  Mart;
Schmalz  1  Pfund  1,25  1,30  Mark;  Eier
(frisch)  12  13  Stück  1  Mar#:  Tauben  1  Stück
50  60  Ais.:  Huhn  (alt!  1  Stück  1,20  1.37)
Mark;  Orangen  4  5  Stück  20  Pfg.;  Jitsonen
4  5  Stück  20  Pfg.

Der  Welltkrieg.

Die  Kriegslage.

 

 

WIR.  Großes  Hauptquartier,  den
19.  Februar,  vormittags.  A##tlich.
L##ch#eller  egsichrauglazz.

An  der  Straße  Arras  Lille  sind  die  Fran

zosen  aus  dem  von  ihnen  am  16.  Februar
besetzten  Teile  unseres  Grabens  hinausgeworfen.

In  der  Champagne  gingen  die  Franzosen
erneut  zum  Teil  mit  starken  Massen  vor.  Ihr
Angriff  Prach  in  unserem  Feuer  vböllig  zusam
men.  100  Gefangene  blieben  in  unseren  Händen.
  Das  von  den  Franzosen  am  16.  Februar
erolerte  lurze  Grabenstück  wurde  von  uns  wie
der  gewonnen.

Bei  dem  gemeldeten  französischen  Angriff  bei
Bourenilles-Vauquois  machten  wir  fünf  Of
siziere  und  479  Mann  unverwundet  zu  (Ge#
jangenen.

Oestlich  Verdun  bei  Combres  wurden  die
Franzosen  nach  anfänglichen  Erfolgen  unter  sehr
schweren  Verlusten  zurückgeschlagen.

In  den
610  /  südlich
gewehre.

Vogesen  erstürmten  wir  die  Höhe
Lusse  und  eroberten  zwei  Maschinen

Oestlicher  Kriegsschauplatz.
Tauroggen  ist  gestern  von  uns  genommen.
Die  Verfolgungskämpse  nordwestlich  Grodno
und  nördlich  Suchawola  stehen  vor  ihrem  Ab
schluß.  Die  Kämpfe  nordwestlich  Kolno  dauern
noch  an.

Südlich  Myszyniec  warfen  wir  die  Nussen
aus  mehreren  Ortschaften.  In  Polen  nördlict.
der  Weichsel  fanden  links  der  Wkra  östlich  Racionz
  Ueinere  Zusammenstöße  statt.  Aus  Polen
  südlich  der  Weicksel  nichts  Neues.

1  Oberste  Heeresleitung.
Noch  ein  Luftschiff  verloren.

Berlin,  19.  Febr.  In  dem  schweren  Südsturm,
  dem  am  17.  Februar  das  Luftschiff
L.  III  zum  Opfer  fiel,  ist  auch,  wie  das  W.
erfährt,  I.  IV  verloren  gegangen.  Es  ist  wegen
Maschinendesekt  bei  Blaavands-Huk  in  Däne,
mark  gestrandet  und  später  nach  der  Oee  abgetrieben.
  Von  der  Besatzung  wurd  -n  11  Mann
gerettet,  darunter  der  Kommandant.  Vier
Mann  werden  vermißt.  Die  Geretteten  sind  in
Baarde  untergebracht.