Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Nummer  28

Die  Ausfährungen  des  Regierungsrates  wurden
  mit  lebhaftem  Beifall  ausgenommen.  Die
weiteren  Redner  sprachen  sich  meist  im  Sinne
des  Vertreters  der  Staatsregierung  aus.  Ein
Ausschuß  wird  die  Angelegenheit  weiter  verfolgen.


Dem  Rechenschaftsbericht  ist  zu  entnemen,
daß  im  atgelaufenen  Jahre  dem  Verdande
124  Kranlenkassen  angesch  ossen  waren,  ungesoöhr
  die  Hälfte  aller  in  Bayern  bestehenden

Krankenkassen.

Ueber  das  Thema  tzne  dersozaung  sprach
Apotheker  Eisele-Passau,  der  u.  a.  für  Bayern
  eine  einheitliche  Handverkaufstaxe  forderte
und  Vorschläge  machte,  die  Arzneirechnungen
und  die  ärztlichen  Verordnungen  durch  Sachverständige
  prüfen  zu  lassen,  um  den  Kassen
jene  Ausgaben  zu  sparen,  die  nicht  im  Interesse
  der  Kassenmitglieder  liegen.  Auch  hieran
lnüpfte  sich  eine  längere  Erörterung,  in  der
u.  a.  verlangt  wurde,  daß  die  Aerzte  die  viel
zu  teueren  Spczial=  und  Rellameartikel  nicht
verordnen  sollen.

Berschiedene  Nachrichten.

St.  Denis,  2.  Febr.  Der  Schnellzug  von
Calais  ist  auf  dem  hiesigen  Bahnhof  entgleist.
Mehrere  Wagen  sind  verbrannt.  Die  Zahl
der  Verunglückten  beträgt  10  Tote  und  15  Verletzte.
  Die  Lokomotive  stürzte  nach  links  um,
der  Tender  und  der  Packwagen  schoben  sich  ineinander.
  Der  ihnen  folgende  Wagen  erster
Klasse  wurde  zerdrückt  ein  Wagen  zweiter  und
drei  Wagen  dritter  Klasse  stürzten  gleichfalls
nach  links  um.  die  drei  Schlußwagen  nach  rechts.
Sie  bilden  einen  unentwirrbaren  Haufen  von
Eisenteilen.  Fast  augenklicklich  fingen  die  Gasbehälter
  Feuer  und  binnen  lurzem  brannten
alle  gen.

bas  elend  der  otennoanc#e  in
I.—————

Unter  den  vielfachen  Schäden,  denen  Italien
durch  den  Verrat  an  seinen  ehemaligen  Verbündeten
  ausgesetzt  ist,  dart  man  getrost  den  fast
gänzlichen  Wegfall  der  Fremdenindustrie  als  einen
  der  nicht  unerbe  blichsten  ansprechen.  Das
Gebiet  unt  Venedig  wie  auch  weitausgedehnte
Strecken  in  der  Lombardei  sind  militärisch  gesperrt
  und  wären  sie  es  nicht,  so  wäre  wohl
auch  dann  der  Wunsch  der  Reisenden,  sich  gerade
  jetzt  in  jene  Gegenden  zu  begeben,  nicht
allzu  groß.

Die  Fremdenindustrie  Italiens  ist  tot,  und
was  das  besagen  will,  vermag  man  erft  so  recht
zu  ermessen,  wenn  man  sich  vor  Augen  hält,
daß  nach  italienischen  Berechnungen  jährlich  allein
  etwa  900  000  Vergnügungsreisende  nach
Italien  kamen,  die  sich  im  Durchschnitl  gerechnet
30  Tage  aufhielten  und  während  ihres  Aufenthaltes
  18  Lire  pro  Tag  verbrauchten.  Die
Einnahmen  der  Eisenbahn  aus  diesem  Fremdenbesuch
  beliefen  sich  jährlich  auf  15  Millionen
Lire,  und  macht  man  einen  allgemeinen  lleberschlag,
  so  lommt  man  zu  dem  Ergebnis,  daß
Italien  durch  die  Vernichtung  seiner  Fremdenindustrie
  eine  Einbuße  von  jährlich  51/)  Mil-=lionen
  Lire  erleidet.

Wenn  auch  natürlich  nicht  im  gleichen  Maße
wie  die  italienische,  so  hat  doch  auch  die  schweizerische
  Hotelindurie  unter  den  Kriegezeiten
sckuner  zu  leiden.  Das  Kapital,  das  in  der
Schune#iz  in  Hoteli  etrieben  angelegt  in,  wird  von
Sachkundigen  aus  rund  eine  Milliarde  Franken
veranschlagt,  die  zur  Verzinsung  #nd  Amortisation
  einen  jährlichen  Betrieb#überschuß  von
nicht  unter  70  30  Millionen  Franken  erfordern.
  Während  die  Situalion  im  ersien  Kriegejahre
  menigstens  noch  einigermahen  erträglich
war,  verschlimmerte  sie  sich  im  weiteren  Verlauf
  des  Krieges  derart,  daß  die  Bundesregierung
  sich  am  2.  November  1915  gezwungen  gesehen
  hat,  Maßregeln  zum  Schutze  der  Holelbesitzer
  und  solcher  verwandten  Berufe  zu  ergreifen,
die  ganz  oder  zum  wesentlichen  Teil  auf  die
Fremdenindustrie  angewiesen  sind.  So  bestimmt
die  bundesratliche  Verfügung  unter  anderem,
daß  derjenige,  der  sich  außer  Stande  sieht,
seinen  Verpflichtungen  nachzukommen,  sich  an
ein  hierfür  eigens  einberufenes  Schiedsgericht
zu  wenden  habe,  das  ihm  die  Zahlung  einstweileu
  erlassen  kann,  jedoch  nicht  über  das  Jahr
1920  hinaus.  ie  Summen,  die  auf  diese
Weise  gestundet  werden,  sind  mit  5  Prozent
zu  verzinsen;  Bedingung  jür  die  Erlangung
des  Zahlungaufschubes  L  jedoch,  daß  die  Zahlung
  in  der  Zeit  vom  1.  Jannuar  1914  bis  31.
Dezember  1916  fällig  wmar  oder  sein  wird.

Eine  weitere  Maßnahme  des  Bundesrates
besteht  darin,  daß  vom  10.  Norember  1915
ab  alle  Neubauten  und  Erweiterungen  von  Hotels
  und  Pensionaten  verboten  werden;  eine
Ausnahme  von  dieser  Bestimmung  ist  nur  zulässig,
  wenn  durchaus  zwingende  sinanzielle  oder
sonstige  Notwendigkeiten  nachgewiesen  werden
können.

Hschener  Neusgrellen.

München,  2.  Febr.  Die  Benediktiner  von
St.  Bonifaz  haben  mit  Gene  bmigung  des  Königs
  die  Kupferdachbedeckung  der  Basilika  und
der  Abtei  dem  Staate  zur  Verfügung  gestellt.

 

 

 

 

sigen

mehr  hat  auch

 

münchen,  2.  Febr.  Die  weitere  Biereinschränlung
  macht  sich  bemerlbar.  Mit  dem  gestrigen
  Tage  halen  in  erster  Linie  die  Wirte
der  Löwenbrauerei  die  Mitteilung  erhalten,  daß
sie  sich  für  den  Monat  Fedruar  mit  einer  neuerlichen
  Biereinschränlung  abfinden  müssen.  Sie
müssen  deshalb  in  den  Nachmittagsstunden  den
Absatz  von  Braunbier  in  ihren  Lokalen  einstellen.

rn—  hr  *

UNiederaschau,  2.  gebr.  *-  Frauenzweigverein
  des  Roten  Kreuzes  konnte  in  seiner  von
mehreren  Hundert  Personen  besuchten  Generalrersammlung
  auf  ein  erfolgreiches  Jahr  zurückblicken
  und  zählt  zurzeit  318  Mitglieder.  Die
Einnahmen  betrugen  5098.90  Mk.  und  waren
außer  den  Mitgliederbeiträgen  durch  freiwillige
Spenden  und  durch  die  Ergebnisse  von  Opfertagen,
  Kirchenkonzerten,  Liederabenden  und
Theatervorstellungen  aufgelracht  worden.  Frasdorf
  hat  sich  überdies  durch  herrliche  Leinenspenden
  den  Dank  der  Königin  verdient.  Die
Ausgaben  für  Zentrale,  Liebesgaben,  Gefangenenfürsorge,
  Kriegerfamilienunterstützungen
ustrr.  betrugen  4800.  32  Der  bisherigen,
nach  auswärts  verzogenen  1.  Vorsitzenden,  Frau
Direltor  Dreß,  wurde  der  Dank  für  ihre  reichen
  Verdienste  um  den  Verein  ausgesprochen
und  an  ihre  Stelle  die  bisherige  verdienstrolle
Schriftführerin  und  Kassierin,  Frau  Mathilde
Einöder  von  Aschau,  gewählt.  Für  das  reiwillig
  ausscheidende  Aucsschußmitglied  Frau
Psaffinger,  die  auf  Vorschlag  des  Hru.  Baron
v.  Cramer-Klett  einmütig  zum  Ehrenmitglied
ernannt  wurde,  wurde  Frau  Oberförster  Läffner
  in  den  Ausschuß  berufen,  dem  noch  Frau
Kommerzienrat  Zillib##ller,  Frau  Obermaier  und
Frau  Dr.  Hayler  angehören.  Die  Schristfülrerstelle
  übernahm  Hr.  Schloßoilar  Hadl.
An9  Mitglieder  (die  Frauen:  Zillibiller,  Einöder.,
  #  Olermaier,  Kistler,  Osterhauser,  Huber,
Grimm,  Häffner,  Hobelsberger)  konnten  Ehrendirlom
  und  Silberkranz  für  25  jährige  Zugehörigleit
  zum  Verein  verteilt  werden.  Klavier-
  und  Gesangsvorträge  verschönerten  den
Verlauf  der  Versammlung.

Wasserburg,  3.  Febr.  Der  Magistrat  hat
leschlossen:  Auf  Kriegsdauer  wird  der  Besuch
des  hiesigen  Kinos  durch  Kinder  bie  zur  Voll—
endung  der  Fortlildungsschulpflicht,  gleichvicl
ob  mit  oder  ohne  Begleitung  Erwachsener,  oder
oh  die  Kinder  von  hier  oder  vom  Lande  sind,
verbolten.

Mühlkorf,  3.  Febr.  Der  Gastwirt  und  Realitätenbesitzer
  Bilus  Straßer  in  Haun  ist  im
Alter  von  66  Jahren  gestoren.  Er  war  lange
Jahre  Mitglied  des  Dikriltsausschusses  Mühlorf.


 

 

Lotsinschrichten.
Rosenheim,  3.  Februar.
Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:

Franz  Däschinger,  Hausmeister  auo  Wasserburg,
  Soldat  im  16.  Res.=  Juf.-Reg.
Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Gefreite

  Alois  Loichinger  im  15.  Juf.  Reg.  (Maschinengewebrlomp.),
  Sohn  des  4  Fermeisters
Loichinger  in  Rosenleim,  wurde  mir  dem  Eisernen
  Kreuz  ausgezeichnet;  er  steht  bereits  seit
Kriegolr  ginn  an  der  Front.  Dem  Reservisten
Franz  Ganterer  im  1.  Landsiurm  Inf.-Reg.,
Sohn  ven  Elise  Ganterer  in  Rosendeim  (bei
Frau  Mittermaier),  wurde  das  Eiserne  Kreuz
verlielsien.  Der  Gesreite  Alois  Bleier  im  3.
Cherauleger-  Reg.,  Sol  n  des  Schlossermeisters
Bleier  in  Garg  a.  J.,  erhielt  das  Militärverdienstkreuz
  3.  Kl.  mit  Schwertern.

Beförderung.  Der  Diplom=  Ingenieur
Georg  Schrettenseger,  welcher  bisher  als  Offiziersstellvertreter
  im  26.  Pionier-Bat.  Modlin
stand,  ist  zum  Leuinant  befördert  worden;  er
ist  ein  Bruder  des  Architelten  Schrettenseger  in
Rosenheim.

Erfolgreiche  Goldsammlung.  Der
Feldwebel  Zimmermann  der  4.  Kompagnie  unseres
  Bataillons  ist  mit  großem  Erfolge  in
der  Sammlung  von  Reichs-Goldmünzen  tätig.
Allein  in  den  letzten  Wochen  hat  er  für  10  000
Mark  Goldmünzen  gesammelt  und  sie  der  hie-Reichsbanknebenstelle
  zugeführt.  Diese
Sammeltätigkeit  verdient  uneingeschränkte  Anerkemung.


Städtischer  Kartoffel  verlauf.  Die
den  hiesigen  Händlern  enteigneten  Kartoffel  werden
  jent  von  der  Stadt  im  städtischen  Lagerhaus
verlauft.  Die  Verkaufstermine  sind  in  einer
amtlichen  Bekanntmachung  in  der  heutigen  Nummer
  des  „Rosenheimer  Anzeiger“  zu  ersehen.
Füns  Pfund  kosten  21,  10  Pfund  42  und  20
Pfund  84  Pfennige.  Mehr  wie  20)  Pfund  werden
  an  eine  Familie  nicht  abgegeben.  Die  Gastwirte
  erhalten  Kartoffel  auf  Grund  eines  Bezuggscheines


Kriegsbier.  Aus  Hausham  wird  berichtet:
  vFeP  befindet  sich  hier  eine  Niederlage

  der  Brauerei  Münch  in  Wald  bei  Mühldorf,
  die  schon  in  Friedenszeiten  Bier  zu  billigerem
  Preis  in  Flaschen  und  Gebinden  abgab.
  Seit  Einführung  des  34.Pfg.  Preises  kostet
  das  sog.  Mühldorser  Bier  25  Pfg.  der

Liter  und  sand  selbstredend  großen  Absatz.  Nundie
  Wattzinger-Brauerei  vor
14  Tagen  ein  „Mühldorfer  Bier“  eingeführt,

 

das  in  den  Wirtschaften,  nur  über  die  Gasse,
der  Liter  zu  25  Pfg.  abgegeben  wird.  Seit
gestern  gibt  es  nun  auch  in  den  beiden  Wirtschaften
  „Biber“  und  „Haushamer-Hof“  das
sog.  „Kriegebier"  der  Auer-Brauerei  Nosenheim,
  ebenfalls  zu  25  Pfg.  Diese  Biere  haben
  einen  verminderten  Stammwürzegehalt,  ca.
7  Prozent.  Die  Urteile  darüber  gehen  auseinanver,
  sind  aber  dahin  musammenzufassen,  daß  es
heißt,  um  diesen  Preis  läßt  sich's  trinken.“
Herrgott!  Schicke  uns  doch  einen  Konkurrenten,
  der  die  anderen  Lebensmittel  auch  verbilliat!


Die  neuen  Brotkarten  gelangen  Ende
dieser  Woche  zur  Ausgabe.  Sie  umfassen  die
Zeit  vom  7.  Nebr.  bis  einschließlich  5.  März.
Snssprechend  dem  neuen  Verteilungspian  sind
die  Karten  kleiner  geworden  wie  die  früheren.
Während  bisher  die  Karte  1  insgesamt  17
lleine  und  eine  große,  fünf  kleine  Marken  umsassende
  Marken  zählte,  besteht  die  neue  Brotlarte
  nur  mehr  aus  18  lleinen  Marlen  zu  je
70)  Gramm;  die  große  Marle  kam  gänzlich  in
Wegsall.  Mit  anderen  Worten:  die  bigsherige
Karte  umfaßte  für  die  Woche  22  kleine  Marklen,
  während  die  neue  Karte  nur  18  Marlen
zählt.  Die  neue  Brotkarte  II  (für  Schwerarbeiter)
  umfaßt  20  kleine  Marken  zu  je  70  Gr.
und  eine  große  Marle  zu  350  Gr.  Brot  oder
2500  Gr.  Mebl.  Die  neue  Mehllarte  beginnt
ebenfalls  mit  dem  7.  Februar  und  endigt  mit
dem  5.  März.  Sie  umfaßt  fünf  Ausweismarlen
  zum  Bezuge  von  je  einem  halben  Pfund
Mehl,  also  insgesamt  212  Pfund  Mehl.  Weiter
ist  iuer  eine  Reiskarte  angefugt.  welche  zum  Anlauf
  eines  halben  Pfundes  Reis  berechtigt.  Die
Algabe  des  Reises  erfolgt  im  Laden  Innstr.  2
(Lederer  Stechl).  .

Die  neuen  eisernen  Zehnerl  sind
heute  in  Rosenleim  eingetrofsen  und  zur  Ausgale
  gelangt.  Sie  ähneln  in  ihrem  Aeußeren
den  eisernen  Fünserln.  Einige  Stücke  haben  wir
in  unserem  Schaufenster  ausgestellt.

Der  Schleugelmarkt  trug  auch  heuer
Kriegegerräge.  Er  krachte  zahlreichen  ländlichen
  Besuch  in  die  Stadt,  in  der  Hauptsache
Maren  es  aber  jüngere  Leute  und  das  weibliche
  Element.  Auf  der  Gesindebörse  ging  es
recht  lelhaft  her.  Der  Mangel  an  männlichen
Dienstboten  machte  sich  alienthalben  geltend.

As  des  Gerichtstagfe.
Straßenraub.

Uünchen,  1.  Febr.  Eine  liederliche  Gesellschaft,
  der  Schreiner  Josef  Wachter,  der  Taglöhner
  Otto  Eckart,  der  Schreiner  Thomas  Limmer
  von  Mündelfeld,  junge,  arleitsscheue  Bursd
  en,  waren  am  17.  September  1915  mit  zwei
liederlichen  Frauenspersonen,  dem  19  jährigen
Biermädchen  Anna  Schermbach  und  der  18.
jäbrigen  Hilssarbeiterin  Marie  Niedermeier  von
hier,  in  einer  Gastwirtschaft  in  der  Sendlingerstraße
  beisammen.  Später  lamen  noch  der
Maler  Moritz  Wagner  und  der  Ausgeher  Martin
  Aianer  dam,  und  eines  der  Mädchen  erzählte,
  daß  sie  sich  für  abends  mit  einem  jungen
Skreinergeble  en  zusa  mieentestellt  habe,  der  viel
Geld  bei  sich  habe.  Sofort  machten  alle  milteinander
  aus,  daß  eines  der  Frauenzimmer  den
Lierhaber  zur  Therelienwicse  zu  locken  habe,  die
Burscken  soilten  im  das  Geld  dann  gewaltsam
nelemen.  Nach  diesem  Plan  uurde  auch  gehandelt;

  die  zrei  Frauenspersonen  gingen  mit
dem  Schreinergehil'  en  voran,  die  fünf  Burschen
schlicken  binterdrein.  Verabredungs  „gemäß  bliehen
  dann  die  Mädchen  zurück.  Auf  ein  Deichen
sielen  die  fünf  Burschen  über  den  Schreinergebilsen
  her  und  warsen  ilen  zu  Boden;  weil  er
schrie,  sch  lugen  sie  ihn,  einer  hielt  itm  den  Mund
zu.  Eckart  nabm  ihm  den  4  Mi.  enthaltenden
Geldreutel  aus  der  Tasche,  dann  liesen  aile
sort.  Bon  der  Beute  lieferte  Edart  nur  21
Pfennige  ab.  Wagner  und  Aigner  sind  bereite
von  der  Ingendstraflammer  abgeurteilt,  die
übrigen  Angeklagten  suchten  in  der  Schwurgerichtsverhandlung
  die  Hauptschuld  sich  gegenseitig
  zuzusch  ieben.  Das  Urteil  lautete  für  Ottlo-Eckart
  auf  2  Jahre  Gefängnis,  für  Limmer
auf  1  Jahr  3  Monate  Gefängnis,  für  Marie
Niedermeier  auf  1  Jahr  6  Monate  Gefängnis,
für  Anna  Schermbech  auf  1  Jahr  9  Monate
Gesängnio.  Allen  wurden  3  Monate  Untersuchungshaft
  angerechnet,  Josef  Wachter  wurde
wegen  Körperverletzung  zu  3  Monaten  Gefängnis
  verurteilt.

Hütet  die  Kinder!

München,  2.  Febr.  Eine  Fabrikarbeitersfrau
  war  an  einem  Tage  im  Dezember  v.  J
aus  ihrer  Wohnung  an  der  Unteren  Weidenstraße
  fortgegangen,  um  Milch  zu  holen  und
ließ  unterdessen  ihre  beiden  Kinder  im  Alter
von  2  Jahren  und  11  Monaten  allein  in  der
Wohnung  zurück.  Der  zweijährige  Knabe  warf
inzwischen  die  Petroleumlampe  vom  Tisch,  das
Petroleum  überschüttete  den  Knaben,  der  dem
im  Ofen  Crennenden  Feuer  zu  nahe  kam  und
im  Nuh  lichterloh  brannte.  Nach  einigen  Stunden

  slarb  er  im  Krankenhaus.  Wegen  fahr.
lässiger  Tötung  verurteilte  nun  das  Landgericht
München  I  die  Mutter  zu  drei  Monaten  Gefängnis.


Bestrafter  Viehschmuggel.

Hafsau,  2.  Febr.  Der  Bauer  Heinrich  Degenhart
  von  Zwölfhäuser,  der  Bauerssohn

 

 

Freitag,  4.  Februar  1  1

Ludwig  Stodinger  von  Manth  und  der  r*—
ler  Leopold  Kilger  von  Zwölhäuser,  wollte
mit  einer  weiteren,  nicht  ermttlellen  Manns
person  rier  Stück  Ochsen  im  Gesanitwerte  vo
4000  Mk.  nach  Böhmen  schmuggeln.  Der  au
einem  Dienstgang  begriffene  Forstassistem
Schwarzländer  sah  die  Spuren  der  Schungg
ler  und  der  Ochsen  im  Schnee,  verfolgte  ji
und  konnte  die  Schwärzer  samt  den  Ochsen  vo
dem  Uebertritt  nach  Pobmen  noch  ergreifen
Die  drei  Genannten  hatten  sich  vor  dem  hie
sigen  Landgericht  wegen  Bandenschmuggel  z
verantworten.  Das  Urleil  lautete  für  dege
hart  auf  3  Monate  Gefängnis,  16000  M
Geldstrafe  ev.  ein  weiteres  Jahr  Gefängnis
für  Stockinger  auf  1  Monat  Gefängnis,  800
Mark  Geldkuße,  eco.  weitere  6  Monate  Ge
sängnis  und  für  Kilger  auf  1  Monat  Gefäng
nis,  2000  Mk.  Geldkuße,  ev.  ents  rechende  Tag
Cefängnis.  Die  Bauerswitwe  Marie  Nanzin
ger,  welche  zwei  der  enikommenen  Ochsen  i#
ihrem  Si#e  einstellen  ließ  und  der  Gendat
merie  gegenüber  behauptete,  dieselben  hab
Kilger  für  sie  gekauft,  wurde  wegen  eines  Ver
gehene  der  Vergünstigung  zu  50  Mk.  Geld
strase  verurteilt.

Bunte  Chronlk.

Geschütz=  und  Geschohnamen  de
Soldaten  sgrach  e.  Bei  keiner  anderen  Er
scheinung  des  Kriegölebens  hat  unsere  Soldaten
sprache  so  gute  und  reichliche  Gelegenheit,  ihre
Witz  und  ihre  Einbildungskraft  spielen  zu  la
sen,  wie  bei  den  artilleristischen  Geschossen:  da
rasche  Dahinsausen  der  leichten  wie  das  lang
samere  Dahingleiten  der  nichweren  Geschosse,  da
Geräusch,  mit  dem  sie  die  Luft  durchschneide
und  dann  zerschellen,  drängt  geradezu  zu  Vei
gleichen  mit  lebenden  Wesen.  So  heißen,  wi
wir  einem  Pöchst  "esselnden  Aussatz  von  Pro
Dr.  Karl  Bergmann  in  „Westermanns  Mr
natslesten“  entnehmen,  die  Granaten  der  fra#
zösischen  Flachlahn-  Schnellfeuergeschütze  „Kei
tenhunde“,  weil  sie  plötzlich  angesaust  komme
und  dadurch  an  das  Ansoringen  eines  böse
Hundes  erinnern.  Erensallo  mit  Bezug  auf  ihr
Schn  elligleit  füten  die  französischen  7.5-Zem
meter-Sprenggranaten  „Stinkwiesel“,  währen
die  langsamer  dahinzichenden  schweren  Geschof
„Blindschleichen“  sind.  Die  Geschosse  der  deuschen
  Fiachbahngeschütze,  welche  die  feindliche
Gräben  beschichen  und  dicht  über  die  Köpfe  de
deutschen  Soldaten  binmegluschen,  sind  „Ka
zen“.  Russische  Granaten  heißen  „Weichse
vbögel  oder  „Stahlgäuse“.  Auch  die  Geschüt.
seltst  erhalten  manchmal  Tiernamen:  wege
ihres  gedrungenen  Baues  führen  die  schwere
Feldhaubitzen  die  Bezeichnung  „Kröten“.  N
ben  den  Tierrergleichen  spielen  huch  die  Vegleiche
  der  Geschosse  und  Geschure  mit  Me
schen  eine  ledeutsame  Rolle.  Die  französisch
lleinere  Schmester  der  „Dicken  Berta“  ist  er
21-Zentimeter-Geschoß,  bei  dem  man  keinen  A:
schub,  sondern  nur  das  immer  näher  kommend
Pfeifen  und  das  plötliche  Einschlagen  hör:
„Marie  auf  Socken“  ist  die  bübsch  erdachte  Br
zeichnung  für  dae  Geschob;  ein  anderes  schwere
Geschoß  beist  die  „schwarze  Marie“;  sie  ver
danlt  ihren  Namen  der  schmarzen  Ranchwolb
die  beim  Oerschellen  des  Geschosses  sich  emn
wicell.  Von  mämKlichen  Benennungen  sei  ewähnt
  der  „Gurgelaugust“,  das  französise.
15,  Zentimeter  Feschoß,  das  seinen  merkwürdigr
Namen  den  eigentümlichen  gurgelnden  Tönererdanlt,
  mit  denen  es  durch  die  Luft  ziell
Auch  dem  bösen  Bubenpaar  „Max  und  Mori'
legegnen  wir  auf  den  Kriegeschauplätzen
Geslalt  zweier  kleiner  deutscher  Geschütze,  tI
den  Franzosen  viel  zu  schaffen  machten.  Ne#-diesen
  mit  Hilse  von  Vornamen  gekildeten  2  V.
zeid  nungen  slehen  noch  Benennungen  wie  z.  *
der  „Rollsckuhläufer“  für  ein  schweres  deuisch
Geschoß,  dessen  Flug  sich  anhört,  wie  wenn  ei
Nollschuhläufer  über  eine  Betonfläche  fähn
Bei  dem  eigenartig  rollenden  Geräusch  der  schuren
  Granaten  ist  es  leicht  erklärlich,  wenn  di
Phantasie  unserer  Feldgrauen  auch  sonst  #
Vergleichen  mit  allen  möglichen  Arten  vei
Verlehremitteln  angeregt  wird.  Während  d
einen  aus  diesem  Geräusch  das  dumpfe  Rolle
eines  „D-Zuges“  oder  eines  „Omnibusses
heraushören,  begnügen  sich  wieder  andere  mi
der  Bezeichnung  als  „Leiterwagen“;  für  El
berfelder  Regimenter  lag  es  nahe,  solche  Gro
naten  als  „Schwebebahn“  zu  bezeichnen.
ordentlich  verbreitet,  besonders  bei  den  ba
rischen  Truppen,  ist  die  Bezeichnung  der  enren
  Geschosse  als  „Nollwahen  (Nollwagl).

 

 

Wirtschaftlichkeit  und  außerordenths:t
llares,  glänzend  weißes  Licht  sind  die  besondere
Kennzeichen  der  stromsparenden  neuen  Wotan
Lampen  Type  „G",  welche  von  der  Siemen
u.  Halske  A.-G.  hergestellt  werden.  Bei  Ver
wendung  der  nach  Art  der  Wotan-Halbwat
Lampen  gebauten  neuen  elektrischen  Glühlampe
erhält  man  etwa  40%  mehr  Licht  8  wenũuber  gi
woͤhnlichen  Metalldrahtlampen  gleich  I
Energtevetbrauch  Die  neue  Wotan-La

ype  „G“  kommt  also  den  uschtheafa
en  Zeit  ganz  besonders  entegen  und  dücst
diese  neue  Lampe  bald  überakl  dort  Eingan
sinden,  wo  man  Wert  auf  gute  Beleuchtun

legt.