Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Vierter Band. (4)

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Die  kontagiösen  Augenkrankheiten,  welche  in  einer  Nummer  des  Schemas
ohne  besondere  Trennung  der  einzelnen  Formen  zusammengefaßt  sind,  bildeten  nur  1,2  0
aller  Anstaltsfälle  und  5,8  %  aller  in  allgemeinen  Krankenhäusern  behandelten  Augenleiden,
während  in  den  eigentlichen  Augenheilanstalten  die  „Erkrankungen  der  Bindehaut“,  welche
bekanntlich  größtentheils  kontagiöser  Natur  sind,  12,7%  aller  dort  verpflegten  Fälle  ausmachten.
  Es  müssen  übrigens  die  bösartigen  Formen  der  ansteckenden  Bindehautkrankheiten
(Diphtherie  der  Conjunctiva  2rc.)  in  den  allgemeinen  Krankenhäusern  nicht  ganz  selten  gewesen
sein,  da  immerhin  18  Fälle  tödlich  verliefen.

Im  Vergleich  mit  den  Augenleiden  überhaupt  waren  nach  der  vorstehenden  Uebersicht
die  ansteckenden  Augenkrankheiten  ebenfalls  in  Ost=  und  Westpreußen,  Posen  und  Bremen,
Berlin,  Hessen  und  den  Reichslanden  stark,  dagegen  in  Baden,  Oldenburg,  Hannover,
Hessen-Nassau,  Westfalen  und  der  Rheinprovinz  nur  mäßig  verbreitet.  In  Pommern,
Mecklenburg-Schwerin,  Lübeck,  Hamburg  und  Braunschweig  litten  von  einer  vergleichsweise
geringen  Anzahl  Augenkranker  ziemlich  viele  an  der  kontagiösen  Form.

Auf  die  allgemeinen  Heilanstalten  mit  privatem  Charakter  kamen  34,7  %  der
behandelten  Augenkranken.

VI.  Krankheiten  der  Athmungsorgane  (Tab.  n  und  0).

Die  in  dieser  Gruppe  zusammengefaßten  Kranheiten  —  Erkrankungen  der  Luftwege
und  Lungen,  Brustfellentzündung  und  Kropf  —  gaben  während  der  Berichtszeit  im  Ganzen
weit  weniger  häufig  wie  früher  zur  Anstaltsbehandlung  Anlaß,  ein  Umstand,  der  hauptsächlich
  auf  die  Abnahme  der  Lungenschwindsucht  in  den  allgemeinen  Krankenhäusern  zurückzuführen
  ist  (vergl.  S.  195).  Von  je  100  überhaupt  in  Zugang  gelangten  Krankheitsfällen
betrafen  nämlich  Erkrankungen  der  Respirationsorgane  im  Jahresdurchschnitt:

1883—1885  136
1889—18941  1334
1892—189944  118.

Von  den  307  002  neu  aufgenommenen  Kranken  dieser  Art  gehörten  nur  87  588  =  28,5%
dem  weiblichen  Geschlechte  an.

Krankheiten  der  Nasenhöhle  und  ihrer  Umgebung  waren  wie  die  vielfach  mit
ihnen  in  Zusammenhang  stehenden  Erkrankungen  des  inneren  Ohres,  der  Mandeln  und
des  Rachens  (s.  S.  201  u.  206)  in  der  Provinz  Sachsen  auffallend  häufig  (574  von
zusammen  7  366  Fällen).

Bronchialkatarrh  war  nach  der  Anstaltsstatistik  am  stärksten  im  Süden,  Osten  und
einem  Theile  des  Westens  verbreitet,  viel  weniger  in  den  Küstengebieten  der  Nordsee  und
in  Thüringen  (vergl.  letzte  Spalte  der  Tabelle  n).

Im  Ganzen  war  der  Bronchialkatarrh  bei  103  030  (im  vorigen  Berichtszeitraum
bei  96  553)  Personen  Gegenstand  der  Anstaltsbehandlung;  nicht  ganz  der  dritte  Theil  der
Kranken  litt  an  der  chronischen  Form.  Bei  der  letzteren  starben  7/,  bei  dem  akuten
Bronchialkatarrh  2,1  %%  der  Behandelten.

Lungenschwindsucht  und  Kroup  wurden  schon  früher  (auf  S.  194  und  182)  in
Verbindung  mit  der  Tuberkulose  bezw.  der  Diphtherie  besprochen.

Lungen=  und  Brustfellentzündung  sind  von  Jahr  zu  Jahr  seltener  in  der  Kranken-