688 Geschichte der Akademie unter Frirvrıcn WiLueLs 111. (1812—1840).
Solche gemeinsame Arbeiten nun lassen sich freilich nicht befehlen; sie können
nur aus freiem Entschluss hervorgehen, und es ist ein höchst glückliches Zusammentreffen
der Umstände nötlig, damit es zu einem solchen Entschluss komme.
Allein die Verfassung der Akademie kann nicht nur so bestimmt werden, dass sie
fähig sei, solche Unternehmungen, sobald dazu ein Trieb entsteht, augenblicklich
in sich aufzunehmen und zu unterstützen, sondern ich glaube, dass dieses sogar
als die Hauptsache ausdrücklich anzuerkennen ist, ja dass die Akademie, solange
keine Unternehmung dieser Art in ihr im Gange ist, als mangelhaft und auf
ihren wahren Beruf wartend betrachtet werden muss. Soll nun dieses in Ausführung
gebracht werden, so ist das erste Bedürfniss eine richtige Bestiminung der
Klassen. Über die Unzweckmässigkeit der philosophischen Klasse scheint die Meinung
schon jetzt so ungetheilt zu sein, dass ich mich aller Ausführung hierüber enthalte.
Sıvıcny weist nach, dass es ınit der Aufhebung dieser Klasse nicht gethan
sei, dass vielmehr die Geschichte verstärkt werden müsse; denn in der Akademie
sei kein Vertreter der mittleren und neueren Geschichte. Die neu zu bildende historische
Klasse sei eng an die philologische zu rücken, ebenso wie die physikalische
an die mathematische, so dass es im Grunde nur zwei in je zwei Familien
zerfallende Klassen gebe. Was die grossen gemeinsamen Unternehmungen betrifft,
so sei das Inscriptionen-Werk, dem die philologische Klasse die Bearbeitung des
Aristoteles hinzufügen werde, ein Muster. Die historische Klasse aber würde in
den »Monumenta Germaniae«, in einem Üyklus grosser Vorarbeiten zur Begründung
der vaterländischen Geschichte eine würdige Aufgabe finden. Ein dahin gehender
Vorschlag sei schon vor mehreren Jahren gewnacht und dem Minister übergeben
worden!. »Da es aber an Männern zur Ausführung fehlte, und da besonders bald
darauf erst Niepunr wegging, dann Eıcnaorn, auf welchen in der Ausführung ganz
vorzüglich gerechnet war, so ist seitdem nichts mehr in der Sache geschehen.«
Jetzt müsse sie um so mehr wieder angeregt werden. als der Minister von ALTENstein
den trefflichen Plan gefasst habe, auf eine zweckmässige Anordnung der
Landesarchive anzutragen. Zur Bearbeitung solcher grossen Aufgaben können sich
in den einzelnen Klassen kleinere Zirkel bilden. An der Beratliung und Leitung
nimmt die ganze Klasse Theil, die Ausführung besorgen nur Einzelne. Jedes wirklich
in dieser Weise arbeitende Mitglied soll ein Normalgehalt beziehen.
Was nun ferner die äussere Form der akademischen Geschäfte betrifft, so
würde ich Klassen- und Plenarsitzungen vorschlagen. ı. Die Klassensitzungen könnten
regelmässig alle acht Tage gehalten werden. In ihnen wäre: a) die Hauptsache
die fortwährende Leitung der grösseren Arbeiten, und besonders die Sorge,
alle Stockung zu verhüten, b) daneben aber könnten, wenn dazu die Zeit hinreichte,
Abhandlungen gelesen werden... So oft es eine Klasse nöthig findet, träte
sie mit der ihr näher verwandten Klasse zu einer gemeinschaftlichen Berathung zusammen.
2. In den Plenarsitzungen müsste jede Klasse vollständigen Bericht abstatten
von allem, was durch sie in ihren Sitzungen und ausser denselben geschehen.
Vielleicht würden jährlich vier Sitzungen dieser Art hinreichen ... Der Abdruck gelesener
Abhandlungen soll nur erfolgen, wenn die Verfasser es wünschen.
»Was die Bedingungen der Ausführung des Plans anlangt, so bestehen sie
teils in Menschen. theils in Geld. Neue Mitglieder, vor allem für die neue historische
Klasse, müssen gewonnen werden. Savıany verweist auf Rüns, Wirken ?
und besonders auf Eicnnorn® Ein noch strengerer Wahlinodus als der jetzt gel-I
Sielle vben S. 677 ff.
®? Sie wurden wirklich wenige Monate später gewählt (s. oben S.679).
8° Erst im Jahre 1832 wurde er aufgenommen; im Jahre 1816 hatte man den
ausgezeichneten Mann aus Berlin nach Göttingen ziehen lassen.