Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Heinrichs  Erziehung.  51

Eigenschaften  als  Ritter  und  Feldherr  rühmend  hervorgehoben  werden,  weiß
niemand  von  seinen  wissenschaftlichen  Kenntnissen  zu  sprechen").  Die  ersten
Jahre  mag  er  unter  Aussicht  seiner  Mutter  in  Abgeschiedenheit  von  dem  Getümmel
  des  Kampfes  zugebracht  haben.  Einer  seiner  Jugendgespielen  war
der  junge  Graf  Ludolf  von  Peine,  dem  er  auch  später  stets  zugetan  blieb“).
Erst  im  Alter  von  sechs  Jahren,  am  Pfingsten  1135,  wurde  der  jugendliche
Welfe  feierlich  getauft“““).  Dann  wird  er  unter  die  Leitung  des  Burgkaplans
gekommen  sein,  der  ihn  im  Schreiben  und  Lesen  unterwies  und  ihm  einige
rohe  Begriffe  von  der  Religion  beibrachte,  wie  sie  damals  gelehrt  zu  werden
pflegte.  Einige  Gesangesweisen,  die  Namen  und  Festtage  der  vorzüglichsten
Heiligen,  emige  in  das  unverständige  Formelwesen  der  scholastischen  Dialektik
eingehüllte  Dogmen  waren  das  ganze  Christentum,  das  einem  nicht  zu  höherer
Bildung  bestimmten  Knaben  mitgeteilt  wurde.  Vor  allem  aber  ward  der
jungen  Seele  eine  tiefe  Ehrfurcht  vor  der  Geistlichkeit  und  allen  ihren  Geboten
  eingeprägt,  die  größte  Munifizenz  gegen  jene  ihr  zur  Pflicht  gemacht.
Mehr  bedacht  wurden  die  körperliche  Ausbildung  und  die  ritterlichen  Ubungen,
  in  denen  der  junge  Heinrich  sich  unter  seinen  Alersgenossen  auszeichnete.
Niemals  durfte  er  eine  schwelgerische  Lebensweise  führen:  reiten,  den  Wurfspieß
  schleudern,  der  Jagd  obliegen,  mit  der  Armbrust  schießen  und  mit  dem
Schwerte  fechten,  dies  waren  die  Hauptbeschäftigungen  des  jungen  Fürsten.
Obwohl  er  in  allen  diesen  Künsten  sich  als  der  tüchtigste  unter  seinen  Gespielen
  erwies,  war  er  doch  allen  lieb  und  wertf).  Gewöhnlich  begann  die
ritterliche  Lehrzeit  des  „IJungen"  im  siebenten  Jahre.  Er  wurde  dann  von
einem  älteren  Ritter  in  allen  seinem  Stande  zukommenden  Fertigkeiten
unterrichtet.  War  er  zum  vierzehnten  Jahre  herangewachsen,  wurde  er  zum
Knappen  oder  Wappner  erhöht.  Im  einundzwanzigsten  Jahre  pflegte  ihm
dann  der  Ritterschlag  erteilt  zu  werden.  Doch  wurde  bei  jungen  Fürsten  gewiß
  die  Knappenzeit  abgekürzt  oder  ganz  geschenkt,  zumal  bei  einem,  der  so
bald  zur  Selbständigkeit  gezwungen  wurde,  wie  der  welfische  Heinrich.
Sowarer  körperlich  gerüstet  zu  den  harten  Kämpfen,  die  ihm  unzweifelhaft
bevorstanden.  Ob  sein  Charakter  den  unzähligen  Schwierigkeiten  gewachsen
sein  würde,  die  sich  gegen  ihn  erhoben,  war  nicht  abzusehen.  Für  seine  Festigkeit
  und  für  kühnen  Mut  freilich  schien  der  allgemeine  Charakter  des  Geschlechtes
  zu  bürgen,  aus  dem  er  stammte,  aber  genügten  sie  gegenüber  den
mächtig  andringenden  Feinden?  Bayern,  das  alte  Erbteil  seiner  Väter,  war

 

5%  Acerbus  Morena,  Res  Laudenses,  M.  G.  Ss.  XVIII.

%½%  Meibom,  in  den  Noten  zu  Goblinus  Persona,  Scriptores  rerum  Germanicarum,
  p.  446.

5%%  %)  Annales  Weingartenses  Welfici,  M.  G.  Ss.  XVII,  p.  308  sub  anno  1135:  Heinricus
  dux  filins  Heinrici,  postea  Bavariae  et  Saxoniae  dux,  in  pentecoste  bapti-Zatus
  est.

1)  Rahevici  canonici  Frisingensis  Gesta  Friderici  I.  (Schulausgabe)  lib.  IV,  c.  46.
—  Nach  ihm  Vitus  Arenpeck,  De  Guelfis  ap.  Leibniz,  Scriptores  Brunsvicenses  III,
P.  671.  —  Anneles  Marbacenses  (Schulausg.),  p.  45.

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